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Ehrenamtliche Awo-Mitarbeiter : Zorn an der Basis

Awo in Frankfurt-Nied: 300 Mitglieder des Ortsverbands wenden sich mit einem zornigen Brief an den Kreisverband. Bild: dpa

Die Mitglieder der Awo Frankfurt-Nied sind verärgert über die Verfehlungen und Verflechtungen der Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden. Sie fordern eine aktive Aufarbeitung.

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          Die Ehrenamtlichen sind außer sich: In einem geharnischten Brief an die Spitze der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (Awo) macht der Awo-Ortsverband Nied, mit fast 300 Mitgliedern der größte der Stadt, seinem Zorn Luft. Die Awo-Gemeinschaft sei entstanden „durch jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement mit sehr viel Herzblut“, schreibt der Vorstand des Ortsvereins. „Mitglieder haben viel gegeben und nichts genommen.“ Man habe daran geglaubt, dass die Ideale der Basis auch im Kreisverband geteilt würden.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Daran aber zweifeln die Ehrenamtlichen in Nied inzwischen. Die Verflechtungen des Kreisverbands Frankfurt mit dem Kreisverband Wiesbaden, aber auch mit Tochterfirmen und gut honorierten Beratern, seien kaum überschaubar. „Sie scheinen vor allem einem Zweck zu dienen: Intransparenz.“ Der Verdacht erhärte sich, dass es sich um erwünschte Intransparenz zur Vertuschung personeller Einflussnahme und Verschleierung anrüchiger Geldströme handele.

          Die personellen Doppel- und Mehrfachfunktionen in den Kreisverbänden Frankfurt und Wiesbaden sowie mit ihnen verbundenen Institutionen seien fragwürdig. Die gegenseitige Zuweisung von Ehrenamtspauschalen und weiteren Vergünstigungen empfänden die einfachen Mitglieder als unmoralisch. „Sie sind ein Schlag ins Gesicht aller wirklich ehrenamtlich Tätigen.“

          Aufklären um Schaden abzuwenden

          Die Folgen seien verheerend, sagt der Ortsvereinsvorsitzende Klemens Mielke. Die Ehrenamtlichen und die einfachen Mitarbeiter müssten sich Dinge vorwerfen lassen, für die sie nichts könnten und die sie selbst verurteilten. Mitglieder fühlten sich hilflos und verließen den Verband. Um Schaden von der Awo abzuwenden, müsse jetzt dringend aufgeklärt werden. Außerdem sollten alle, die zu Unrecht begünstigt worden seien, ihre Vorteilsannahmen der Awo-Gemeinschaft umfassend erstatten.

          Nachdem die Führung des Awo-Kreisverbands über Monate Verfehlungen geleugnet und investigative Journalisten diffamiert hatte, kündigte sie in dieser Woche eine „Transparenzoffensive“ an. Nach Meinung der Ehrenamtlichen aus Nied ist Transparenz die einzige Chance, „das Vertrauen in die Awo nicht völlig zu zerstören“. Dass der Kreisverband Vorwürfen begegne, indem er Journalisten verunglimpfe, sei populistisch „und sollte umgehend unterbleiben“.

          Der Ortsverein fordert, den Kreisausschuss einzuberufen und den Vorstand und die Geschäftsführung des Kreisverbands bis zur Klärung der Vorwürfe in moralischer und strafrechtlicher Sicht zu suspendieren. „Wir fordern die schnellstmögliche und vollständige Entflechtung des Kreisverbands von anderen Kreisverbänden, verbundenen Stiftungen und Unternehmen sowie die Auflösung von Mitarbeiterpools und Unternehmungen wie Awo Protect.“ Aktive Aufarbeitung sei geboten. „Das Vertrauen in die gesamte Awo-Gemeinschaft steht auf dem Spiel.“ An andere Ortsvereine appelliert Mielke, sich den Forderungen anzuschließen.

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