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Benefiz-Gala : Keinen Euro für den Ball des Sports

  • -Aktualisiert am

Beim Ball des Sports im Jahr 2020 tanzte Thomas Gottschalk mit Franziska van Almsick. Bild: Maximilian von Lachner

Die Gala der Deutschen Sporthilfe wird wohl nicht mehr in Wiesbaden stattfinden - die Stadt streicht ihren Zuschuss. Frankfurt hat schon Interesse bekundet.

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          Der Ball des Sports wird in den nächsten Jahren wohl nicht mehr in Wiesbaden veranstaltet werden. Der Magistrat hat am Dienstagmorgen eine Vorlage von Wirtschaftsdezernent Oliver Franz (CDU) abgelehnt, die einen städtischen Zuschuss von 248.000 Euro pro Jahr vorsah, mit dem der Ball weiterhin in der Landeshauptstadt hätte stattfinden können. Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) hat abweichend von der Magistrats-Mehrheit für die Vorlage gestimmt und bedauerte, dass der Ball die Landeshauptstadt nun aller Voraussicht nach von 2023 an verlassen werde. Unterdessen hat die Stadt Frankfurt ihr Interesse bekundet, die renommierte Benefiz-Gala der Stiftung Deutsche Sporthilfe an den Main zu holen.

          „Der Ball des Sports ist eine Flaggschiff-Veranstaltung für die Landeshauptstadt und ein Aushängeschild für die Leistungsfähigkeit des Rhein-Main Congress-Centers (RMCC). Seine positive Wirkung ist nicht in Euro und Cent auszurechnen“, teilte Mende nach der Sitzung mit. Die Vorlage von Franz sah vor, dass der städtische Zuschuss aus nicht verwendeten Haushaltsmitteln der vergangenen Jahre bestehen sollte. 400 000 Euro hätte Lotto Hessen jährlich zugeschossen und weitere 200 000 Euro die Spielbank. Der Gesamtzuschuss hätte somit 848 000 Euro betragen. Die Miete für das RMCC sollte 548 000 Euro betragen. Da das Congress Center der Stadt gehört, hätten die Erlöse abzüglich des städtischen Zuschusses brutto rund 300 000 Euro an Mehreinnahmen für den Konzern Stadt im Jahr erbracht. Bei einer Vertragslaufzeit von fünf Jahren verzichte der Stadtkonzern somit auf Mieteinnahmen in Höhe von rund 2,75 Millionen Euro durch die eigene Kongressgesellschaft, war nach der Entscheidung zu hören. Das stimmt allerdings nur dann, wenn es der Geschäftsführung des RMCC nicht gelingt, eine adäquate Ersatzveranstaltung für den Ball des Sports zu finden, der das RMCC mit Auf- und Abbau für etwa zwei Wochen belegt. Zudem müssten die städtischen Zuschüsse von knapp 1,25 Millionen Euro über fünf Jahre gegengerechnet werden.

          „Ich bedaure die Entscheidung sehr. Aus meiner Sicht war der Ball des Sports noch nie so attraktiv für Wiesbaden wie heute, weil es noch nie eine Mitfinanzierung des Landes über die Lotto GmbH gegeben hat und zugleich wäre er aufgrund der Corona-Einbußen für Gastronomie und Hotelgewerbe so nötig gewesen wie noch nie“, sagte Franz zur Magistratsentscheidung. Martin Michel, Geschäftsführer der Wiesbaden Congress & Marketing GmbH, hatte den Magistratsmitgliedern zuvor Studien präsentiert, die die Sekundäreffekte des Balls auflisteten. Demnach löse der Ball jedes Jahr eine direkte und indirekte Wertschöpfung in der Region von mehr als vier Millionen Euro aus. Der Hotel- und Gastronomieverband Hessen und dessen Wiesbadener Kreisverband hatten am Montag eindringlich an den Magistrat appelliert, den Ball in der Stadt zu halten.

          Kein Zuschuss mehr aus Wiesbaden

          Die sich in Wiesbaden anbahnende Koalition aus Grünen, SPD, Linke und Volt hatte Ende 2021 angekündigt, den bisherigen städtischen Zuschuss in Höhe von fast 400.000 Euro für den Ball zu streichen (F.A.Z. vom 24. November 2021), und auch der neue Vorschlag von Franz fand keine Zustimmung. Unter der Überschrift „Keine Steuergelder für den Ball des Sports“ lobte die Volt-Fraktion die Magistratsentscheidung, auch wenn man grundsätzlich für Großveranstaltungen sei, bei denen es sich um Wirtschaftsförderung handele. „Vom Ball des Sports haben die meisten Wiesbadener jedoch nichts. Deshalb setzen wir uns für eine Finanzierung ausschließlich durch Sponsoren ein“, teilte der wirtschaftspolitische Sprecher Achim Sprengard mit. Die CDU-Fraktion zeigte sich „schockiert“, dass der Magistrat trotz eines „adäquaten Finanzierungsvorschlags“ gegen „diese wichtige Charity-Veranstaltung gestimmt hat“. „Dass sich nicht einmal der Oberbürgermeister gegen das eigene Linksbündnis durchsetzen konnte, wirft weite Schatten voraus“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Christdemokraten, Reinhard Völker. Die CDU bezifferte die Wertschöpfung für Hotellerie, Gastronomie und den Handel in der Stadt sogar mit rund sechs Millionen Euro im Jahr.

          Die Deutsche Sporthilfe plant unterdessen für die Zukunft. Derzeit läuft das Ausschreibungsverfahren, in welcher Stadt der Ball ab 2023 veranstaltet werden soll. Nach Auskunft von Sporthilfe-Geschäftsführer Florian Dubbel haben sich mehrere Städte beworben, Gastgeber für Deutschlands Spitzensportler sein zu dürfen. Wie viele Städte ihren Hut in den Ring geworfen haben, wollte Dubbel nicht mitteilen. Aber: Seiner Auskunft haben sich auch Städte außerhalb Hessens beworben. Es könnte also durchaus sein, dass der Ball erstmals das Rhein-Main-Gebiet verlässt.

          Die Stadt Frankfurt hat auf jeden Fall Interesse, den Ball erneut an den Main zu holen. „Wir haben den Finger gehoben“, sagte Mark Gellert, Sprecher des Frankfurter Sportdezernats, und ergänzte: „Wir sehen uns als Stadt des Sports“. Daher habe Frankfurt Gespräche mit der Sporthilfe aufgenommen, zu welchen Konditionen der Ball veranstaltet werden könne. Allerdings sei noch keine formale Bewerbung abgegeben worden und es gebe auch noch keinen entsprechenden Magistratsbeschluss, schränkte Gellert ein. Die Entscheidung, ob und wann dies geschehe, werde in den nächsten Wochen fallen. Auch Mainz hatte Interesse, stieg aber während des Bewerbungsverfahrens aus, weil es Terminkollisionen mit der Fastnacht gab, wie ein Sprecher der Mainzer Marketing & Tourismus bestätigte.

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