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Kein Kino in Bad Homburg : Verschwiegen bis zum Abspann

Verspielte Möglichkeit? Bad Homburgs Image könnte von einem Kino profitieren. Bild: Cornelia Sick

In Bad Homburg sollte ein Kino am Bahnhof das Image der Stadt aufpolieren. Das Scheitern der Verhandlungen ist der erste große Rückschlag für den Oberbürgermeister. Ein Kommentar.

          Der Weihnachtsfilm, der in diesem Jahr in der Bad Homburger Politik abläuft, ist keine fröhliche Komödie. Sondern ein Drama um enttäuschte Hoffnungen, denn großes Kino am Bahnhof ist für lange Zeit nicht in Sicht.

          Dabei ist die Idee ein Gewinnerthema. Sie hilft gegen das Image der allzu betulichen Kurstadt, belebt die Gegend um den erst vor kurzem für einen zweistelligen Millionenbetrag sanierten Bahnhof, und für die Jugend gibt es ohnehin zu wenige Angebote. Kein Wunder, dass der damalige Oberbürgermeister Michael Korwisi (Die Grünen) noch 2013 gehofft hatte, in seiner Amtszeit die Eröffnungsvorstellung besuchen zu können.

          Auch Korwisis Nachfolger Alexander Hetjes (CDU) kam um das populäre Kino nicht herum und sprach sich für eine schnellstmögliche Realisierung aus – jetzt ohne die dauerhaft kostenträchtige Trendsporthalle. Die Union, die mittlerweile mit der SPD die Mehrheit bildet, setzte auf eine Erfolgsmeldung zum Kino noch vor der nächsten Kommunalwahl im Jahr 2021.

          Jetzt rächt sich die große Verschwiegenheit

          Daraus wird nichts. Das jetzige Scheitern der Verhandlungen ist der erste große Rückschlag für den forsch auftretenden Oberbürgermeister. Wobei schon die Wirrungen um den Rauswurf von Kurdirektor Ralf Wolter, in dessen Händen bis dahin übrigens auch das Kinoprojekt lag, kein besonders gutes Licht auf die Stadt geworfen haben.

          Jetzt rächt sich die große Verschwiegenheit, die das gesamte Verfahren begleitet hat. Der Verweis auf die rechtlich sensiblen Bedingungen des Investorenwettbewerbs darf nicht jegliche Bewertung verhindern. Ob die angenommenen Besucherzahlen für ein Multiplexkino realistisch sind und mit welchen Zugeständnissen die Stadt ein möglicherweise nicht rentables Kinoangebot stützen würde, muss öffentlich diskutiert werden können. Als 2016 die Trendsporthalle neben dem Kino gekippt wurde, errechnete ein Gutachten eine Miete, die um 61 Prozent über dem Marktwert lag. Mit solchen klaren Angaben lässt sich die Entscheidung für und wider einen Investor nachvollziehen.

          Die Offenheit ist auch nötig, weil es nicht nur um eine einmalige Subvention geht. Die Standortentscheidung für die Stadtwerke war offenkundig von dem Wunsch bestimmt, damit das Freizeitangebot am Bahnhof zu ermöglichen.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

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