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Katholische Bischofskonferenz : Bätzing ist eine gute Wahl

Nachfolger: Auch wenn sein Vorgänger Reinhard Marx hier finster guckt – Bischof Bätzing ist eine gute Wahl Bild: dpa

Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hat sich nach und nach auf nahezu allen wichtigen Zukunftsfeldern seiner Kirche eindeutig positioniert. Wie eine Klammer über allem steht das Reformprojekt „Synodaler Weg“.

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          Sein Name war genannt worden, doch als Favorit galt er nicht: Die Entscheidung der Deutschen Bischofskonferenz, den 58 Jahre alten Limburger Bischof Georg Bätzing zum neuen Vorsitzenden zu wählen, darf deshalb als Überraschung gelten. Er selbst hat am Dienstag kurz nach seiner Wahl in Mainz gesagt: „Ich habe auf dem Weg von Limburg hierher nicht damit gerechnet.“ Es gibt keinen Grund, an seinem Wort zu zweifeln.

          Die Bischöfe aus den 27 deutschen Diözesen haben für die nächsten sechs Jahre einen Mann an die Spitze gewählt, der nicht alles kann. Sie haben aber auch einen Mann erkoren, der genau das nicht von sich behauptet. Nennenswerte Verbindungen zur Kurie in Rom kann Bätzing nicht vorweisen, Italienisch spricht er nicht. Dafür kann er manches andere, das für den Zusammenhalt der katholischen Kirche in Deutschland viel wichtiger ist: genau zuhören, im Team handeln und fest zu einer Meinung stehen, wenn er sie einmal gefasst hat.

          Eindeutig positioniert

          Bätzing, der vor knapp vier Jahren das durch den Machtmissbrauch seines Vorgängers Franz-Peter Tebartz-van Elst zerrüttete Limburger Bistum übernahm, ist eine gute Wahl. Der Achtundfünfzigjährige hat sich nach und nach auf nahezu allen wichtigen Zukunftsfeldern seiner Kirche eindeutig positioniert – und zwar so, dass seine Amtszeit als Vorsitzender der Bischofskonferenz die berechtigte Hoffnung auf Erneuerung weckt.

          Zu tun gibt es für Bätzing wahrlich genug. Die Missbrauchsstudie muss aufgearbeitet werden, Konsequenzen inklusive. Zu klären sind dabei auch die Entschädigungszahlung an die Opfer. Parallel müssen der Ökumenische Kirchentag in Frankfurt im Mai 2021 vorbereitet und die Frage nach einem gemeinsamen Abendmahl geklärt werden. Dass die Bischofskonferenz eine neue, flexiblere Arbeitsstruktur braucht, steht außer Frage. Und auch das eigene Limburger Bistum, das sich gerade wieder gefangen hat, darf nicht zu kurz kommen.

          Wie eine Klammer über allem schließlich steht das Reformprojekt „Synodaler Weg“, das die katholische Kirche im Januar in Frankfurt begonnen hat. Bätzing gilt als einer der Köpfe hinter dieser neuen Art der Kommunikation zwischen Klerikern und Laien.

          Keine Ergebnisse? Nicht mit Bätzing. Vor wenigen Wochen erst hat er einen Satz gesagt, der zum Leitmotiv seiner Amtszeit werden könnte: „Wir brauchen Veränderung, die wirklich sichtbar ist.“

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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