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Azubi-Speeddating : In zehn Minuten zur Lehrstelle

  • -Aktualisiert am

Lehrstelle geboten: Azubi-Börse in den Räumen des FSV-Stadions. Bild: Wolfgang Eilmes

Unternehmen gehen neue Wege auf der Suche nach Auszubildenden: in nur zehn Minuten Gespräch am Stand prüfen sie die Schüler. Dies ist ein gutes Training und bei so vielen freien Ausbildungsplätzen haben die Bewerber die freie Wahl.

          Der VIP-Bereich des Stadions am Bornheimer Hang, wo sonst potente Sponsoren und Unternehmer anzutreffen sind, füllt sich schnell mit Schülern. Mehrere Klassen sind mit ihren Lehrern in das Stadion des FSV Frankfurt gekommen, viele haben Bewerbungsmappen dabei. Denn hier ist ein Speeddating um einen Ausbildungsplatz: Jeweils zehn Minuten setzt sich ein Schüler an einen Stand, um mit den Unternehmensvertretern ins Gespräch kommen.

          Am Stand der Rabobank, einem von 60 Unternehmen bei diesem Speeddating, sitzen Michael Dönges und Aaiescha Moomand und hoffen auf Bewerber unter den rund 500 Teilnehmern. Die niederländische Bank ist seit 2012 hierzulande unter anderem als Online-Bank für Privatkunden aktiv, ihre Deutschlandzentrale hat sie im Frankfurter Stadtteil Bockenheim. „Wir tun uns sehr schwer, Auszubildende zu finden“, sagt Dönges, der in der Personalabteilung arbeitet. Seine Bank bekomme insgesamt nur wenige Bewerbungen. Die vier Ausbildungsplätze, welche sie jährlich in Frankfurt zu vergeben hat, konnten vergangenes Jahr nicht besetzt werden. Diejenigen Kandidaten, die sich bei ihnen meldeten, würden oft den Ansprüchen nicht gerecht. Um dem entgegen zu wirken, sitzen Dönges und Moomand im Stadion am Bornheimer Hang. Ihre Gespräche seien ebenso eine Bewerbung von Schülern an die Rabobank als auch umgekehrt, sagen sie.

          Große Bandbreite an Ausbildungsbetrieben

          Laut Florian Richterich von der Industrie- und Handelskammer Frankfurt (IHK), die das Speeddating ausrichtet, geht es vielen Ausbildungsunternehmen in der Region ähnlich. „Wir haben unglaublich viele Ausbildungsplätze, leider aber gar nicht so viele Bewerber, die diese besetzen könnten.“ Das Rhein-Main-Gebiet und seine Unternehmen boome wirtschaftlich, entsprechend werde viel eingestellt, und das vornehmlich durch Ausbildungsplätze. Für die Schüler sei das schön, die hätten die Auswahl. Die Unternehmen brächte es dazu, neue Wege, wie das Azubi-Speeddating, einzuschlagen.

          Seit 2013 organisiert die Frankfurter Kammer regelmäßig solche Veranstaltungen, in diesem Jahr sind zwei weitere geplant. Die Bandbreite an teilnehmenden Ausbildungsbetrieben ist groß, von kleinen Firmen mit nicht mehr als sechs Mitarbeitern bis zu Konzernen wie die Deutschen Bahn. Sie alle haben damit zu kämpfen, dass immer mehr Schüler lieber studieren gehen als eine berufliche Ausbildung anzutreten. Der Sturm auf die Hochschulen habe durchaus negative Folgen, sagt Richterich: In mathematisch-technischen Studiengängen breche etwa jeder Zweite sein Studium vor dem Abschluss ab. Die IHK und ihre Ausbildungsbetriebe stellten sich auf diese neue Situation ein und hätten spezielle Angebote eingerichtet, welche sich explizit an Studienabbrecher wendeten.

          Am Stand der Rabobank hat mittlerweile Bewerber Nassim Jouahri Platz genommen. Der Neunzehnjährige wird im Mai sein Fachabitur an der Beruflichen Schule Untertaunus in Taunusstein ablegen, erzählt er. Jetzt plane er für die Zeit danach, das Azubi-Speeddating komme ihm da sehr gelegen. Es sei ein gutes Training fürs Bewerben und man lerne, wie mit zukünftigen Vorgesetzten umzugehen ist.

          Auch Dönges und Moomand sind fürs Erste zufrieden. Aaiescha Moomand sagt, sie habe gute Eindrücke gesammelt. „Ich denke mal, wir werden einige Bewerbungen bekommen, einige gute auch.“

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