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Bahn stellt mehr Personal ein : So etwas wie in Mainz soll nie wieder vorkommen

Stellwerk ohne Angestellte: Im Sommer 2013 war die Hälfte der Mitarbeiter krank oder im Urlaub. Der Personalmangel führte zu zahlreichen Zugausfällen. Bild: dpa

Vor einem Jahr kam es in Mainz zu massiven Zugausfällen - wegen Personalmangels am Stellwerk. Nun hat die Bahn weitere Mitarbeiter eingestellt. Die Gewerkschaft fordert sodann, dass es so weitergehen muss.

          Das Mainzer Stadtoberhaupt staunte nicht schlecht. Die Deutsche Bahn habe offenbar „einfach mal den Stecker“ gezogen, sagte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) fassungslos, „und einen hochfrequentierten Hauptbahnhof vom Netz genommen“. Genauso war es, damals im August 2013. Seit dem ersten Wochenende des Sommermonats fuhren von 20 Uhr am Abend bis 6 Uhr in der Früh nur noch wenige Züge den Bahnhof an. Vor allem Fernzüge blieben weg.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Was folgte, war eine riesige Aufregung. Denn dass der Staatskonzern die Landeshauptstadt zeitweise vom Verkehr abkoppelte, lag nicht etwa an einer Überflutung ihres Hauptbahnhofs oder einem schlimmeren Unglück, sondern an Personalmangel im Stellwerk. Die Hälfte der 18 Mitarbeiter dort war krank oder im Urlaub, und Ersatz war nicht zu beschaffen. „Keine Fahrdienstleiter“ aber heißt „keine Züge“. Die Manager der Deutschen Bahn saßen dort, wo sie nicht selten sitzen: auf der Anklagebank. Es sei ihm alles „total peinlich“, sagte Netz-Chef Frank Sennhenn, der den Posten allerdings erst wenige Wochen zuvor angetreten hatte. Und es blieb auch nicht bei Zugausfällen in den Tagesrandzeiten. Einige Tage lang fuhren auch tagsüber weniger Züge nach Mainz. Erst Ende August galt wieder der herkömmliche Fahrplan.

          In Mainz vier Mitarbeiter mehr

          Ein Jahr später gibt man sich bei der Deutschen Bahn gelassen. „Wir tun alles, damit das nicht wieder vorkommt“, sagt die Sprecherin der Netzgesellschaft des Konzerns. Schon im vergangenen Jahr habe man 800 Fahrdienstleiter eingestellt und damit 340 mehr als zunächst geplant. Zum Teil ersetzen sie Kollegen, die in den Ruhestand traten, doch unterm Strich hat sich die Zahl der Fahrdienstleiter nach Angaben der Netzgesellschaft tatsächlich um 290 erhöht. Und auch in diesem Jahr wächst sie weiter, wie es dort heißt. Alles in allem sollen 860 Fahrdienstleiter eingestellt werden. Und nachdem im vergangenen Jahr 360 junge Menschen eine Ausbildung zum Fahrdienstleiter begonnen haben, sind es in diesem Jahr schon 390. Alles in allem gibt es in Deutschland ungefähr 12.000 Fahrdienstleiter.

          Darüber hinaus hat man damit begonnen, Fahrdienstleiter so zu schulen, dass sie nicht nur in ihrem Stamm-Stellwerk eingesetzt werden könnten, sondern auch in benachbarten Stellwerken. Davon profitiert auch Mainz, wie es bei der DB Netz weiter heißt. Vielleicht müssen aber gar keine Kollegen aus der Nachbarschaft aushelfen. Denn die Stammbelegschaft des dortigen Stellwerks wurde von 18 auf 22 Mitarbeiter vergrößert.

          Mainz könne sich wiederholen

          Es ist eine Entwicklung, der auch die Eisenbahnergewerkschaft EVG die Anerkennung nicht versagt. Das Thema Personalmangel sei beim Vorstand angekommen, sagt ein Gewerkschaftssprecher der in Frankfurt ansässigen Organisation. Nun hoffe die EVG, dass auch eine nach den Vorfällen in Mainz abgeschlossene Betriebsvereinbarung mit Leben gefüllt werde. Danach sollen Gewerkschaften und Betriebsräte in die Personalplanung eingebunden werden. Dass es mit der Verwirklichung dauert, findet der Sprecher nicht so schlimm – ein bisschen fürchtet die EVG aber schon, dass die Personalverantwortlichen nach der Aufregung im August 2013 allmählich wieder zum Alltagsgeschäft zurückkehren.

          Dabei sei man trotz der Neueinstellungen, die es auch an anderen Stellen in dem Konzern gegeben habe, noch keineswegs über dem Berg, heißt es bei der Gewerkschaft weiter. Ein Personalengpass mit Folgen wie in Mainz könne sich immer noch wiederholen. „Die Lage bleibt angespannt.“ Auch den Gewerkschaftern ist klar, dass sich in Zeiten des Fachkräftemangels Personal nicht leicht gewinnen lässt. Es kommt nicht nur auf eine ordentliche Bezahlung, sondern auch auf die Wertschätzung des Personals an, wie man bei der EVG sagt.

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