https://www.faz.net/-gzg-aewt9

AWO-Skandal : Millionenbetrug mit falschen Personalkostenabrechnungen?

Im Finanz-Skandal der AWO bezichtigt der Kreisverband Frankfurt sein Wiesbadener Pendant des Betrugs. Bild: dpa

Im AWO-Skandal bezichtigt der Kreisverband Frankfurt den Wiesbadener Kreisverband, ihn mit falschen Personalkostenabrechnungen um mehrere Millionen Euro betrogen zu haben.

          1 Min.

          Der Wiesbadener Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) soll den AWO-Kreisverband in Frankfurt mit falschen Personalkostenabrechnungen um mehrere Millionen Euro betrogen haben. Nach Angaben des Kreisverbands beläuft sich der Schaden auf 3,2 Millionen Euro, Nutznießer sei der Kreisverband in Wiesbaden gewesen, der seinerzeit von Hannelore Richter, der Ehefrau des Frankfurter AWO-Chefs Jürgen Richter, geführt wurde. Demnach seien mit bewusst falschen Abrechnungen Beträge an den Wiesbadener Kreisverband gezahlt worden für Mitarbeiter, die dort nicht beschäftigt waren. Möglich gewesen sei dieser Betrug, weil die Rechnungen nicht auf sachliche Richtigkeit überprüft worden seien.

          Martin Ochmann
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nach Angaben der AWO Frankfurt wurde zwei Mitarbeiterinnen des Rechnungswesens deswegen fristlos gekündigt, gegen sie und drei weitere Personen sei zudem Strafanzeige gestellt worden. Die AWO Frankfurt prüft, ob Schadenersatz verlangt werden kann. Insgesamt beläuft sich der Schaden, der dem Frankfurter Kreisverband durch das Geschäftsgebaren der AWO Wiesbaden entstanden sein soll, damit auf rund 4 Millionen Euro. Bereits bekannt war die Praxis, dass über sogenannte Spenden, die für vermeintliche Mitarbeiterüberlassungen gezahlt wurden, um Umsatzsteuer zu vermeiden, ein Schaden von rund 800.000 entstanden ist.

          Neu ist für den Frankfurter AWO-Vorstandsvorsitzenden Steffen Krollmann, dass dieses System wohl größere Ausmaße hatte. Dabei seien unter anderem Mitarbeiter aus Frankfurt als Wiesbadener Mitarbeiter ausgegeben worden, zudem seien einfach höhere Beträge abgerechnet worden, als vertraglich vereinbart gewesen sei. „Die Höhe des Schadens und die Dreistigkeit hat mich überrascht“, sagte Krollmann der F.A.Z. Es habe „willfährige“ Menschen gegeben, die aktiv Beihilfe in dem System geleistet hätten. „Man hätte das erkennen können“, sagte Krollmann.  Der Schaden sei allein dem Frankfurter Kreisverband entstanden, der jährlich rund fünf Millionen Euro aus Mieteinnahmen generiere. Aus diesem Topf sei das Geld gezahlt worden.

          Weitere Themen

          Mehr Wohnungen, weniger Autos

          Heute in Rhein-Main : Mehr Wohnungen, weniger Autos

          Das Schaffen von Wohnraum soll einfacher und schneller werden. In Frankfurt soll es bald zwei Fahrradstraßen geben. Wiesbadens geplanter Stadtteil Ostfeld wird teurer als geplant. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Topmeldungen

          Zapfenstreich für Merkel : Abschied mit Fackeln und Schlagern

          Mit dem Großen Zapfenstreich verabschiedete sich die Bundeswehr von Angela Merkel nach 16 Jahren im Amt. Die Kanzlerin hält zwei Ratschläge bereit – und freut sich über Schlager aus Ost und West.
          Militärübung Zapad: Alexandr Lukaschenko Mitte September auf dem Truppenübungsplatz Obuz-Lesnovsky

          Sorgen um die Ukraine : Lukaschenko droht für Putin

          Der Minsker Machthaber kündigt „Manöver“ mit Russland nahe der Ukraine an – und stellt sogar die Stationierung russischer Nuklearwaffen in Belarus in Aussicht.
          Tritt von der politischen Bühne ab: Sebastian Kurz am Donnerstag in Wien

          Österreichs früherer Kanzler : Wie lange ist Kurz weg?

          Österreichs früherer Kanzler Sebastian Kurz legt seine politischen Ämter nieder und spricht davon, dass er seine Begeisterung verloren habe. Ob es ein Abschied für immer sein soll, bleibt offen.