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Rhein-Main : Bahnprojekte in der Region kommen voran

Weniger Neuigkeiten sind von der anderen geplanten Schnellfahrstrecke, der von Frankfurt nach Mannheim, zu berichten. Auch hier wurde ein Dialogforum gegründet, in dem die Deutsche Bahn mit Politikern und Vertretern von Verbänden über die Trassenführung diskutiert. Um Güterzüge von Mainz auf die Neubaustrecke entlang der Autobahnen 5 und 67 zu bringen, ist bei Weiterstadt eine Verbindung nötig, für die verschiedene Varianten möglich sind; darüber wird zu reden sein. Kein Problem scheint hingegen ein Abzweig von Frankfurt in Richtung Darmstadt, während umgekehrt die südliche Anbindung des Hauptbahnhofs an die Neubaustrecke Schwierigkeiten aufwirft.

Die Bahnmanager sagen, diese Strecke müsse auf jeden Fall im Tunnel verlaufen. Ein Problem sei es aber, eine verkehrliche Begründung für diese beachtliche Investition zu finden. In einem Gutachten über den gesamten Schienenverkehr auf der Nord-Süd-Achse entlang dem Rhein hatte es geheißen, die Südanbindung Darmstadt sei allenfalls für Güterzüge gerechtfertigt. Gerade sie aber sollen ja die Stadt umfahren. Die Stadt will die Schienen hingegen für ICE-Züge, die dann im dortigen Hauptbahnhof halten sollen. Die Notwendigkeit dafür hingegen wurde von den Gutachtern eher nicht gesehen. Optimistisch zeigen sich Vornhusen und Bolte, dass der Bau der nordmainischen S-Bahn nicht mehr lange auf sich warten lässt. Das Planfeststellungsverfahren laufe für die gesamte Strecke. Für den ersten der drei Abschnitte, in die die Verbindung aufgeteilt sei, rechne die Bahn mit einem baldigen Abschluss, und im Konzern bestehe die Hoffnung, dass nicht Klagen das Projekt aufhielten.

Die beiden Manager berichten, das Bundesverkehrsministerium habe signalisiert, dass mit einem Zuschuss aus für Projekte des Bundesverkehrswegeplans reservierten Mitteln für die S-Bahn-Strecke zu rechnen sei. Dies wäre der Durchbruch für das Projekt, denn allein mit dem Geld, das für Nahverkehrsprojekte nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz bereitsteht, lässt sich die nordmainische S-Bahn nicht finanzieren. Auf die Kofinanzierung aus Fernverkehrsmitteln hofft man in der Region seit langem. Die Argumentation lautet, dass neue Gleise für die künftige S-Bahn-Linie den ICE-Verkehr auf den vorhandenen Gleisen erleichtern. Dies sieht man nun offenbar in Berlin auch so. Noch muss allerdings ein Gutachten abgewartet werden, mit dem der Nutzen der nordmainischen S-Bahn untersucht werden soll, die Arbeiten daran haben erst im September begonnen. Erstmals würden dabei Nah- und Fernverkehr gemeinsam untersucht, sagen Vornhusen und Bolte. Dies und die Tatsache, dass es regelmäßig Gespräche mit dem Bundesverkehrsministerium über das Projekt gibt, sehen die beiden Manager als gutes Zeichen dafür, dass der Bund zusätzliche Mittel bereitstellen wird.

Bald begonnen werden soll mit der Planung der Wallauer Spange, einem Abzweig der Schnellfahrstrecke Frankfurt - Köln in Richtung Wiesbaden. Sollten diese kurze Verbindung und ein erster Teil der Schnellfahrstrecke Richtung Mannheim einschließlich eines Abzweigs nach Darmstadt fertiggestellt sein, könnte schon ein neuer Zug Darmstadt mit dem Flughafen und weiter mit Wiesbaden verbinden.

Für den sechsgleisigen Ausbau der Hauptachse vom Frankfurter Hauptbahnhof zum Flughafen im Abschnitt zwischen Niederrad und dem Stadion einschließlich einer weiteren Mainbrücke für die beiden zusätzlichen Gleise laufe das Planfeststellungsverfahren; mit dem Baubeginn sei für 2020 zu rechnen.

Vornhusen weist darauf hin, dass an noch weitaus mehr Stellen im Schienennetz gearbeitet werde. So stehe auf der Strecke von Hanau nach Würzburg der Bau einer neuen Trasse auf acht Kilometern Länge einschließlich vier Tunneln vor dem Abschluss. Das gelte auch für die Modernisierung des S-Bahn-Tunnels in Frankfurt. Mit dem Bau der S-Bahn-Station Gateway Gardens in der Nähe des Frankfurter Flughafens sei begonnen worden, der Beginn des Ausbaus der Strecke von Frankfurt nach Bad Vilbel stehe bevor.

Angesichts der vielen Projekte sorgt sich Vornhusen schon, dass bei den Genehmigungsbehörden die Kapazitäten ausreichen, um alle Unterlagen zu prüfen und im Idealfall Genehmigungen zu erteilen. Das gelte für die Regierungspräsidien, aber auch für das Eisenbahnbundesamt in Bonn. Alles in allem zeigt sich Vornhusen so zuversichtlich wie lange nicht, dass aus den vielen Plänen am Ende auch etwas wird. „Das ist schon beeindruckend“, sagt er über die vielen Vorarbeiten.

Es spricht vieles dafür, dass auch künftig der Fernverkehr von Frankfurt nach Würzburg über Aschaffenburg geführt wird.

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