https://www.faz.net/-gzg-7inr7

Bankberatung bemängelt : Protokoll hilft nicht – kein Protokoll hilft auch nicht

Riskante Anlage: Mit Schiffsfonds haben Anleger Geld verloren. Hier ein Containerschiff beim Beladen in Hamburg Bild: dpa

Noch einmal: die Geldanlage Achtzigjähriger und ihre Dokumentation beim Kreditinstitut. Diesmal beschwert sich ein Kunde über die Commerzbank.

          3 Min.

          Vor einigen Wochen ist an dieser Stelle der Fall einer 85 Jahre alten Kundin der Frankfurter Sparkasse vorgestellt worden, deren Sohn sich ärgerte, dass seiner Mutter ein geschlossener Fonds verkauft worden war, der bis 2024 läuft. Der Sohn meinte, so etwas hätte man einer derart betagten Dame gar nicht andrehen dürfen, doch das Kreditinstitut verwies darauf, dass sie der Kundenberater über die Laufzeit wie auch alle Risiken des Fonds informiert habe – so sei es schließlich auch im Beratungsprotokoll nachzulesen. Dem Wunsch nach Rückabwicklung des Geschäfts – es geht um 20000 Euro – kommt die Sparkasse nicht nach. Immerhin läuft der Fonds gut, weil die Immobilie, in die die alte Frau investiert hat, nach wie vor vermietet ist.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Das Beratungsprotokoll half also in diesem Fall der Kundin nicht. Kein Beratungsprotokoll zu haben nützt aber auch nichts, wie ein Leser aus Niedernhausen berichtet, der sich von der Commerzbank über den Tisch gezogen fühlt, wie er schreibt. Der Mann hat im Jahr 2006, damals war er 80 Jahre alt, 15000 Euro in einen Schiffsfonds investiert, also ebenfalls in eine geschlossene Anlageform, deren Laufzeit in diesem Fall 20 Jahre beträgt. Dies hat der Kunde inzwischen bereut. Er habe weder gewusst, dass es sich um einen geschlossenen Fonds handelt, dessen Anteile man also nicht jederzeit verkaufen kann, noch habe er jemals einen Verkaufsprospekt erhalten, in dem sich dies nachlesen lasse, berichtet er. Vielmehr habe die Beraterin der Bank seinerzeit gesagt, er könne die Geldanlage jederzeit kündigen. Das Verkaufsgespräch sei zudem überstürzt gewesen.

          Kein Fehler bei der Beratung der Bank

          Es gibt einen lebhaften Schriftwechsel zwischen dem alten Mann und der Commerzbank, die ihrerseits argumentiert, der Kunde habe sehr wohl einen Verkaufsprospekt erhalten, in dem alles nachzulesen sei, es habe zudem durchaus mehrere Gespräche gegeben, und dabei sei auch verdeutlicht worden, dass an eine vorzeitige Kündigung nicht zu denken sei. In diesem Fall kann die Bank also nicht auf ein Beratungsprotokoll verweisen, denn 2006 waren diese noch gar nicht vorgeschrieben. Doch hilft es dem Kunden umgekehrt auch nicht, dass er keines hat. Denn nun steht eben Aussage gegen Aussage, was die damaligen Gespräche betrifft. Die Commerzbank zeigte sich in den Schreiben der vergangenen Monate nicht bereit, dem Kunden entgegenzukommen. Geschrieben wurde also viel. Etwas pikiert ist der Mann aus Niedernhausen, dass niemals ein Mitarbeiter der Bank das Gespräch gesucht hat.

