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Human League in Frankfurt : Im Zeit-Kokon

  • -Aktualisiert am

Feiern die Triumphe von einst noch mal: Human League in Frankfurt Bild: Jana Mai

Das ist alles so Achtziger: Die Pioniere von Human League schließen einen unterhaltsamen Zeit-Kokon um ihr Publikum in der Frankfurter Batschkapp. Dessen Erwartungshaltung lautet schlicht: Hits, Hits, Hits.

          Eine brünette Dame jenseits der vierzig bringt es auf den Punkt: Sie sei ja nur gekommen, um „Don’t You Want Me“ zu hören. 1981 stand der makellose Synthiepop-Klassiker, der heutzutage auf keiner Eighties-Party fehlen darf, nicht nur in Großbritannien auf Platz eins der Charts. Der Ohrwurm allein schon hätte genügt, um die Formation aus der ehemaligen britischen Stahlmetropole Sheffield den Pop-Annalen einzuverleiben. Weitere, nicht mehr ganz so weltbewegende Hits folgten zwar bis zum Ende des Jahrzehnts, aber im Gegensatz zu den Kollegen von Depeche Mode verloren Human League ihre Vorreiterstellung im internationalen Elektro-Pop-Diskurs.

          Gut möglich, dass sich in die ausverkaufte Frankfurter Batschkapp auch vereinzelt Anhänger des um einiges experimenteller angelegten, seinerzeit von Ian Craig Marsh und Martyn Ware 1977 gegründeten Quartetts angelockt fühlen. In der Hoffnung, dass die vom einzig verbliebenen Urmitglied Phil Oakey angeführten Human League auch Songs aus den beiden ersten, noch an Kraftwerk angelehnten Alben zum Besten geben. Marsh und Ware hatten 1980 die Konkurrenzband Heaven 17 ins Leben gerufen.

          Nostalgiemomente

          Vielversprechend legen Human League los, neben Oakley die in schicke Abendroben gehüllten Sängerinnen Joanne Catherall und Susan Ann Sulley, die seit der erfolgreichen Zweitversion von 1981 dazugehören, sie feiern den Elektro-Kracher „The Sound Of The Crowd“ vom Durchbruchswerk „Dare“. Ganz in elegantem Weiß gehalten ist das Ambiente. Auf zwei Etagen vor Hintergrundprojektionen im Bauhaus-Look stehen sechs Musiker: Unten tummelt sich das nach wie vor stimmlich noch immer patente Gesangstrio, oben stehen drei jüngere Begleitmusiker an E-Drums und diversen Tasteninstrumenten. Mit „Mirror Man“ im Motown-Soul-Modus sowie „The Things That Are Dreams Made Of“ und „Seconds“, beide ebenfalls aus „Dare“, bleibt das auf Nostalgiemomente erpichte Publikum gewogen. Lediglich der fast so asymmetrisch wie einst Phil Oakeys Frisur arrangierte Elektro-Pop von „Night People“ aus dem Spätwerk „Credo“ (2011) irritiert ein wenig. Lautet die Erwartungshaltung doch schlicht: Hits, Hits, Hits. In hastigen Schritten durchmisst Phil Oakey die Bühnenquadratmeter, gibt den eloquenten Entertainer, hat sich für seine 63 Lenze gut gehalten und lässt mit Ziegenbärtchen, spiegelglatt rasiertem Haupt und teilweise in schwarzes Leder berockt auch noch modische Finesse erkennen.

          Zwischen einst Erfolgreichem wie der kritischen Bürgerkriegs-Ode „The Lebanon“ oder dem von ruhiger Harmonie getragenen „Human“ mit den Zeilen „I’m only human. Of flesh and blood I’m made. Human. Born to make mistakes“ keilt sich auch Belangloses wie der von dem auf stete Animation getrimmten Damenduo besungene „One Man In My Heart“ und das banale „Louise“. Offenbar für Kenner ist „Behind The Mask“, eine Coverversion der japanischen Elektro-Pioniere Yellow Magic Orchestra. Stürmische Reaktionen entfachen aber erst weitere Auszügen aus „Dare“: „Open Your Heart“ etwa und das so sehnlichst von der Brünetten herbeigesehnte wie vom Publikum mitgesungene „Don’t You Want Me“. Mit dem grandiosen „Being Boiled“ im Zugabenteil kommen dann endlich auch frühe Human-League-Fans zum Zuge. Der unterhaltsame Zeit-Kokon schließt sich mit einem Schmankerl von 1984: dem Soundtrack-Beitrag „Together In Electric Dreams“. Damals arbeitete Oakey mit der Elektro-Legende Giorgio Moroder.

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