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Bad Homburgs Schmuckstücke : Stadtbummel zu Läden mit Atmosphäre

Bummel: Die Touren führen zur Louisenstraße und in Seitenstraßen Bild: Rüchel, Dieter

Bad Homburg hat interessierten und kauffreudigen Menschen so einiges zu bieten. In organisierten Führungen will das Citymanagement Besuchern die wahren Schmuckstücke der Stadt näherbringen.

          Der Arbeitstisch der Goldschmiedin steht mitten im Verkaufsraum. So kann man Heike Eden in ihrem Geschäft in der Bad Homburger Altstadt bei der Arbeit über die Schulter schauen. Mit einem Brenner bringt sie in einer Schale ein Stück Goldlegierung zum Schmelzen. „Das ist 585er-Gold“, sagte sie. Die Mischung der Metalle besteht also zu fast 60 Prozent aus reinem Gold. Das Edelmetall schmilzt erst bei mehr als 1000 Grad, wie Eden während des Hantierens mit dem Brenner erklärt.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auch die Arbeit mit Silber führt die Goldschmiedin vor: Ein rechteckiges Stück wird zum Ring gebogen, die Naht verschweißt, anschließend bringen sanfte Hammerschläge das Stück in Form und graben auf der Oberfläche ein Muster aus feinen Vertiefungen ein. Die Goldschmiede ist Werkstatt und Ladengeschäft in einem. Ein Bad Homburger Traditionsbetrieb ist sie aber noch nicht, denn sie besteht dort erst seit März. Eden ist mit ihrer Schmiede aus Frankfurt-Rödelheim in den Taunus umgezogen.

          Homburgs Schmuckstücke

          Auf Läden wie die Goldschmiede, die ein wenig versteckt zwischen schön restaurierten Fachwerkhäusern an der Rathausstraße liegt, wollen die Stadt und ihr Citymanagement aufmerksam machen. Vor allem sollen kleine, vom Inhaber geführte Geschäfte zur Geltung kommen, denn diese machen die Atmosphäre der Innenstadt aus, wie Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) findet. Mancher Einheimische wisse gar nicht von den Anbietern, wenn deren Geschäfte nicht gerade in den Haupteinkaufszonen wie der Louisenstraße lägen, sagt Hetjes. „Vielen ist gar nicht bekannt, was für viele Schmuckstücke wir haben.“

          Um die kleinen Läden in den Seitenstraßen herauszustellen, organisiert das Citymanagement Führungen: Rundgänge durch die Stadt, bei denen keine historischen Sehenswürdigkeiten gezeigt würden, sondern Einzelhändler, berichtet Citymanagerin Tatjana Baric. Damit begegne man der Konkurrenz durch den Versandhandel im Internet.

          Baric übernimmt selbst die Führungen und will dabei zeigen, was das Internet nicht zu bieten hat, wie viel Spaß es macht, zum Beispiel mit einem Weinhändler darüber zu fachsimpeln, ob ein Jahrgang gelungen ist. Oder zuzusehen, wie ein Schmuckstück in Handarbeit entsteht. Bei den Führungen erzählen die Händler Geschichten rund um ihren Laden und erlauben einen Blick hinter die Kulissen. Zum Beispiel dürfen die Gäste in den Weinkeller des Feinkosthändlers Lautenschläger hinabsteigen.

          Drei verschiedene Führungen

          Unter dem Titel „Hereinspaziert“ werden drei verschiedene Führungen angeboten, wie Baric sagt. Am Donnerstag, 26. Juli, steht von 16 Uhr an Genuss und Kulinarik im Mittelpunkt. Es wird Gin verkostet, zu essen gibt es süßes Gebäck und zu trinken fair gehandelten Kaffee, bis die Tour mit einem Cocktail in der Bar des Maritim-Hotels endet. Am Mittwoch, 29. August, um dieselbe Zeit werden kulturelle Anlaufstellen vorgestellt, außer der Goldschmiede eine Galerie, die Homburger Bücherstube und das Kurtheater. Bei dem dritten Rundgang zum Thema Sport und Gesundheit sollen die Teilnehmer laut Baric ins Schwitzen kommen. Das Datum dafür steht allerdings noch nicht fest.

          Bei allen Touren dürfen höchstens zwölf Gäste mitgehen, die Teilnahme kostet 9,90 Euro. Karten werden bei der Tourist-Information im Kurhaus verkauft. Im Internet ist eine Anmeldung dagegen nicht möglich – schließlich will man die Kunden ja gerade aus dem Netz heraus- und in die Stadt hineinlocken.

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