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Awo-Affäre : „Frankfurt braucht einen anderen Oberbürgermeister“

Stefan M. Knoll, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Familienversicherung. Bild: Wolfgang Eilmes

Mit der Deutschen Familienversicherung ist Stefan Knoll kürzlich ein Coup an der Börse gelungen. Nun äußerte sich der erfolgreiche Unternehmer zur Awo-Affäre und sparte dabei nicht an Kritik gegenüber Peter Feldmann.

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          Stefan Knoll ist ein Mann deutlicher Worte, ein Unternehmer mit Ecken, Kanten und Prinzipien. Als Gründer und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Familienversicherung mit Sitz in Frankfurt hat er etwas geschafft, was ihm nur wenige zugetraut hatten: in einer schwierigen, stark regulierten Branche, in denen es mächtige Platzhirsche gibt, einen neuen Akteur aufzubauen. Doch die Rolle als erfolgreicher Unternehmer ist Knoll zu wenig. Der großgewachsene Oberst der Reserve ist überzeugt, dass sich Manager auch über die Grenzen ihres Unternehmens engagieren und äußern müssen.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Freitagabend tat Knoll das, und dies dürfte nicht jedem in Frankfurt gefallen. Knoll hatte in eine Business-Loge der Eintracht geladen, dort ist seine Firma Sponsor. Er referierte über einen Coup seines Hauses, der seiner Aktie in den vergangenen Tagen einen Kurssprung an der Börse von mehr als 50 Prozent beschert hat. Zuvor war bekanntgeworden, dass die Familienversicherung Teil eines Konsortiums ist, das bundesweit erstmalig eine branchenweite, arbeitgeberfinanzierte tarifliche Pflegezusatzversicherung für die Chemiebranche bereitstellt.

          Doch Knoll, der schon vor seiner Zeit bei der Familienversicherung unter anderem mit einem Callcenter in Frankfurt Tausende Jobs geschaffen hat, beließ es nicht dabei, die Arbeit seiner Versicherung zu erklären. Auf eine Frage aus dem Publikum, wie er die politische Situation in Frankfurt einschätze, in der Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) gerade durch die Awo-Affäre unter Druck steht, geriet Knoll, der 2005 für die CDU in den Bundestag wollte, in Rage.

          Skandalorganisation

          Die Arbeiterwohlfahrt in Frankfurt sei aus seiner Sicht eine Skandalorganisation, die sich eigentlich Solidarität und die Weiterentwicklung gesellschaftlichen Engagements auf die Fahnen geschrieben habe, nun aber derart vom rechten Pfad abgekommen sei, „dass einem die Haare zu Berge stehen“. Es sehe so aus, als handele es sich um „Machenschaften mit stark mafiösen Tendenzen, das finde ich unerträglich“.

          Unter Druck wegen Awo-Affäre: Oberbürgermeister Feldmann und seine Frau stehen im Zentrum der aktuellen Diskussionen.

          Auch die Stadtpolitik sei darin verstrickt, obschon man noch nicht genau wisse, in welcher Weise der Oberbürgermeister und seine Frau von der Awo alimentiert würden, so Knoll. „Das alles ist ein roter Sumpf-Brei, in den man hineinlangt.“ Ein Politiker, der wie Feldmann an den Haustüren die Menschen frage, wie es ihnen gehe, und so tue, als liege ihm das Schicksal einzelner Menschen am Herzen, nun aber an diesem Awo-Sumpf beteiligt sei, der müsse zurücktreten. „Frankfurt braucht einen anderen Oberbürgermeister.“ Die Stadt brauche keinen, der von einem solchen Selbstbedienungsladen profitiere.

          Wer Knoll kennt, weiß: All das würde er auch sagen, wenn es unternehmerisch nicht gut laufen würde. Das kann man derzeit aber nicht behaupten. Er sagt, seine Versicherung wachse, sei derzeit an der Börse rund 200 Millionen Euro wert und werde in fünf Jahren ein Milliardenbetrieb sein. Es scheint, als würde von Stefan Knoll auch weiterhin zu hören sein.

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