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Bad Homburg : Digitale Zeitreise in die Kurgeschichte

Bild von einer Stadt: Bad Homburgs Kurpark. Bild: Rüchel, Dieter

Für die Bewerbung als Weltkulturerbe hat Bad Homburg eine Datenbank mit „Orten der Kur“ erstellt. Diese ist bald im Internet verfügbar.

          3 Min.

          Sisi war hier, das ist belegt. Aber wo hat die österreichische Kaiserin Elisabeth bei ihrem Aufenthalt im Kurbad Homburg übernachtet? Diese Frage kann von Ende nächster Woche an jeder beantworten, der sich über die städtische Internetseite www.bad-homburg.de zu dem Angebot „Orte der Kur“ durchklickt. Die interaktive Datenbank auf Basis des Stadtplans enthält Gebäude, Infrastruktureinrichtungen und andere Stätten, die mit der Kurgeschichte Bad Homburgs zu tun haben. Das sind natürlich die Kliniken, Hotels oder das Kurhaus. „Aber auch die Bahnhöfe, das Gaswerk und Fotoateliers gehören zu den Orten, die mittelbar mit dem Kurbad zu tun haben“, sagte Holger Gräf vom Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Das Marburger Landesamt erarbeitet in einem langfristigen Forschungsprojekt den Hessischen Städteatlas, der jeweils mit Karten aus mehreren Jahrhunderten die historische Stadtentwicklung nachzeichnet. Der im vorigen Jahr vorgelegte Bad Homburger Atlas bildete die Grundlage für die digital verfügbaren, interaktiven Orte der Kur.

          Verschiedene Zugänge zu einem Objekt

          Den Anstoß zur ausführlichen Beschäftigung mit der Kurgeschichte gab neben dem Jubiläum „100 Jahre Bad“ die Bewerbung als Weltkulturerbe. Seit September gehört Bad Homburg offiziell zu einer Arbeitsgruppe von 14 Städten, die sich unter dem Titel „Great Spas of Europe“ als europäische Kur- und Modebäder des 19.Jahrhunderts um Aufnahme in die Welterbe-Liste bemühen. „Dazu müssen wir nachweisen, dass die Kur in unserer Topographie sichtbar ist“, erläutert Stadtarchivarin Astrid Krüger.

          Dabei gehe es zum Beispiel um die Frage, wie lange ein bestimmtes Hotel für welchen Zweck genutzt worden sei und in welchem Zustand es sich, so erhalten, heute befinde. Antworten geben Kurzbeschreibungen zu den einzelnen Objekten der Datenbank. Sie charakterisieren das Bauwerk, erläutern seine Bedeutung für das Kurwesen, geben einen Abriss zur Baugeschichte und führen es vor allem mit Abbildungen vor Augen. Schnittstellen führen zur aktuellen Katasterkarte samt Luftbild von Bad Homburg. Weil die „Orte der Kur“ digital verfügbar sind, eröffnen sich auch verschiedene Zugänge, wie Stefan Aumann erläuterte. Er war für den Aufbau und die Recherchemöglichkeiten der interaktiven Karte zuständig. „Entdecken und Suchen“ nannte er als die beiden Grundprinzipien. Wer einfach in die Geschichte eintauchen will, kann sich zum Beispiel die Karte anzeigen lassen und die einzelnen Objekte aufrufen, die als farbige Punkte gekennzeichnet sind. Eine „Begriffswolke“ zeigt die Schlagworte der Datenbank in unterschiedlicher Größe an, die sich nach der Zahl der Einträge richtet. Zum Stöbern lädt aber auch eine Bildergalerie ein. Durch entsprechende Querverweise kommt man auf diese Weise zum Beispiel vom Straßenbahndepot zum Alten Bahnhof.

          Fortschritt für ortsgeschichtliche Forschung

          Eine Zeitleiste illustriert mit Balken die bauliche Entwicklung. Dort lässt sich ablesen, in welchen Jahrzehnten besonders viele Gebäude errichtet oder umgebaut wurden. Daneben gibt es natürlich Suchoptionen: Entweder einfach nach einem Stichwort wie der Kaiserin Sisi oder in der „Profisuche“ mit der Möglichkeit, Filter anzulegen. So könnte man sich zum Beispiel nur die privaten Kliniken in einem bestimmten Zeitraum anzeigen lassen.

          Gräf sagte, die interaktive Karte vermittle das Werden der Stadt auf leicht zugängliche Weise. Das könne, zumal durch die Literatur- und Quellenangaben, zu einer weiteren Beschäftigung mit der Geschichte anregen. Stadtarchivarin Krüger ist froh, dass neue Erkenntnisse und Funde wie bisher unentdeckte Fotografien in die Datenbank eingepflegt werden könnten. „Das macht sie sofort verfügbar, auch ohne dass jemand dazu einen Aufsatz verfasst hat.“ Für Oberbürgermeister Michael Korwisi (Die Grünen) sind die „Orte der Kur“ ein wichtiger Beitrag zur Welterbe-Bewerbung. „Die Forschung spielt bei der Bewertung eine große Rolle.“

          Aber auch unabhängig von einem Erfolg bei der Unesco bedeute die Datenbank einen Fortschritt für die ortsgeschichtliche Forschung, sagte Krüger. Die Stadt hat das Projekt mit einem Zuschuss von 7000 Euro gefördert. Darin sind allerdings die dafür verwendeten Arbeitsstunden der Archivmitarbeiter nicht enthalten. Andere Kosten, etwa für die Digitalisierung der Bilder, wären dem Stadtarchiv ohnehin entstanden. Das Internet-Angebot präsentieren die Beteiligten am Donnerstag, 14. November, um 19 Uhr im Gartensaal des Gotischen Hauses, Tannenwaldweg 102. Dann soll es auch freigeschaltet werden.

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