          Auch der Weg zum Ombudsmann hat dem Mann als Niedernhausen nicht geholfen. Von dieser Kundenbeschwerdestelle des Bundesverbands Deutscher Banken heißt es lediglich, sämtliche Fragen seien zwischen Kunde und Bank strittig, eine Schlichtung bei dieser Lage nicht möglich. Es bleibe nur die Möglichkeit, dies gerichtlich klären zu lassen. Der Niedernhausener hat im Juli sogar an Commerzbank-Chef Martin Blessing geschrieben, aber auch das hat nichts genutzt. „Wir bedauern die Ihnen entstandenen Verluste“, hat ihm Blessings Büro geschrieben, „wir versichern Ihnen unser unvermindertes Interesse an der Fortsetzung der vertrauensvollen Geschäftsbeziehung“, aber auch: „Ein zum Schadensersatz verpflichtendes Fehlverhalten der Bank vermögen wir jedoch nicht zu erkennen.“

          Nun doch Lösungsvorschlag von der Bank

          Der Fall hat größere Brisanz als der der Frankfurter Sparkasse. Denn der Schiffsfonds, den die Commerzbank vertrieb, hat nach deren Angaben seine Ausschüttungen ausgesetzt. Der Kurs des Fonds auf dem Zweitmarkt liegt bei lediglich noch zwölf Prozent. Allgemein heißt es, aufgrund von Überkapazitäten und sinkenden Charterraten sei bei Schiffsfonds mit großen Verlusten zu rechnen. Der Immobilienfonds, den die Sparkasse verkauft hatte, hat dagegen bisher keinen Grund zur Klage gegeben.

          Auf Anfrage dieser Zeitung bleibt die Commerzbank bei ihrer Haltung, sie habe den Mann aus Niedernhausen in ihrer Geschäftsstelle in Wiesbaden keineswegs fehlerhaft beraten. Sie wolle nun aber doch mit einem Lösungsvorschlag auf den Kunden zugehen. Selbst falls es in diesem Fall also noch zu einer gütlichen Einigung kommt, bleibt das Problem, dass der Kunde, wenn er nach Jahren ein Geschäft reklamiert, mit oder ohne Beratungsprotokoll keine guten Karten hat. Und es bleibt die Schlussfolgerung, die sich auch schon im Fall der Frankfurter Sparkasse aufdrängte: Man kann bei Geldgeschäften nicht genug aufpassen.

          Weitere Themen

          Richtig sparen ohne Zins

          Zum Abschied von Mario Draghi : Richtig sparen ohne Zins

          Wird EZB-Präsident Mario Draghi in die Geschichte eingehen als der Mann, der die Zinsen abgeschafft hat? Verbraucherschützer Niels Nauhauser über die wahren Ursachen der Niedrigzinsen, die Herausforderungen für die Sparer - und die Tricks der Banken.

          Kletterparadies Kalymnos Video-Seite öffnen

          Sportlicher Trip an die Ägäis : Kletterparadies Kalymnos

          Kletterfans aus aller Welt treffen sich einmal im Jahr auf der griechischen Insel Kalymnos. An den spektakulären Felsformationen messen sie sich unter anderem im Deep Water Solo – dem freien Klettern über tiefem Wasser.

          Topmeldungen

          Die typische Landschaft des Teufelsmoor bei Worspwede bei Bremen.

          Bedrohte Moorgebiete : Die unterschätzten Klimaretter

          Die Moore sind gefährdet. Immer mehr dieser Feuchtgebiete trocknen aus. Dabei sind sie für das Erdklima mindestens so wichtig wie unsere Wälder, wie zwei aktuelle Studien belegen.
          Mario Draghi und seine Nachfolgerin Christine Lagarde.

          Wechsel an der EZB-Spitze : Draghi und die Deutschen

          Nirgendwo ist EZB-Präsident Mario Draghi, der am 31. Oktober abtritt, auf so viel Protest gestoßen wie in Deutschland. Am Ende hat er die Macht der Europäischen Zentralbank überdehnt. Eine Bilanz.

          Video-Filmkritik: „Terminator 6“ : Killermaschinistinnen vor!

          Der sechste Film der „Terminator“-Reihe ignoriert die Teile drei, vier und fünf zugunsten einer gigantischen Karambolage zahlreicher Gegenwartsprobleme und Zukunftsaussichten: „Terminator: Dark Fate“ ist ein Katalog der Körperpolitik für Menschen und Maschinen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.