https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/bad-homburger-schloss-laesst-sich-jetzt-auch-am-handy-besichtigen-18143847.html

Virtueller Schlossrundgang : Mehr Zoom, weniger Aura

Prunkvoll: Der Versammlungssaal im Königsflügel des Bad Homburger Schlosses wurde nach der Restaurierung wiederhergestellt. Bild: dpa

Das Appartement von Wilhelm II. im Bad Homburger Schloss lässt sich jetzt auch am Handy besichtigen. Das ist nicht als Ersatz gedacht.

          1 Min.

          Den Sattelsitz entdeckt nur, wer den Dreh mit dem Panoramabild heraushat. Das abgewetzte Stück aus Eichenholz steht eigentlich im Arbeitszimmer von Wilhelm II., ist aber wie das gesamte Kaiserliche Appartement im Bad Homburger Schloss seit Neuestem auch am heimischen Bildschirm zu besichtigen. Oder auf dem Handy, falls jemand unterwegs Lust auf einen Rundgang durch die Sommerresidenz der Hohenzollern bekommt. Da ist dann auch zu erfahren, dass der Kaiser mit dem ungewöhnlichen Sitzmöbel wahrscheinlich nicht beweisen wollte, wie fest er nach wie vor im Sattel sitze, sondern den Hocker ganz modern aus ergonomischen Gründen nutzte: um den Rücken zu schonen.

          Florentine Fritzen
          Korrespondentin im Hochtaunuskreis

          Wie Wilhelms Arbeitszimmer lassen sich auch alle anderen kürzlich restaurierten und neu eingerichteten Räume der Bad Homburger Wohnung des Kaiserpaars mit Maus und Finger heranzoomen und in alle Richtungen drehen, sodass etwa Details und Deckenschmuck sichtbar werden. Zusammengesetzt wurde die computergenerierte Realität aus Panoramafotos. Zu jedem Raum gibt es einen von einem Sprecher vorgelesenen Text auf Deutsch oder Englisch. Wer noch mehr wissen will, klickt rote Punkte an und liest sich die Infofenster durch, die sich dahinter öffnen. Zum Beispiel zu den Säulen aus Lahnmarmor gleich an der Haupttreppe, über die es wie in Wirklichkeit in die Wohnung von Wilhelm und Auguste Victoria geht.

          Schlafraum in Mintgrün

          Durch den Königsgang mit rotem Teppich gelangen die Besucher sodann in die Wohnung. Sie können sich den Barographen aus der Nähe ansehen, mit dem Wilhelm II. Kaiser- wie Schmuddelwetter aufzeichnete, sein kleines Schlafzimmer mit schmalem Messingbett mit dem deutlich größeren, in Mintgrün gehaltenen Schlafraum seiner Frau vergleichen. Und sich fragen, warum ihre Badewanne hinter einer Schranktür verborgen ist und seine nicht, wohingegen die Klosetts beider Partner in Schränken verborgen sind. Natürlich lässt sich auch das Telefonzimmer mit dem damals ganz modernen Apparat an der Wand besuchen.

          Wer die frisch restaurierten Räume im ersten Obergeschoss des Schlosses schon in Wirklichkeit gesehen, gerochen und dem Klang von Schritten und Stimmen darin gelauscht hat, der wird beim virtuellen Rundgang wahrscheinlich die authentische Aura vermissen. Aber das Angebot der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, das sich über deren Internetseite abrufen lässt, ist auch nicht unbedingt als Ersatz gedacht. Sondern als Ergänzung, etwa, um sich auf einen Besuch vorzubereiten oder sich nach einer Führung noch einmal alles genau anzusehen. Im eigenen Tempo.

          Weitere Themen

          Cosplay und Schwerttanz zum Mitmachen

          Main Matsuri Festival : Cosplay und Schwerttanz zum Mitmachen

          Besucher des japanischen Main Matsuri Festivals in Frankfurt-Sachsenhausen begegnen nicht nur den Lieblingscharakteren ihrer Serien und Videospiele. Ein abwechslungsreiches Programm lädt zum Verweilen ein.

          Topmeldungen

          Anshu Jain war eine so leidenschaftliche wie umstrittene Führungsfigur.

          Zum Tode Anshu Jains : Ein Treiber und Getriebener

          Als Co-Vorstandsvorsitzender verkörperte Anshu Jain über viele Jahre das Investmentbanking einer Deutschen Bank, die mit den amerikanischen Riesen der Branche wetteifern wollte. Nun ist er mit 59 Jahren gestorben.
          Videokonferenz zwischen Joe Biden und Xi Jinping im November 2021.

          China und Amerika : Ist ein Krieg noch zu vermeiden?

          Ob und wie sich der Wettkampf der Systeme kontrollieren lässt, wird öffentlich bislang kaum debattiert. Der Weckruf des ehemaligen australischen Premierministers Kevin Rudd ist angesichts der Taiwankrise aktuell wie nie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.