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Autobahn 66 : "Gestiegene Unfallzahlen haben nichts mit Tempolimit zu tun"

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Zwischen der Anhebung des Tempolimits auf Teilabschnitten der Autobahn 66 von 100 auf 120 Stundenkilometer im Jahr 2000 und einem Anstieg der Unfallzahlen bis 2002 sieht der hessische Verkehrsminister Alois Rhiel (CDU) keinen kausalen Zusammenhang.

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          Zwischen der Anhebung des Tempolimits auf Teilabschnitten der Autobahn 66 von 100 auf 120 Stundenkilometer im Jahr 2000 und einem Anstieg der Unfallzahlen bis 2002 sieht der hessische Verkehrsminister Alois Rhiel (CDU) keinen kausalen Zusammenhang. Rhiel, der sich dabei auf die am Donnerstag vorgelegte Unfallstatistik stützt, wies Angaben als falsch zurück, wonach auf der A66 zwischen Krifteler Dreieck und Wiesbadener Kreuz die Erhöhung der erlaubten Geschwindigkeit zu einem Anstieg der Unfallzahlen um 70 Prozent geführt hat.

          Wie berichtet, hatte der SPD-Landtagsabgeordnete Marco Pighetti eine Verschärfung des Tempolimits gefordert und sich auf Zahlen des Frankfurter Amts für Straßen- und Verkehrswesen berufen, das den Zusammenhang von Unfallzahlen und Geschwindigkeitsbegrenzung als "naheliegend" bezeichnet habe. Rhiel teilte am Donnerstag mit, tatsächlich sei die Zahl der Unfälle zwischen Krifteler Dreieck und Wiesbadener Kreuz von 2000 bis 2002 um 53 Prozent gestiegen. Im übrigen sei nur auf einem Teil dieses Abschnitts das Tempolimit im Herbst 2000 auf 120 Stundenkilometer angehoben worden. Dort sei die Zahl der Unfälle um 40 Prozent gestiegen. Für einen weiteren Teil des betreffenden Streckenabschnitts, auf dem unverändert Tempo 100 gelte, sei indes im selben Zeitraum ein Anstieg der Unfallzahlen um 100 Prozent zu verzeichnen. Mit Ausnahme von 2002, als es zehn Schwerverletzte und einen Toten gegeben habe, sei es meist bei leichten Verletzungen geblieben. Die Statistik zeige weiter, daß die Zahlen unabhängig von Geschwindigkeitsbegrenzungen von Jahr zu Jahr stark schwankten, so Rhiel weiter. So hätten die Unfallzahlen in den Jahren 1999 und 2001 zugenommen, während 2002 ein leichter Rückgang beziehungsweise eine Stagnation zu beobachten sei. Das seriös zu erklären sei nicht möglich. Er wolle jedoch festhalten, daß das gelockerte Tempolimit offenbar nicht entscheidend sei. Im Abschnitt Wiesbaden-Erbenheim bis Schiersteiner Kreuz beispielsweise sei Tempo 100 geblieben, und dennoch sei die Zahl der Unfälle zwischen 2000 und 2002 um 39 Prozent gestiegen. Während Nässe und Straßenzustand keine große Rolle spielten, ist nach Auskunft des Ministers auffallend, daß sich relativ viele Unfälle auf der A66 zu den Hauptverkehrszeiten zwischen 6 und 12 Uhr sowie 14 und 20 Uhr ereigneten. