https://www.faz.net/-gzg-9pfhj

Hitzerekord aufgestellt : Hessen im Fieber

Abkühlung: Wasserspiel in der Wiesbadener Innenstadt Bild: Cornelia Sick

Neuer Hitzerekord in Hessen: In Bad Nauheim zeigte das Thermometer am Donnerstagnachmittag einen Wert von 40,1 Grad an. Seit Beginn der Wetteraufzeichnung war es noch nie so heiß. Impressionen vom Rekordtag.

          1 Min.

          Die Luft flirrt. Kein Windzug raschelt in den goldenen Feldern am Stadtrand von Frankfurt, weit hinter dem Nordwestzentrum. Die Straßen sind leer. So stellt man sich die Apokalypse vor. Aber es ist nur die Hitze: Die Stadt, die ganze Region hat Fieber, sie tropft und klebt. Knapp 40 Grad zeigte das Thermometer in Frankfurt, Wiesbaden und Mainz. In Bad Nauheim wurde mit einem Wert von 40,1 Grad der hessische Hitzerekord geknackt. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war es im Westen Deutschlands noch nie so heiß.

          Wer nicht unbedingt ins Freie muss, verbringt seine Zeit in diesen Tagen drinnen. Zumindest, bis die Temperaturen nach Sonnenuntergang auf halbwegs erträgliche 30 Grad gefallen sind. Dann erwacht das Leben, aber anders als sonst: Am Nebentisch im Restaurant an der Berger Straße bestellt die Frau „nur eine Gurken-Limetten-Kaltschale, bitte“, und am Yachtklub sind die Stühle frei, weil alle ihre Füße im Main baumeln lassen wollen.

          Solidarität an der „Seniorentankstelle“

          Wer dem Feierabend und damit der Möglichkeit entgegenfiebert, ins kühle Nass zu springen, muss sich für eine traurige Erkenntnis wappnen: In Frankfurt gibt es ziemlich wenige Freibäder. Die sechs, in denen man sich erfrischen könnte, liegen nicht in den zentralen Vierteln und sind bei diesem Wetter trotzdem gnadenlos überfüllt. Am Brentanobad in Rödelheim stehen Badegäste in langen Schlagen. In Wiesbaden und Mainz ist die Lage nicht viel besser: je drei Freibäder. Und Badeseen? Fehlanzeige. Besser sieht es da schon im Umland aus: Langener Waldsee, Waldschwimmbad Rüsselsheim, Raunheimer See – kühl, aber voll.

          Turmspringen: im Bad auf der Maaraue in Mainz Bilderstrecke

          Die einzigen kalten Inseln in der Stadt sind Einkaufszentren wie My Zeil und das Skyline Plaza in Frankfurt: Dort sind die Hitzeflüchtlinge zu treffen. Die Klimaanlagen, von denen die Ladenpassagen so schön heruntergekühlt werden, verbrauchen ordentlich Strom und tragen so ihren Teil zur Erderwärmung bei.

          Fast alle scheinen zu leiden. Doch die Temperaturen bringen auch Solidarität zum Vorschein. Mehrere Geschäfte in Wiesbaden und Frankfurt haben Schilder in ihre Schaufenster geklebt: „Seniorentankstelle“ steht da oder „Wasser Tankstelle“ – verbunden mit der Einladung, sich in den klimatisierten Räumen ein Glas Wasser zu nehmen.

          Hohe Ozonkonzentration

          In Hessen sind am Donnerstag erneut hohe Ozonkonzentrationen gemessen worden. Nach Angaben des Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie war bis zum Nachmittag an drei Messstationen der Informationsschwellenwert von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten. In diesem Fall generell muss die Öffentlichkeit informiert werden.

          In den kommenden Tagen würden weitere Überschreitungen erwartet, die auch über der Alarmschwelle von 240 Mikrogramm liegen könnten. Grund sei die intensive Sonneneinstrahlung der vergangenen Tage.

          Ozon kann bei höheren Konzentrationen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Atemwege führen. Vor allem Kindern und Jugendlichen werde vorsorglich empfohlen, anstrengende körperliche Tätigkeiten im Freien zu vermeiden. Bei Werten über der Alarmschwelle gilt diese Empfehlung nach Angaben des Landesamtes für alle. Wer auf keinen Fall auf Sport verzichten will, sollte möglichst in den frühen Morgenstunden Sport treiben, da zu dieser Zeit die Ozonkonzentrationen am niedrigsten seien. (dpa)

          Weitere Themen

          Trump, Geiger, Hinz

          F.A.Z.-Hauptwache : Trump, Geiger, Hinz

          Trump sorgt für Unmut bei den Rheingauer Winzern, in Eschborn steht die Bürgermeisterwahl an, und die Wilke-Wurst hält Hessen weiter auf Trab. Das, und was sonst noch wichtig ist in Rhein-Main, steht in der F.A.Z.-Hauptwache.

          Der Magier und Frau Lagarde

          Treffsichere Vorhersage : Der Magier und Frau Lagarde

          Wer Mario Draghi an der Spitze der EZB folgt, steht längst fest. Als Nicolai Friedrich seine Prognose abgab, war das Rennen noch offen. Der Magier hat sich als hellsichtig erwiesen. Das eröffnet ungeahnte Chancen.

          Topmeldungen

          EU-Unterhändler Michel Barnier

          Europäische Union : Hoffnung auf Gipfel-Deal zum Brexit

          Die EU und Großbritannien sind deutlich vorangekommen - und trotzdem ist ein neuer Brexit-Vertrag beim Treffen der Staats- und Regierungschefs in Brüssel noch keine ausgemachte Sache. Es steht ein schwieriger Gipfel bevor.

          Proteste in Hongkong : China setzt auf Konfrontation

          Der Hass auf Peking hat eine radikale Eigendynamik entwickelt. In Hongkongs Jugend wächst die Sehnsucht nach einer eigenen Nation. Für alle Seiten droht ein bitteres Ende.
          Donald Trump und Liu He, Vizepremier von China, gemeinsam in Washington. Infolge des Handelskriegs mit Amerika habe die Korruption in Chinas Privatwirtschaft wieder zugenommen, berichtet Philipp Senff von der Wirtschaftsanwaltskanzlei CMS in Schanghai.

          Vorfälle der Deutschen Bank : In China lauert die Korruption bis heute

          Mit teuren Geschenken an chinesische Politiker wollte sich die Deutsche Bank Vorteile verschaffen. Der Fall lenkt den Blick auf ein Land, das trotz Mühen immer noch unter Bestechung leidet – auch wegen des Handelskriegs mit Amerika.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.