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Gefährlicher Bahnübergang : „Mit der Schranke ging das Vertrauen kaputt“

Viele Störungen: Eine Bürgerinitiative fordert einen schnellen Umbau des Bahnübergangs in Frankfut-Nied. Bild: dpa

Im Mai war eine junge Frau an einem defekten Bahnübergang in Frankfurt tödlich verunglückt. Nun war er abermals gestört. Eine Bürgerinitiative fordert nun einen schnellen Umbau.

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          Nachdem es am Bahnübergang in Nied zu einer neuen Schrankenstörung gekommen ist, wächst bei den Bürgern des westlichen Stadtteils von Frankfurt der Unmut. Erst im Mai waren an der Gleisquerung an der Oeserstraße eine junge Frau von einem durchfahrenden Zug tödlich und zwei Menschen schwer verletzt worden. Der Übergang war damals nicht geschlossen.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Donnerstagabend blieb abermals eine Schranke offen. „Ich bin total geschockt, dass es wieder zu einer solch gefährlichen Situation kommen konnte“, sagt Heike Stoner von der Nieder Bürgerinitiative „Die Schranke muss weg“. Dass selbst eine neu eingebaute Schranke einen Defekt habe, lasse das Vertrauen in die Sicherheit des Bahnübergangs vollends schwinden. In einem Brief an das Eisenbahn-Bundesamt will die Initiative nun die Bildung einer Taskforce fordern.

          Bürgerinitiative gegen die Schranke

          Nach Angaben der Deutschen Bahn hatte diesmal der Antrieb einer Schranke blockiert. Während sie geöffnet war, passierte ein Zug den Übergang, allerdings im Schritttempo, da er rechtzeitig gewarnt worden war. Danach wurde die Strecke gesperrt. Erst am Freitagnachmittag war der Defekt behoben.

          Noch immer erinnern Blumen, Kerzen, Bilder und ein Andreaskreuz am Unglücksort an die sechzehnjährige Cindy, die am Abend des 7. Mai auf dem Weg nach Hause die Gleise querte und starb. Nach der tödlichen Tragödie hat das in der Nieder Vereinswelt stark engagierte Ehepaar Heike und Peter Stoner die Bürgerinitiative gegründet, die den schnellen Umbau der unübersichtlichen Gleisquerung fordert. Fast 1400 Anwohner haben sich ihr angeschlossen. Die Initiative organisiert nun jeweils am siebten Tag eines Monats eine Mahnwache für mehr Sicherheit. Auch Dominik, der ältere Bruder des Todesopfers, beteiligt sich daran.

          Umbau „muss beschleunigt werden, jetzt erst recht“

          Um den Druck auf Politik und Bahn zu erhöhen, will die Initiative am 7. August vor den Römer ziehen. Die Stadtverwaltung plant statt des Gleisübergangs eine Unterführung. Doch die Vorbereitungen schleppen sich dahin. Zuletzt hieß es, dass der Umbau frühestens 2029 abgeschlossen sein könnte.

          „Das muss beschleunigt werden, jetzt erst recht“, sagt die für Nied zuständige Ortsvorsteherin Susanne Serke (CDU), auch wenn die Bahn bekräftige, dass die Strecke sicher sei. „Mit der defekten Schranke ist das Vertrauen endgültig kaputtgegangen.“ Zumal noch immer die Unglücksursache von Anfang Mai ungeklärt sei. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Schrankenwärter. Aber war es menschliches Versagen oder doch ein technischer Defekt? „Zumindest auf die Technik sollten wir vertrauen können“, sagt Serke.

          Bahnübergang mit vielen Pannen

          An dem Bahnübergang kommt es offenbar immer wieder zu Pannen: Als sich vergangene Woche, zwei Tage vor dem jüngsten Ausfall, Teilnehmer der Mahnwache versammelten, mussten sie 40 Minuten vor verschlossener Schranke warten. Laut Bahn war ein Zug auf dem Abschnitt auf dem falschen Gleis und musste zurückgesetzt werden.

          Antworten darauf, wie es mit dem Bahnübergang weitergeht, erwartet der Ortsbeirat in einer Sondersitzung nach den Ferien. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) und der für Hessen zuständige Konzernbevollmächtigte der Bahn, Klaus Vornhusen, würden erwartet. „Wir müssen sofort rauskriegen, was auf dem Gleisabschnitt nicht stimmt“, mahnt Thomas Schlimme, Sprecher der Grünen im Ortsbeirat. Er plädiert dafür, die Strecke zu sperren, solange die Bahn den Fehler nicht gefunden hat. Das hatte schon im Juni der Vorsitzende der CDU in Nied, Tobias Fechler, in einem Eilantrag beim Verwaltungsgericht Frankfurt gefordert. Der Antrag war aber abgelehnt worden.

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