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Gartenlandschaft statt Acker : Bürgerpark als Nachbarschreck

Richtung Westen, immer geradeaus: Zu beiden Seiten der Tannenwaldallee wäre Platz für einen Bürgerpark. Bild: Oliver Rüther

Die Bewerbung der Kurstadt Bad Homburg für die Landesgartenschau enthält viele Ideen für bisher als Acker genutzte Flächen. Über die wollte man eigentlich erst einmal in Ruhe reden.

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          Der Fachmann spricht von einer „eindimensionalen Nutzung“. Immerhin eine, die satt macht, könnte man angesichts des in langen Reihen wachsenden Getreides sagen. Was eine mehrdimensionale Nutzung wäre, steht in der Ausschreibung für die Machbarkeitsstudie, mit der sich die Stadt Bad Homburg für die Landesgartenschau 2027 bewerben will: Platz für Pavillons und Hallen während der Gartenschau, Liegewiesen und eine Art Sportpark mit Flächen für Ballspiele und Skaterbahn. Sogar der Rauch und Lärm der öffentlichen Grills, die auf den am Waldrand gelegenen Buschwiesen bei Anwohnern immer wieder für Verdruss sorgen, könnten dort ihren Platz finden. Das Ganze eingebettet in einen historischen Zusammenhang, denn was heute Acker ist, gehört in die Reihe der Parks zwischen Bad Homburger Schloss und Taunusrand, die zusammen die Landgräfliche Gartenlandschaft bilden.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Die Fläche, von der die Rede ist, liegt zu beiden Seiten der Tannenwaldallee. Diese endet, auf diesem Stück dem landwirtschaftlichen Verkehr sowie Fahrradfahrern und Fußgängern vorbehalten, am Gotischen Haus im Stadtteil Dornholzhausen. Als Elisabethenschneise führt die Achse anschließend in immer noch schnurgerader Linie weiter in den Wald hinein. Zwischen dem Gotischen Haus und der heutigen B 456 lag einst der Philippsgarten. Anders als der Kleine Tannenwald, als Ferdinands- und Gustavsgarten war er vor allem mit Obstbäumen bestanden und nicht in größerem Umfang gärtnerisch gestaltet. Sein 1846 gestorbener Namensgeber hielt sich vor allem in Wien auf. Ein Pferdegrab und eine rotgestrichene Bretterhütte sind das einzige, was später bei einer Versteigerung als besondere Merkmale des Philippsgartens genannt wurden. Seit dem Ende des Landgrafenhauses im Jahr 1866 wird er landwirtschaftlich genutzt.

          „Neuer Philippsgarten“

          Das könnte sich grundlegend ändern, sollte Bad Homburg mit seiner Bewerbung erfolgreich sein. Weil die denkmalgeschützten Parkanlagen wie Kur- und Schlosspark zwar als Anschauungsobjekte taugen, aber wenig Gestaltungsspielraum lassen, wäre das Gebiet als „Neuer Philippsgarten“ die zentrale Ausstellungsfläche der Landesgartenschau. Nach deren Ende bliebe ein 35 Hektar großer Bürgerpark, der in seiner Dimension an den Kurpark ohne den angrenzenden Jubiläumspark heranreichen würde.

          Noch ein weiterer Nutzen ließe sich aus der Neugestaltung der Fläche ziehen. Ein „Skulpturengarten“ soll Platz für die Kunstwerke bieten, die bei der alle zwei Jahre stattfindenden Blickachsen-Ausstellung von der Stadt gekauft werden. Jüngst erst offenbarte die Suche nach einem Standort für den 2,40 Meter großen „Big Half Foot“ von Fredrik Wretman, der jetzt an einem Parkplatz in Dornholzhausen stehen soll, das Dilemma mit dem Kunsterwerb.

          „Harmonisches Miteinander“ in Gefahr

          Der Vorschlag eines Bürgerparks findet sich im Bewerbungsschreiben für die Landesgartenschau an das Umweltministerium, das der Ausschreibung für die Machbarkeitsstudie beigefügt ist. Als die „Taunus-Zeitung“ jüngst daraus unter der Schlagzeile „Stadt plant 35 Hektar großen Bürgerpark an der Tannenwaldallee“ zitierte, zeigte sich die SPD im benachbarten Oberurseler Stadtteil Oberstedten „zutiefst irritiert“ und verwundert. Gerade erst haben die Oberurseler Stadtverordneten nach langem Ringen einen Bebauungsplan verabschiedet, der am Ortsrand Richtung Dornholzhausen zwar den Bau einiger Häuser zulässt, die dortigen Streuobstwiesen und Pferdekoppeln aber frei hält.

          In einer Mitteilung sieht die Oberstedtener SPD das „harmonische Miteinander von Erholungssuchenden und Anwohnern, Landwirtschaft und naturnaher Freizeitnutzung“ in Gefahr. „Was hat das mit dem Grundgedanken der Landesgartenschau zu tun?“, fragt sich die Ortsbezirksvorsitzende Elenor Pospiech angesichts der Bad Homburger Pläne. Die Schauen sollten Strukturen verbessern und werteten oft nicht besonders schöne Landschaften auf. Die gibt es dort nach Ansicht der SPD aber schon. Die Allee werde stark von Menschen genutzt, die die Nähe zur Natur suchten. Das passt für Pospiech nicht mit Skatern, einem Mountainbike-Hindernisparcours, Grillstellen und Ballspielflächen zusammen.

          Bei der Stadt Bad Homburg ist man über die Aufregung nicht glücklich, sieht dafür aber auch keinen Anlass. Das Bewerbungsschreiben sei eine verwaltungsinterne Ideensammlung, ein „Setzkasten“, aus dem sich die Fachleute bedienen könnten. Die Bewerbung sei nicht gleichbedeutend mit der Planung. „Die Machbarkeitsstudie wird klären, was möglich ist und was nicht“, stellt Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) klar. Dabei gebe es auch eine Öffentlichkeitsbeteiligung. Am Ende stehe ein Konzept, über das politisch entschieden werde. Zuvor werde man mit den Gremien und Ortsbeiräten, aber auch den Nachbarkommunen sprechen. Sie würden ebenso beteiligt wie Forst, Landwirtschaft, Schulen und Verbände.

          Der Zeitplan ist, bis auf den Abgabetermin der Machbarkeitsstudie am 15. Dezember, noch offen. Nach etwa einem Jahr entscheidet das Land zwischen den fünf Interessenten. Würde Bad Homburg die Landesgartenschau ausrichten, müsste von 2024 an organisiert und gepflanzt werden, heißt es im Rathaus.

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