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Kita-Affäre der Awo : Externe sollen Vorwürfe aufklären

Kritik an der Awo: Externe Berater sollen die Bücher des Kreisverbands Frankfurt prüfen. Bild: dpa

Nach Negativ-Schlagzeilen und Ermittlungen setzt die Frankfurter Awo auf externe Berater. Der Sozialausschuss des Stadtparlaments Frankfurt prüft von der Awo vorgelegte Unterlagen. Zwei führende Vertreter des Kreisverbands Wiesbaden lassen ihre Ämter ruhen.

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          Die Frankfurter Arbeiterwohlfahrt hat weitere Schritte angekündigt, mit denen sie auf die gegen sie erhobenen Vorwürfe reagiert. So sollen zwei Mitarbeiter der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) die „Konzeptionierung und Implementierung eines Compliance-Management-Systems“ unterstützen. Weiter heißt es in der Mitteilung in bestem Beraterdeutsch wörtlich, der Aufbau werde in vier Phasen erfolgen: Initiative, Bestands- und Risikoanalyse, Konzeptionierung und Entwurf, Implementierung und Kommunikation.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Johanna Christner

          Etwas konkreter ist die Ankündigung, dass man ein anonymes Hinweisgebersystem zu Compliance-Fragen installieren werde. Auch die in der Kritik stehenden Beziehungen zwischen den Kreisverbänden Frankfurt und Wiesbaden sollen entflochten werden.

          Am Donnerstag wurde bekannt, dass zwei führende Vertreter des Kreisverbands Wiesbaden ihre Ämter ruhen lassen. Es handele sich um den Geschäftsführer Gereon Richter und seinen Vater, den stellvertretenden Kreisvorsitzenden Jürgen Richter, teilte der Verband mit. „Die öffentliche Debatte ist aufgeheizt“, sagte ein Sprecher. Jürgen Richter ist auch Geschäftsführer der Awo Frankfurt, seine Frau Hannelore hatte bis vor kurzem die Awo Wiesbaden geführt und berät die Awo Frankfurt als Sonderbeauftragte.

          Irritationen über vorgelegte Unterlagen

          Der Skandal um das Finanzgebaren bei der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (Awo) war am Donnerstag auch das Thema im Sozialausschuss des Stadtparlaments. So äußerten sich mehrere Mitglieder irritiert über die ihnen in einem Akteneinsichtsausschuss vorgelegten Unterlagen, der sich mit der Zusammenarbeit zwischen der Stadt und dem Wohlfahrtsverein beschäftigen. „Ich werde das Gefühl nicht los, dass zwischendrin Dinge fehlen“, sagte Roland Frischkorn (SPD). Er bemängelte, dass die Awo zwei getrennte Ablagesysteme in Haupt- und Nebenakten betrieben habe. Nach Einblick in die Papiere bezweifle er zudem, dass der Stadt Frankfurt bei den Betrügereien mit zwei in ihrem Auftrag betriebenen Flüchtlingsheimen kein Schaden entstanden sei. Dieser könne nach seiner Einschätzung zwischen 600.000 und 1,2 Millionen Euro liegen.

          Auch Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) fand deutliche Worte. Was sie in den vergangenen Wochen über das Verständnis von Wohlfahrtspflege bei den Verantwortlichen der Awo erfahren habe, habe sie entsetzt. „Ich dachte nicht, dass mich irgendetwas noch so erschüttern könnte“, sagte die Stadträtin. „Ich höre von Leasing-Fahrzeugen, spitzen Karrieren für Nachwuchskräfte und üppigen Gehältern für das Führungspersonal.“ Birkenfeld kündigte daher abermals an, die Zahlung der sogenannten Overhead-Pauschale für Verwaltungskosten im Januar 2020 einzubehalten. Sie bat die Stadtverordneten um Unterstützung für dieses Vorgehen. Damit wolle sie ein politisches Zeichen setzen, das „der Awo weh tun“ werde, und den der Stadt möglichen Druck ausüben, damit die Vorgänge aufgeklärt werden. Sollte sich der Verdacht nach Überprüfung der Belege als falsch erweisen, werde die Auszahlung rückwirkend nachgeholt.

          Um dies zügig zu klären, hoffe sie auf die von der Awo angekündigte Transparenzoffensive. Diesbezüglich gab sie sich optimistisch: „Verweigert wurde mir noch nichts“, sagte sie mit Blick auf angeforderte Informationen. Die Dezernentin bat darum, die Berichte über falsche Abrechnungen in zwei Flüchtlingsunterkünften nicht mit den übrigen Affären der Awo, etwa mit strittigen Gehältern für Führungspersonal, zu vermengen. Die Fälle sind nach Birkenfelds Ansicht getrennt voneinander zu betrachten.

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