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Neue Synagoge in Bad Homburg : Gutes Zeichen in schlechten Zeiten

  • -Aktualisiert am

80 Jahre nach der Pogromnacht: die neue Synagoge in Bad Homburg Bild: Cornelia Sick

In der Pogromnacht 1938 zerstören SA-Männer die Synagoge in Bad Homburg. Der Wiederaufbau 80 Jahre später ist ein wichtiges Zeichen. Ein Kommentar

          1 Min.

          In der Pogromnacht vom 9. November 1938 haben SA-Männer die Synagoge an der Elisabethenstraße in Bad Homburg angezündet. Das von der Stadt, vom Staat und vom Landgrafen mitfinanzierte Gebäude brannte völlig aus. Genau nach 80 Jahren bekommt Bad Homburg nun eine neue Synagoge.

          Das Abbrennen von jüdischen Tempeln war in jenen Tagen die Lieblingsbeschäftigung fanatischer Nationalsozialisten und ihrer judenhassenden Mitläufer. Im ganzen Deutschen Reich wurden die Synagogen geschändet und zerstört. Der Bau neuer Gotteshäuser im demokratischen Deutschland ist dagegen eher eine Ausnahme geblieben. Gewiss: Es wurden hie und da wieder Synagogen errichtet, doch der Bedarf war bei den wenigen Juden, die wieder im Land lebten, nicht allzu hoch.

          Lange jüdische Tradition

          Dass in Städten mit einer langen jüdischen Tradition wie München und Würzburg sogar Synagogen mit einem Gemeindezentrum und Schulen beziehungsweise einem Museum entstanden sind, ist eine hocherfreuliche Entwicklung. Bad Homburg reiht sich in diesen Trend ein, der darauf hoffen lässt, dass das jüdische Leben im Land institutionell dauerhaft abgesichert wird.

          Doch bei all diesen guten Zeichen darf man nicht übersehen, dass seit geraumer Zeit die Angst umgeht in der jüdischen Gemeinschaft. Sie sieht sich von einem wachsenden und immer offener auftretender Antisemitismus bedroht, der sich im Internet, aber auch auf Demonstrationen gegen Israel austobt und alte Stereotype des reichen Juden bis hin zu einer jüdischen Weltverschwörung wiederbelebt.

          Neue Art des Antisemitismus

          Mit den Flüchtlingen und Migranten aus der muslimisch-arabischen Welt, denen der Hass auf Israel und die Juden von klein auf eingetrichtert wurde, ist eine neue Art des Antisemitismus ins Land gekommen. Ein eigenes Phänomen stellt zudem der linke Antisemitismus dar mit seinen Attacken und Boykottaufrufen gegen Israel. Doch die wahrhaft wirkmächtige Judenfeindschaft findet sich weiterhin im rechtsradikalen Spektrum, wo man immer noch arisch denkt und fühlt.

          Auch wenn sich erstaunlicherweise eine Vereinigung von Juden in der AfD gebildet hat, warnen Persönlichkeiten wie der Zentralratsvorsitzende Schuster vor den Rechtspopulisten. Ihm ist klar, dass ein Jude in Deutschland, wie immer er sich anstellt, für einen deutschen Nationalisten nie deutsch genug sein wird.

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