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Bezirksverband Hessen-Süd : Verdächtiger Verkauf von Heimen durch die Awo

Im Fokus von Ermittlungen: das Sozialzentrum der Awo in Bruchköbel Bild: Helmut Fricke

In der Finanzaffäre der Awo werden nun auch Vorwürfe gegen den Bezirksverband Hessen-Süd erhoben. Im Mittelpunkt steht der dubiose Verkauf zweier Pflegeheime an private Immobiliengesellschaften.

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          In der Finanzaffäre der Arbeiterwohlfahrt (Awo) geraten jetzt auch Geschäftsvorgänge aus dem Bezirksverband Hessen-Süd ins Blickfeld. Es geht dabei um den Verkauf von zwei Pflegeheimen in Bruchköbel und Langgöns. Der Bezirksverband soll die Liegenschaften der Heime an private Immobiliengesellschaften verkauft haben, an denen ein verantwortlicher Awo-Mitarbeiter selbst beteiligt gewesen sei. Der Verband habe die Heime zurückgemietet und die privaten Unternehmen hätten so eine hohe Rendite erzielt, berichtete der Hessische Rundfunk gestern.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Awo-Bundesverband teilte auf Anfrage mit, die Immobiliengeschäfte mit den Heimen würden geprüft. Man wolle dem Verfahren nicht vorgreifen, klar sei jedoch, dass sogenannte Insichgeschäfte mit selbstgegründeten privaten Gesellschaften verboten seien. Laut dem internen „Governance-Kodex“ der Awo dürfe zudem kein Mitglied der Geschäftsführung oder des Aufsichtsgremiums „bei seinen Entscheidungen persönliche Interessen verfolgen, welche im Widerspruch zu den Interessen des Unternehmens stehen, oder Geschäftschancen, die dem Unternehmen zustehen, für sich persönlich nutzen“. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt sagte, sie gebe zu möglichen strafrechtlichen Ermittlungen keine Auskunft, die Behörde gehe aber allen Hinweisen nach.

          Wirtschaftsprüfer in Verdacht geraten

          Seit Wochen erschüttern die Aufdeckungen über die dubiosen Geschäftspraktiken der Awo-Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden die Öffentlichkeit; die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen des Verdachts der Untreue. Ein solcher Vorwurf könnte jetzt auch Verantwortliche des den Kreisverbänden übergeordneten Bezirksverbands Hessen-Süd treffen. Die Gliederung, die rund 3300 Mitglieder hat, ist Träger der beiden Awo-Pflegeheime in Bruchköbel im Main-Kinzig-Kreis und in Langgöns im Kreis Gießen.

          Verkauft und zurückgemietet: das „Heinz-Ulm-Haus“ in Langgöns

          Im Mittelpunkt der Affäre steht laut Hessischem Rundfunk ein Wirtschaftsprüfer, der von Anfang 2016 bis Mitte 2019 Generalbevollmächtigter des Bezirksverbandes Hessen-Süd war. Unter seiner Führung soll der gemeinnützige Sozialverband das „Heinz-Ulm-Haus“, ein Pflegeheim in Langgöns mit rund 80 Pflegeplätzen, verkauft haben. Schon zuvor habe die Awo die Liegenschaft des Sozialzentrums Bruchköbel, das etwa 88 Pflegeplätze hat, an eine Immobiliengesellschaft veräußert. An beiden Privatunternehmen soll der damalige Generalbevollmächtigte selbst beteiligt gewesen sein.

          Begründet wurde der Verkauf der Pflegeheime nach Informationen des Hessischen Rundfunks damit, dass nur ein privater Investor die nötige Sanierung der Gebäude finanzieren könne. Der Awo Hessen-Süd habe das Geld gefehlt, um die überwiegend mit Zweibettzimmern ausgestatteten Heime zu modernisieren. Den Mitinvestoren habe der Awo-Generalbevollmächtigte versprochen, die Geldanlage werde durch die Mietzahlungen eine Rendite von sechs Prozent abwerfen. Der Wirtschaftsprüfer sieht sich zu Unrecht beschuldigt. Er sei davon überzeugt, nicht gegen Vorschriften verstoßen zu haben, sagte er gestern der Deutschen Presse-Agentur DPA. Er habe die zur Aufklärung der Awo-Affäre eingesetzte Task-Force unter Leitung der ehemaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) gebeten, den Vorwürfen nachzugehen.

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