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Marode Bauwerke : Deutsches Brückenelend

  • -Aktualisiert am

Trauerspiel: Die Salzbachtalbrücke ist marode und aktuell gesperrt Bild: dpa

Autobahnbrücken müssen kontinuierlich überwacht, gepflegt und rechtzeitig erneuert werden. Das kostet zwar Geld, doch wird es noch teurer, wenn am falschen Ende gespart wird.

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          Als im Sommer vor drei Jahren die Autobahnbrücke bei Genua einstürzte, waren die deutschen Politiker mit beruhigenden Äußerungen schnell bei der Hand. Derlei könne in Hessen nicht passieren, versicherte seinerzeit auch Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen). Dabei gab es in der Rhein-Main-Region schon mit dem Pfusch beim Neubau der Schiersteiner Brücke im Jahr 2015 eine mehr als bedenkliche Erfahrung im Hinblick auf die Pflege der essenziellen Infrastruktur.

          Der nicht minder schlimme Pfusch am nördlichen Bauwerk der Salzbachtalbrücke vor zwei Jahren hatte zudem deutlich gemacht, dass deutsche Hochnäsigkeit gegenüber italienischen Brückenkontrolleuren nicht angezeigt war. Auch wenn bei der Salzbachtalbrücke noch viele Fragen offen sind, so drängt sich zumindest der Verdacht auf, dass die marode Südbrücke nicht so stringent überwacht worden ist, wie es angezeigt gewesen wäre. Denn auch von einer Brücke, die nicht mehr befahren wird, können große Gefahren ausgehen. Ein teilweiser Einsturz der Brücke erscheint nach wie vor möglich. Das stellt den deutschen Kontrolleuren ein schlechtes Zeugnis aus.

          Überwacht, gepflegt und rechtzeitig erneuert

          Dabei ist die Salzbachtalbrücke nur ein Beispiel für das große deutsche Elend bei solchen Bauwerken. Diese eminent wichtige Infrastruktur muss kontinuierlich überwacht, gepflegt und rechtzeitig erneuert werden, sollen gravierende Schäden vermieden werden. Das kostet zwar Geld, doch wird es noch teurer, wenn am falschen Ende gespart wird. Die Bürger im Westen der Region müssen es nun ausbaden. Sie werden die Politik und die Autobahn-Verwaltung daran messen, wie schnell eine Lösung gefunden wird.

          Allzu große Hoffnungen sollten sie sich allerdings nicht machen. Sogar die Kanzlerin beklagte vor einiger Zeit öffentlich „elend langsame“ Planungs- und Genehmigungsprozesse für die Infrastruktur. Ihre Machtlosigkeit gegenüber solchen Prozessen zeigt, wie viel im Argen liegt. Grundlegende Reformen sind also nötig. Doch wer hat den Willen und die Kraft dazu?

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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