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Krise bei der Awo Frankfurt : Ehrenamtliche Prüfer treten zurück

  • Aktualisiert am

Frankfurter Awo will nach Negativ-Schlagzeilen Konsequenzen ziehen. Bild: dpa

Das Präsidium will nach der Debatte um überhöhte Gehälter und Privilegien Konsequenzen ziehen und Gehaltsgefüge prüfen – die ehrenamtlichen Revisoren haben den Rücktritt eingereicht. Oberbürgermeister Feldmann weist Vorwürfe weiterhin zurück.

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          Angesichts staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen und Negativ-Schlagzeilen über überhöhte Gehälter und Dienstwagen will das Präsidium der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (Awo) Konsequenzen ziehen. Auf einer Sondersitzung seien „weitere Maßnahmen für eine transparente Aufklärung“ beschlossen worden, hieß es in einer Stellungnahme nach der Sitzung am Dienstagabend. „Wir stehen vor einer riesigen Aufgabe, das Ansehen und das Vertrauen in die Awo Frankfurt vollständig wiederherzustellen“, wurde ein namentlich nicht genanntes Mitglied des Präsidiums zitiert.

          Auf der anschließenden Sondersitzung des Kreisausschusses sei hitzig diskutiert worden, hieß es. Dabei sei deutlich geworden, „dass die aktuelle Berichterstattung nicht spurlos an den Awo-Mitgliedern vorübergeht.“ Der Awo-Vorstand kündigte in der Stellungnahme nach der Sitzung an, die Dienstwagenrichtlinie werde angepasst, „um der laut gewordenen Kritik Rechnung zu tragen“. Auch Gehaltsgefüge und Eingruppierungen sollten kritisch geprüft werden, hieß es. Um auch die Arbeit des Präsidiums zu stärken und mit neuem Vertrauen auszustatten, solle es im Januar 2020 eine Neuwahl geben.

          „Nicht mehr in der Tiefe zu leisten“

          Die beiden ehrenamtlichen Revisoren hätten unterdessen am späten Dienstagabend ihren Rücktritt eingereicht, hieß es in einer Mitteilung der Bundestagsabgeordneten Ulli Nissen (SPD). „Die Revision ist für uns als Ehrenamtliche nicht mehr in der Tiefe zu leisten“, begründete Nissen darin. Nissen und ihr Mit-Revisor hatten nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen die Frankfurter Awo einen umfangreichen Fragenkatalog zu Gehaltsstrukturen, zu Dienstwagen, zu Vergabeverfahren und zum Zustandekommen von Arbeitsverträgen erarbeitet.

          Bereits Anfang der Woche hatten drei SPD-Politiker ihre Ämter bei der Frankfurter Awo ruhen lassen. Er werde nach Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen Betrugsverdacht entscheiden, „ob ich meine Tätigkeit im ehrenamtlichen Präsidium wieder aufnehmen oder niederlegen möchte“, sagte der Landtagsabgeordnete Turgut Yüksel. Dies habe er auch auf der „informativen und kritischen“ Kreisausschusssitzung begründet.

          In den jüngsten Berichten war es um besonders hohe Gehaltszahlungen an bestimmte Mitarbeiter des Frankfurter Kreisverbandes und teure Dienstwagen gegangen. Auch der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) geriet in die Kritik nach Berichten, dass seine damalige Lebensgefährtin und heutige Ehefrau als Leiterin einer Awo-Kindertagesstätte einen Dienstwagen und ein Gehalt bezogen haben soll, das deutlich über dem von Kollegen in vergleichbaren Positionen gelegen habe. Sowohl Awo als auch Feldmann wiesen Vorwürfe in Erklärungen zurück.

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