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Bahnlärm im Mittelrheintal : Ein neuer Schliff für Schienen in jedem Jahr

  • -Aktualisiert am

Zugkräftig? Eine Machbarkeitsuntersuchung zur Verringerung des Bahnlärms im Mittelrheintal soll Anfang 2014 vorliegen Bild: dpa

Hoffnung für die lärmgeplagten Anlieger? Der „Beirat leiseres Mittelrheintal“ tagt in Berlin und diskutiert über niedrige Lärmschutzwände und besohlte Bahnschwellen.

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          Erstmals hat der vor einem Jahr gegründete „Beirat leiseres Mittelrheintal“ seine Sitzung am Stammsitz der Deutschen Bahn AG in Berlin abgehalten. Dabei beschäftigen sich die Teilnehmer mit den Fortschritten bei der Erstellung einer Machbarkeitsuntersuchung zur Verringerung des Bahnlärms. Nachdem alle Ortschaften im Mittelrheintal von Experten untersucht wurden, muss nun ein Modell für die Bewertung von Maßnahmen gefunden werden.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Wichtige Kriterien sollen dabei die Zahl der jeweils vom Lärm betroffenen Bürger, die schallmindernde Wirkung der einzelnen Maßnahmen und deren Kosten sowie städtebauliche und touristische Aspekte sein. In Kürze soll die Entscheidung für das Bewertungsmodell fallen, und schon im Januar sollen die Vorschläge aus der Analyse dann bei mehreren Veranstaltungen im Tal öffentlich vorgestellt werden.

          Zugeständnis an Anlieger

          Die Gründung des Beirats vor einem Jahr war ein Zugeständnis der Bahn angesichts der immer lauter werdenden Proteste im Rheintal. Ein Experiment, das nach Ansicht von Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube „ein Schritt in die richtige Richtung war“. Mit der Machbarkeitsuntersuchung werde zu Beginn des nächsten Jahres eine Entscheidungsgrundlage für zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen im Mittelrheintal vorliegen. Der Beirat trage dazu bei, den Dialog zwischen Politik, Ministerien, Bürgerinitiativen und Bahn zu verbessern.

          Die Bahn berichtet zudem von weiteren Investitionen. Auf einer Schienenlänge von 19 Kilometern zwischen Koblenz und Rüdesheim seien sogenannte Schienenstegabschirmer und -dämpfer eingebaut worden. Auf zusätzlichen elf Kilometern sei das in Planung oder im Bau. Weitere Projekte im Zuge des mit rund 20 Millionen dotierten Lärmschutzprogramms seien der Einbau von besohlten Schwellen sowie die Errichtung von niedrigen Lärmschutzwänden. Auch dies führe zu einer spürbaren Reduktion des Schienenverkehrslärms.

          Bis zu drei Dezibel weniger Lärm

          Hinzu komme das von der Bahn finanzierte, knapp eine Million Euro teure Sonderprogramm „Schienenschleifen“. Dabei werden die Schienen einmal jährlich mit einer speziellen Maschine bearbeitet, was eine Lärmabsenkung um bis zu drei Dezibel bringen soll. Um mehr Transparenz im Hinblick auf die Lärmbelastung zu geben, wird die Bahn künftig „verständlich“ über die an den beiden Messstationen in Osterspai und Bad Salzig registrierten Werte informieren. Die Bahn will zudem mit ihren Messreihen über einen längeren Zeitraum belegen, dass die Lärmbelastung durch die sukzessive Umrüstung der Güterwagen tatsächlich geringer wird. Mitte nächsten Jahres will die Bahn die Daten mit umfangreichen weiterführenden Informationen im Internet veröffentlichen. Unterdessen hat die Stadt Oestrich-Winkel ihre Bürger aufgerufen, bis zum 15. Januar eigene Vorschläge zur Lärmabsenkung zu unterbreiten, die im Zuge der Erstellung der Studie ebenfalls berücksichtigt und analysiert werden sollen.

          Dem im Dezember 2012 gegründeten Beirat gehören Abgeordnete des Bundestages, Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, der Verkehrs- und Umweltministerien der Länder Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen sowie der Bürgerinitiativen Pro Rheintal und der Initiative gegen Umweltschäden durch die Bahn an. Obwohl die Bürgerinitiativen im Beirat vertreten sind, begleiten sie die Sitzungen regelmäßig mit Mahnwachen und Demonstrationen, auch in Berlin. Sie fürchten vor allem das Jahr 2016, wenn der Gotthard-Basistunnel in der Schweiz für den Bahnverkehr freigegeben wird. Dann werde der Schienenverkehr zwischen Genua und Rotterdam stark zunehmen. Umso dringlicher sei es, in den Bundesverkehrswegeplan 2015 eine Alternativstrecke aufzunehmen sowie ein Tempolimit und ein Nachtfahrverbot für laute Güterzüge durchzusetzen.

          Das Bürgernetzwerk Pro Rheintal verweist dabei auf das Beispiel Österreich. Dort habe das Parlament für die Strecke Tulln-Traismauer-St.Pölten mit dem Fahrplanwechsel am nächsten Sonntag ein Nachtfahrverbot für laute Güterzüge verhängt. Das müsse ein Vorbild für das Rheintal sein. Es gebe keinen Grund, die Anwohner bis ins Jahr 2020 oder später zu vertrösten.

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