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Carsten Knop

Das Awo-Netz : Feldmann und das Geben und Nehmen

  • -Aktualisiert am

Der Frankfurter Oberbürgermeister Feldmann (SPD) hat seine eigene Rolle in der Awo-Affäre bisher nicht erklärt. Bild: dpa

In der Awo-Affäre darf der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann nicht den vergeblichen Versuch unternehmen, die Dinge unsichtbar werden zu lassen. Stattdessen muss der Sozialdemokrat die Wahrheit sichtbar machen.

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          Wir alle leben in einem Netz aus Geben und Nehmen. Ein jeder lebt von diesem Netz, muss daran aber auch knüpfen. Das kann man ordentlich machen, so dass ein starkes, haltbares Beziehungsgeflecht daraus entsteht. Eines, auf das man am Ende seines Lebens stolz zurückblicken kann, das einen auch in schweren Zeiten getragen hat. Oder man kann es liederlich machen. Dann sind solche Netze nicht nachhaltig; sie fallen auseinander – und es wird offenbar, dass sie nur dazu dienten, einen Teich voller Geld oder Emotionen leer zu fischen. Dann wird ein solches Netz zum Fluch, man verheddert sich darin. Ein solches Netz wurde in Frankfurt rund um die Awo geknüpft.

          Und an irgendeiner Stelle war Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) Teil dieses Netzes. Dabei kann es sogar sein, dass er sich, wie er es betont, rein dienstrechtlich korrekt verhalten hat. Aber selbst wenn man davon im Zweifel für den Angeklagten ausgeht, hat sich Feldmann in dieser Sache moralisch eben doch etwas zuschulden kommen lassen. In der Mitte des Selbstbereicherungs-Netzwerks sind die Vorwürfe atemberaubend; an den Rändern, wo die Vorwürfe rund um Feldmanns Frau einzuordnen sind, findet sich eine Art Beifang. Fischer lassen den in der Regel im Wasser weiterleben, aber sie müssen ihn sehen und als solchen erkennen, um den befreienden Griff auszuführen.

          Um in der Politik zu exakt diesem Punkt zu kommen, muss der Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt sich in der Awo-Frage völlig anders verhalten als bisher. Er darf nicht den vergeblichen Versuch unternehmen, die Dinge unsichtbar werden zu lassen, er muss die Wahrheit sichtbar machen. Es hilft nicht, dem hessischen Innenminister vermeintliche Versäumnisse zu unterstellen. Es hülfe, die eigenen Verfehlungen in dem Zusammenhang ganz klar zu benennen. Feldmann, den seine politische Gegner wieder und wieder unterschätzen, wäre es der Stadt, seinem Amt, aber vor allem seinen zahlreichen Anhängern unter den sogenannten einfacheren Leuten schuldig, zu sagen, was war. Was er anders hätte machen sollen. Um Verzeihung bitten.

          Wenn juristisch dann alles so ausgeht, dass tatsächlich nichts Belastendes für Feldmann justiziabel wird, wird niemand mehr etwas sagen können. Wenn aber weder die eigene Aufklärung kommt, noch der juristische Freispruch, wird alles Geleistete für immer hinter dem großen Awo-Schatten verschwinden. Feldmann selbst kann das als Letzter wollen. Es ist an der Zeit, etwas zu geben.

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