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Autobauer : Jaguar und Land Rover mit Weltpremiere in Frankfurt

Pilotprojekt in Frankfurt: Weltweit sollen Jaguar und Land Rover von nun an im gemeinsamen Auftritt vermarktet werden. Bild: Thomas Dirk Heere Fototeam: TD H

In Zusammenarbeit mit der Glinicke-Gruppe aus Kassel starten die britischen Autobauer von Jaguar und Land Rover mit einem neuen gemeinsamen Auftritt in Frankfurt. Demnächst eröffnen sie zudem eine neue Europa-Zentrale in Schwalbach.

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          Die Werkstatt ist schon gut gefüllt, Peter Glinicke wirkt zufrieden. Für den Senior-Chef der nach eigenem Bekunden größten inhabergeführten Autohaus-Gruppe in Hessen ist sie das Herzstück jedes Autohauses. Denn erst in der Werkstatt festige sich die Kundenbindung. Das gilt auch für das neue Vorzeige-Geschäft, das Glinicke zusammen mit den Autobauern von Jaguar Land Rover Limited an der Hanauer Landstraße in Frankfurt gebaut und gestern nach den ersten vier Wochen Betrieb vorgestellt hat.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Rund 4,4 Millionen Euro hat die Glinicke-Gruppe in den neuen Auftritt der legendären britischen Automarken an der Frankfurter Automeile investiert. Außer in Hessen ist sie in Thüringen und Nordrhein-Westfalen mit alles in allem 18 Autohäusern der Marken Porsche, Audi, VW, Śkoda, Peugeot und Hyundai vertreten. Den Gruppen-Umsatz gibt der Chef mit 450 Millionen Euro im Jahr an.

          Ans Aufhören den Glinicke nicht

          Automann Glinicke ist gerade einmal zehn Jahre jünger als die legendäre Marke Jaguar, deren Anfänge auf das Jahr 1922 zurückgehen. Doch ans Aufhören denkt der quirlige Mann aus Kassel noch längst nicht. Immerhin teilt er sich inzwischen die Geschäftsleitung mit seinem Sohn.

          Die Frankfurter Dependance der Briten ist insofern weltweit bislang einmalig, als hier erstmals der neue gemeinsame Markenauftritt von Jaguar und Land Rover im Inneren wie auch an der Fassade seinen Niederschlag findet, wie Peter Modelhart sagt. Er ist Geschäftsführer der Jaguar Land Rover Deutschland GmbH. Die britischen Traditionsmarken gehören seit 2008 zu dem größten indischen Autohersteller Tata Motors, davor waren sie Teil der Ford-Gruppe.

          Jetzt auch sparsame Motoren bei Jaguar

          Trotz unsterblicher Autolegenden wie dem E-Type, der sowohl als Design-Ikone als auch auf den Rennstrecken Automobilgeschichte geschrieben hat, musste die Marke schwere Zeiten durchstehen, wie Modelhart zugibt. Inzwischen hätten aber Jaguar und Land Rover technisch wie auch wirtschaftlich wieder Spitzenergebnisse vorzuweisen. Tatsächlich hat Jaguar nicht nur mit dem neuen Sportcabriolet F-Type auf Anhieb ein großes Interesse bei dem Käufern ausgelöst, sondern auch mit dem XF Sportbrake, der in der stark umkämpften Klasse sportlicher Kombilimousinen die Verkaufszahlen in die Höhe schrauben soll.

          Dabei hebt Modelhart hervor, dass Jaguar längst nicht mehr auf die gewaltigen, aber in Wartung und Verbrauch anspruchsvollen Zwölfzylinder früherer Zeiten setzt, sondern auf zwar immer noch sportliche, aber auch sparsame und umweltschonende Motorentechnik. So sei beispielsweise bei den Kunden der XF mit dem 2,2-Liter-Dieselmotor sehr gefragt, der im Durchschnitt mit fünf Litern Treibstoff auskomme. Jaguar bietet allerdings als Spitzenmodell des F-Type auch heute noch einen Motor mit fünf Litern Hubraum, acht in V-Form angeordneten Zylindern und 495 PS. Es geht also auch immer noch weniger vernünftig. Unter dem Strich trifft Jaguar Land Rover offenbar wieder mit großem Erfolg den Geschmack der Kundschaft. Weltweit konnte das Haus 2012 den Absatz um gut 30 Prozent auf 357 773 Fahrzeuge steigern. In Deutschland gelang den Briten in einem ansonsten schwierigen Autojahr 2012 mit mehr als 16 000 verkauften Autos ein Plus von 44,5 Prozent. Zum Vergleich: In Hessen hatte die Kraftfahrzeugbranche im selben Jahr im Neuwagengeschäft einen Umsatzrückgang von 5,2 Prozent hinzunehmen.

          30 Marken an der Frankfurter Automeile

          In diesem Jahr laufen die Geschäfte Modelhart zufolge weiter gut: Jaguar Land Rover legte demnach von Januar bis September in Deutschland noch einmal um 24,5 Prozent zu auf 14 142 Autos. Wie attraktiv für die Briten das Rhein-Main-Gebiet ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass sie bis Jahresende zwar nicht in Frankfurt, aber immerhin in Schwalbach ihre Zentrale für das gesamte Europageschäft eröffnen wollen. An der Hanauer waren die Briten zuletzt bis vor etwa zwei Jahren mit Avalon Premium Cars vertreten. Die Emil-Frey- Gruppe hat sich dann aber wieder aus Frankfurt zurückgezogen und die Kunden von Kronberg aus bedient.

          Ralph Haerth, Projektentwickler und Sprecher der Frankfurter Initiative Eastside, ist auch ohne die Europa-Zentrale von Jaguar Land Rover an der Hanauer zufrieden. Die Frankfurter Automeile zähle derzeit mehr als 30 Automarken. Alles in allem brächten sie es mit dem Verkauf von jährlich 50.000 Fahrzeugen auf einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro.

          Glinicke hebt hervor, dass er mit seinem neuen Autohaus unbedingt in den Frankfurter Osten wollte. Alles in allem arbeiten in dem neuen Autohaus 20 Männer und Frauen. Dabei legt der Eigentümer Wert auf die Feststellung, dass keiner der Mitarbeiter von der Konkurrenz abgeworben wurde. Solche „miese Geschichten“ gehören sich nach Ansicht Glinickes unter seriösen Kaufleuten nicht.

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