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Alleine auf der Buchmesse : Alles in einer einzigen Hand

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Macht Arbeit, aber auch Spaß: Gisela Kalow in ihrem Messestand Bild: Jana Mai

Gutes aus der Region: Gisela Kalow schreibt Kinderbücher, illustriert und verlegt sie. Und steht zum Nutzen eines eigenen Messestandes. Den sie natürlich auch in diesem Jahr selbst dekoriert hat.

          Drei Tage lang hat Gisela Kalow die Wände ihres Standes mit schwarzem Tonpapier ausgekleidet, zuvor den Kleinbus im heimischen Oberursel vollgepackt, dann vom Messeparkplatz alles nach und nach in die Halle geschleppt. Auf dem dunklen Untergrund leuchten die Plakate mit den Illustrationen aus einigen ihrer Bücher nun umso strahlender. Etwa das „Mondbärchen“ oder „Kati Mütze“. Aber auch die Figuren der bezaubernd melancholischen Geschichte um ein tierisches Trio, das ein „Menschenskind“ im Schatten großstädtischer Glaspaläste findet, hängen hier. Und natürlich Ratte Remmer, die als Handpuppe und Hörbuch-Star in Schulen und Horten Kindern alte Schloss-Geschichten vermittelt – und von den Glaubensflüchtlingen ruck, zuck in die Gegenwart ihres jungen Publikums springt.

          Den Wickeltisch, auf dem einst die längst erwachsenen drei Söhne der Verlegerin lagen, hat sie zum Tresen umgebaut, an dem Besucher in diesen Tagen zusammen mit ihr im Dialog zeichnen können: Strich, Strich, Punkt und Bogen – so entstehen wahre Kunstwerke, die die Besucher koloriert und signiert gerne mit nach Hause nehmen. „Obwohl es mehr als 4000 Veranstaltungen auf dem ganzen Gelände gibt, finden doch immer wieder viele zu mir“, sagt Kalow leicht verwundert. Gerne führt seit einigen Jahren auch die Messeleitung Kleinverleger an ihren Stand, um ihnen zu demonstrieren, was man aus einer solchen Koje machen kann, um wahrgenommen zu werden in der Masse und die Messe zum Erlebnis für Besucher werden zu lassen.

          Miete für den Messestand rechnet sich

          Die gelernte Schriftsetzerin und Graphikerin, Illustratorin und Autorin vieler liebenswerter Bilderbücher, die sie früher im Thienemann Verlag herausgebracht hat, ist nicht nur ihre eigene Standaufbauerin, sondern wird nach dem letzten Ansturm des Publikums am Sonntag auch selbst alles wieder abbauen und erst morgens um sechs zu Hause sein. „Ich will ja alles wiederverwenden“, sagt die Zweiundsiebzigjährige. Sie hat den Kuse Verlag 2001 in Oberursel gegründet, illustriert und denkt sich Geschichten aber schon seit mehr als vier Jahrzehnten aus. 1974 erschien ihr erstes Bilderbuch. Seit der Verlagsgründung ist sie vieles in Personalunion: Zeichnerin, Texterin, Sprecherin von Hörbüchern, Layouterin und Marketingchefin. „Und Packstation“, sagt sie, denn natürlich packt sie jedes über ihre Internetseite bestellte Buch oder die Bestellungen von Buchhandlungen liebevoll und oft mit einer kleinen Skizze versehen selbst ein. Auf der Messe versieht sie ihre Bücher mit einer schnellen Zeichnung und einer Widmung, Signierstunde ist jederzeit.

          Die hohe Miete für den Messestand und die Mühe rechneten sich trotz allem, sagt sie, „allerdings nicht im Sinne des Verkaufs von Büchern“. Die meisten Menschen begegneten ihren Titeln nur hier, obwohl jeder Buchhändler sie bestellen kann. Buchhandelsketten, die nur bei bestimmten Grossisten bestellen, so empört sie sich, behaupteten Kunden gegenüber auch schon mal, ihre Bücher gebe es gar nicht mehr. „Wenn ich sie über Amazon anböte, hätte ich aber nicht mal die Herstellungskosten raus, denn sie sind sehr hochwertig hergestellt.“ Es ist die „Unterschlagung von Büchern durch Algorithmen“, wie sie es nennt, der sie mit ihrem kleinen Messestand Paroli bieten will. „Gute Buchhändler rufen direkt bei mir an, wenn sie die Bücher über den Großhandel nicht bekommen.“ Etwa zehn Prozent verkauft sie über den Buchhandel, das meiste direkt über Begegnungen mit interessierten Lesern, denen ihre meist etwas sperrigen, melancholisch-poetischen Figuren auf Anhieb gefallen.

          Gegen den Werteverlust

          Auf Lesungen, so ihre Erfahrung, kauften heutzutage kaum noch Leute Bücher, zumal sie ihre Bücher oft eher in Schulen und Kindereinrichtungen mit ganz speziellen Leseförderungsaktionen vorstellt. Heraus kommen dabei oft schöne eigene Geschichten der Kinder, das freut sie mehr, als dass sie auf Absatzzahlen schielt. „Ich möchte einfach dem Werteverlust meiner Bücher entgegentreten, ich habe so sehr auf Niveau gesetzt, nicht auf das Schrille.“ So begründet sie auch die Entscheidung für den eigenen Verlag.

          Was von jeder Messe bleibt, sind für sie „unglaublich viele Kontakte zu Schulen und Lehrern und zu freundlichen Menschen“. Viele buchen sie dort gleich für Veranstaltungen und Lesungen. Manche bleiben an ihrem Stand auch einfach nur kurz stehen, ohne überhaupt ein Buch in die Hand zu nehmen, und bewundern die geschmackvolle Ausstattung der Koje. Trotz aller körperlichen und finanziellen Anstrengung ziehe sie aus der Messeteilnahme immer „sehr viel Kraft“. Deshalb will sie auch in den nächsten Jahren immer wieder dabei sein: „Solange es eben geht.“

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