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Stadtwald im Ausverkauf : Baum gesucht für den Klimawandel

Trockenfutter: Tausende Bäume sind im Bad Homburger Stadtwald dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. Bild: Marcus Kaufhold

Durch den trockenen und heißen Sommer starben im Bad Homburger Stadtwald tausende Bäume. Gegen den fehlenden Regen und die Dürreschäden ist der Förster Günter Busch machtlos. Beim Holzverkauf hat jedoch Donald Trump ein wenig geholfen.

          Wie andernorts auch hat der Sommer im Bad Homburger Stadtwald Spuren hinterlassen. 10.000 Bäume, zu 90 Prozent Fichten, sind abgestorben. Meist war eine indirekte Folge der Dürre für den Tod verantwortlich: der Borkenkäfer. Er fand ideale Bedingungen vor, wie Förster Günter Busch erklärt, und mangels Wasser konnten die Nadelbäume kein Harz bilden, um sich zu wehren. Auch einzelne Eichen und Buchen, denen die Natur mit auf sie abgestimmten Widersachern wie dem Buchenborkenkäfer und dem Buchenprachtkäfer zusetzt, wurden ein Opfer der extremen Trockenheit zwischen April und Oktober.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Das ungewöhnliche Wetter schlägt sich finanziell nieder. Der aktuelle Waldwirtschaftsplan weist einen Überschuss von 42.100 Euro aus, während in guten Jahren sechsstellige Beträge zu erwarten sind. Diesmal lagen die Erlöse bei 475.000 Euro, denen ein Aufwand von 432.900 Euro gegenüberstand.

          Tausende abgestorbene Bäume

          Die 10.000 abgestorbenen Bäume, die inzwischen zum größten Teil aufgearbeitet sind, werden sich auch langfristig in der Bilanz bemerkbar machen. Denn die auf 500.000 Euro geschätzte Schadenssumme fällt nicht sofort an. Sie ergibt sich, weil in den nächsten Jahren entsprechend weniger Holz eingeschlagen und verkauft werden kann.

          Während die meisten Kommunen ihren Wald vom Landesbetrieb Hessen Forst in Ordnung halten lassen, bewirtschaftet Bad Homburg seinen Wald seit 2005 selbst. Dieser Schritt hat sich jüngst noch einmal aus einem Grund als vorteilhaft erwiesen, den damals niemand ahnte. Wegen des Kartellrechts musste sich Hessen Forst aus dem Holzverkauf zurückziehen. Die kleinen Städte und Gemeinde wissen nicht mehr, wie sie ihr Holz an den Mann bringen sollen, und schließen sich derzeit zu Vermarktungsagenturen zusammen. Bad Homburg blieb hingegen ein Kartellrechtsverfahren erspart. „Unsere Eigenständigkeit hat sich als positiv herausgestellt“, sagt Stadträtin Lucia Lewalter-Schoor (SPD). „In einem Verbund wären wir beim Holzverkauf nicht unabhängig.“ Zudem hat Förster Busch im Lauf der Jahre feste Geschäftsbeziehungen aufgebaut. „Die funktionieren jetzt auch im Krisenmodus“, sagt er.

          Trump erleichtert Holzverkauf

          Der normale Markt für Nadelholz existiere nach dem Dürresommer nicht mehr. Die Sägewerke könnten das angefallene Holz nicht mehr verarbeiten. An chinesische Kunden wird Busch hingegen weiterhin Nadelholz los. „China kauft das sonst vor allem in Amerika, hält sich dort aber zurück.“ Dahinter dürfte der vom amerikanischen Präsidenten forcierte Handelsstreit stecken. Insofern erleichtert Donald Trump dem Bad Homburger Förster gerade den Holzverkauf.

          Die Aussichten für dieses Jahr hängen vom Wetter ab. Noch ein Dürresommer wäre katastrophal. Schon voriges Jahr haben selbst Douglasien gelitten. „Dabei gilt diese Art als stabilisierender Baum, der Borkenkäfern und Trockenheit trotzt“, sagt Busch. Er hat Zweifel, dass die Douglasie dem Klimawandel widerstehen kann. Auf einem trockenen Felskopf in 400 Meter Höhe hat er vor einigen Jahren Esskastanien gepflanzt, die mit der Hitze gut zurechtkommen. „Aber jetzt taucht in den Beständen in Italien und im Elsass ein Pilz auf, der die Kastanien schädigt.“

          Bei der Suche nach dem Baum der Zukunft kann der Förster sogar auf eine 200 Jahre alte Vorarbeit zurückgreifen. Landgraf Friedrich VI. und seine aus dem englischen Königshaus stammende Frau Elisabeth ließen unweit des Gotischen Hauses den Forstgarten mit teils exotischen Bäumen anlegen. So konnte Busch jetzt feststellen, dass der Thuja-Baum gut durch den heißen Sommer gekommen ist. Aber der Lebensbaum führe hier im Wald eben ein Nischendasein, weshalb er kaum Schädlinge fürchten müsse. „Es gibt keine Patentlösung“, warnt Busch. Manche Baumarten vom Balkan kämen zwar mit der Hitze zurecht. „Ein richtiger Winter mit minus zehn Grad über zwei Wochen hinweg kann aber wiederum deren Ende sein.“

          Busch darf beim Stadtwald nicht allein auf den Ertrag achten. Die Bad Homburger wollen Bäume sehen, wenn sie joggen, Rad fahren und spazieren gehen. Spechte, Fledermäuse und Hirschkäfer sollen sich wiederum zwischen 220 Jahre alten Eichen an den Buschwiesen und 150 Jahre alten Buchenbeständen am Marmorstein wohlfühlen. 18 Hektar wurden an den beiden Standorten stillgelegt, also aus der Vermarktung genommen. Das wirkt sich positiv auf das Ökopunkte-Konto aus, mit dem Eingriffe an anderer Stelle ausgeglichen werden können. Übertreiben will es der Förster mit der Stilllegung aber nicht. Es sei besser, Holz nachhaltig im heimischen Wald zu schlagen, als es aus tropischen Regenwäldern oder den zum Teil kaum berührten Nadelwäldern der Nordhalbkugel zu holen.

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