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Folgen der Finanz-Affäre : Aufräumen im „System-Awo“

Wenn Kontrollinstanzen versagen: Der Awo steht eine mühselige Aufklärungsarbeit bevor. Bild: dpa

Die Awo will Aufklärung im Skandal um überzogene Gehälter, Luxusreisen und undurchsichtige Geldflüsse in Frankfurt und Wiesbaden. Doch mit der jetzigen Führungsriege in den Kreisverbänden und im Bezirksverband wird das kaum gelingen.

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          Weiß Herta Däubler-Gmelin eigentlich, auf was sie sich eingelassen hat? Die ehemalige Bundesjustizministerin soll mit einer „Task-Force“ die Zustände bei der Arbeiterwohlfahrt aufklären. Auftraggeber ist ausgerechnet der Awo-Bezirksverband Hessen-Süd. Dessen Geschäftsführer Ansgar Dittmar ist eine Schlüsselfigur im Skandal um überzogene Gehälter, Luxusreisen und undurchsichtige Geldflüsse, der die Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden erschüttert.

          Während andere Awo-Führungspersonen zurückgetreten sind, hält der frühere SPD-Politiker Dittmar sich im Amt. Und zwar nicht nur im Bezirksverband Südhessen, wo er Geschäftsführer ist, sondern auch im Kreisverband Frankfurt, wo er Präsident ist. Um den ganzen Irrsinn auszuformulieren: Die Genossin Däubler-Gmelin soll im Auftrag des Genossen Dittmar kontrollieren, ob dieser seiner hauptamtlichen Kontrollfunktion über den Kreisverband, dessen ehrenamtlicher, also kontrollierender Präsident er selbst ist, nachgekommen ist.

          Solche Verquickungen zwischen Führung und Aufsicht, Hauptamt und Ehrenamt, Verband und Partei sind kein Randphänomen im südhessischen Awo-Skandal, sondern haben ihn ermöglicht. Prototypisch dafür ist die Familie Richter, die sich zwischen Frankfurt und Wiesbaden Posten, Honorare und Vergünstigungen hin- und herschob. Aber nicht sie allein hat das „System Awo“ aufgebaut und daraus Nutzen gezogen. Ein Neuanfang ist nur möglich, wenn sich die gesamte Führungsriege in den Kreisverbänden und im Bezirksverband zurückzieht.

          Wie stark die Beharrungskräfte sind, zeigt auch die Ankündigung, in Frankfurt Mitte Januar das Präsidium neu wählen zu lassen. Es ist absehbar, dass sich in so kurzer Zeit keine unbelasteten Kandidaten finden, die willens und in der Lage sind, den Verband aufzuräumen und neu aufzubauen. Das schafft nur eine von außen kommende, kommissarische Führung. In Frage dafür kommt der Bundesverband. Ob man dessen Vertretern glauben darf, sie hätten von den südhessischen Zuständen erst aus den Medien erfahren, sei dahingestellt. Aber immerhin ist der Wille deutlich, Missstände zu benennen und zu beheben.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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