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Bad Homburger Schwimmclub : Nur mit Zeugnis zur Abkühlung ins Schwimmbad

Vorwärts mit Brett und Schwimmnudel: Schwimmkurs für Flüchtlinge im Bad Homburger Seedammbad Bild: Lukas Kreibig

Der Bad Homburger Schwimmclub von 1927 bietet Schwimmkurse für junge unbegleitete Flüchtlinge an. Denn für viele werden die hiesigen Gewässer zur Gefahr

          Das nennt man wohl Vorführeffekt. Schließlich geht es um die Gefahr, der Flüchtlinge ohne ausreichende Schwimmfähigkeit ausgesetzt sind – wogegen in Bad Homburg mit einem Schwimmkurs etwas getan wird. Doch als diesmal die beiden Trainerinnen mit den zehn Jungs zum Nichtschwimmerbecken gehen und fragen, wer denn schon schwimmen könne, stürzen sich drei sofort ins Wasser, fünf weitere folgen. Einige kraulen, andere machen doch eher freistilhafte Bewegungen. Aber nur Meron aus Eritrea und Amir aus Afghanistan sitzen immer noch am Beckenrand. Sie sind tatsächlich absolute Nichtschwimmer, trotz ihres Alters von 17 und 18 Jahren. Deshalb bleibt Christiane Schuler mit ihnen im flachen Becken und fängt mit Wassergewöhnung an: Den Kopf untertauchen, unter Wasser ausatmen. Mit den anderen acht geht Sina Dommermuth zum 25-Meter-Becken, um sich die Fähigkeiten jedes Einzelnen genauer anzusehen.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Im Seedammbad bietet der Bad Homburger Schwimmclub von 1927 den Kurs für unbegleitete minderjährige Ausländer an. Denn tatsächlich hat schon der vorige Sommer gezeigt, dass die hiesigen Gewässer für viele Flüchtlinge ein für sie ungewohntes Risiko bedeuten. Viele können nicht gut schwimmen, unterschätzen die Wassertiefe oder verstehen die Warnschilder mangels Sprachkenntnis nicht. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) verzeichnete 2015 einen Anstieg der Ertrunkenen in Deutschland um 24,5 Prozent, was vor allem am heißen Sommer lag. Die Statistik offenbarte aber auch: Unter den 488 Opfern waren 27 Flüchtlinge.

          Schwimmzeugnis um allein ins Freibad zu gehen

          Eltern tragen die Verantwortung für ihre Kinder, das gilt auch für Flüchtlingsfamilien. Wenn Kinder oder Jugendliche jedoch ohne Angehörige hier ankommen, ist für sie das Jugendamt zuständig. Es übernimmt die Vormundschaft oder überträgt sie geeigneten Personen oder Institutionen. 76 dieser unbegleiteten minderjährigen Ausländer leben in Bad Homburg, 261 im Hochtaunuskreis. Meist in Wohngruppen von betreuten Jugendhilfeeinrichtungen oder Gastfamilien, denn sie dürfen nicht einfach einer Sammelunterkunft zugeteilt werden. Manche von ihnen sind zwar inzwischen 18 Jahre alt geworden, bekommen aber noch Unterstützung auf dem Weg in ein selbständiges Leben in fremder Umgebung. Was sie ihren Schützlingen zutrauen, ist Sache der Vormunde. In Bad Homburg haben sie nach Angaben der Stadtverwaltung entschieden, dass die Jugendlichen ein Schwimmzeugnis benötigen, wenn sie allein ins Schwimmbad gehen wollen.

          Weil der Schwimmunterricht in Hessen im dritten Schuljahr auf dem Lehrplan steht, haben die zwischen 15 und 18 Jahre alten Kursteilnehmer im Seedammbad keine Chance, in der Schule schwimmen zu lernen. Sie sollen daher beim Schwimmmeister das Bronze-Abzeichen machen, sobald sie die Anforderungen erfüllen: 200 Meter in 15 Minuten zurücklegen, zwei Meter tief tauchen und vom Beckenrand springen. Zunächst gibt es in zwei Abendkursen, die nacheinander an je zwei Tagen in der Woche angeboten werden, Plätze für 40 minderjährige Flüchtlinge. Sechs bis acht Wochen lang stehen einzelne Bahnen zur Verfügung, weil etwas Luft zwischen den ansonsten von den Stadtwerken im Seedammbad angebotenen Schwimmkursen ist. Wer von den Jugendlichen schnell die nötige Sicherheit hat, soll für einen Nachrücker Platz machen.

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