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Bad Homburger Kurhaus : Zwei Vorschläge für den Neubau

Die Blütezeit der Kur: Die historische Fassade nach dem Entwurf von Jean-Pierre Cluysenaar aus dem Jahr 1863. Bild: Stadtarchiv Bad Homburg

Historisch oder modern: Im nächsten Jahr soll ein Wettbewerb Klarheit für das Bad Homburger Kurhaus bringen. Zuvor werden aber noch die Kosten einer möglichen Sanierung ermittelt.

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          Eine Entscheidung über die Zukunft des Bad Homburger Kurhauses fällt erst im Frühjahr 2021. Das sieht ein vom Magistrat am Montag beschlossenes Verfahren vor. Das letzte Wort hat am Freitag der Verwaltungsrat der Kur- und Kongreß-GmbH. Denn die städtische Tochtergesellschaft vergibt die zwei Millionen Euro teure Machbarkeitsstudie, deren Ergebnis ursprünglich einmal in diesen Tagen, nämlich Ende 2019, hatte vorliegen sollen. Dass sich dies um mindestens ein Jahr verzögern würde, war schon länger bekannt. Den langen Vorlauf begründete Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) gestern mit den komplizierten Eigentumsverhältnissen. Das Kurhaus gehört dem Maritim-Hotel, der Taunussparkasse und der Stadt Bad Homburg, die wiederum der Kurgesellschaft ein Nießbrauchrecht eingeräumt hat.

          Bernhard Biener
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung

          Die politisch Verantwortlichen sollen in anderthalb Jahren zwischen drei Lösungen wählen können. Eine bauliche, technische und wirtschaftliche Begutachtung soll die Kosten einer Kurhaus-Sanierung darlegen. Aus dem Realisierungswettbewerb für einen Neubau mit elf Teilnehmern werden wiederum zwei Vorschläge erwartet: ein Entwurf mit moderner Fassadengestaltung des gesamten Neubaus und ein Kurhaus, dessen Fassade mindestens an der zum Kurhausvorplatz und der Louisenstraße gelegenen Seite dem Entwurf von Jean-Pierre Cluysenaar aus dem Jahr 1863 folgt. Dieses Kurhaus wurde durch Bombentreffer im Jahr 1945 zerstört.

          Kernsanierung wäre aufwendig

          Eine Kernsanierung wäre aufwendig, würde aber an der Raumaufteilung und vor allem an den beengten Verhältnissen in der Tiefgarage nichts ändern. „Für den Stellplatznachweis können wir die Zahl der Parkplätze nicht reduzieren“, sagte Kurdirektor Holger Reuter. Das unterirdische Parkhaus ist derzeit zugleich das größte Problem. „Allein in diesem Jahr müssen wir 200.000 Euro ausgeben, um es offen halten zu können“, klagte Hetjes. Auch wenn eine Sanierung des Kurhauses nicht sehr wahrscheinlich ist, will er auf die Ermittlung der dafür nötigen Kosten nicht verzichten. „Die Stadtverordneten würden zu Recht danach fragen, um eine Entscheidung treffen zu können.“ Die Untersuchung solle im Februar ausgeschrieben werden und im Herbst 2020 vorliegen.

          Ein Neubau, auch daran lässt Hetjes keinen Zweifel, wäre ein „Mammutprojekt“ und das größte Vorhaben in Bad Homburg der vergangenen 50 Jahre. Zumal es aus seiner Sicht fahrlässig wäre, dabei nicht die umliegenden Straßen einschließlich der Zufahrt zur Tiefgarage und die Bushaltestellen am Kurhaus einzubeziehen. Der Realisierungswettbewerb solle im Sommer nächsten Jahres beginnen und im Idealfall im April 2021 abgeschlossen sein – das wäre nach der Kommunalwahl im März desselben Jahres.

          Umsatzbringer: Das Kurhaus wird als Kongresszentrum und Theater genutzt.
          Umsatzbringer: Das Kurhaus wird als Kongresszentrum und Theater genutzt. : Bild: Cornelia Sick

          „Wir richten uns mit den Wettbewerbsregeln nach den Vorgaben der Architektenkammer“, erläuterte der Oberbürgermeister. Neben unabhängigen Fachpreisrichtern aus Architektur, Denkmalschutz, Stadt- und Verkehrsplanung werde es mit den örtlichen Verhältnissen vertraute Sachpreisrichter geben. Per Losverfahren sollten auch ausgewählte Bürger als nicht stimmberechtigte Sachverständige beteiligt werden.

          Lange Vorbereitungszeit

          Die lange Vorbereitungszeit diente nach Worten des Kurdirektors auch dazu, sich über die künftige Nutzung Gedanken zu machen. „Kongresse werden ein elementarer Bestandteil sein.“ Das sei auch der Kernmarkt für das Maritim-Hotel, das sich sogar erweitern wolle. Die Tagungsräume müssten größer und flexibler sein als früher, sagte Reuter. Hierfür könne auch das Theater einbezogen werden, das bisher ausschließlich als klassischer Theaterraum genutzt werde. Die Taunussparkasse wiederum will mit ihrer Filiale vom Kurhaus in die ehemalige Kaiserliche Post gegenüber ziehen. Hetjes verhehlte nicht, dass die Post mit dem rekonstruierten Dachstuhl einschließlich der Uhr im Giebel ein Vorbild für die Wiederherstellung der historischen Fassade sei.

          Reuter setzt auf eine Zukunft als Kongressstandort. „Die Lage des Kurhauses zwischen Haupteinkaufsstraße und Kurpark ist ein Alleinstellungsmerkmal.“ Während der Bauzeit sollen die Säle des bis dahin errichteten Kinos am Bahnhof zur Überbrückung dienen, um sich nicht völlig aus dem Kongressmarkt zurückzuziehen. Wegen der absehbaren jahrelangen Großbaustelle hatte sich die Aktionsgemeinschaft der Einzelhändler früher für eine historische Fassade, aber gegen einen Neubau ausgesprochen. Für den heutigen Vorsitzenden Eberhard Schmidt-Gronenberg, der direkt gegenüber das Modehaus Halbach betreibt und damit auf den Bauzaun blicken würde, ist der heutige Zustand der Tiefgarage der entscheidende Faktor. „Um sie großzügiger zu gestalten, ist es den Abriss des Kurhauses wert.“

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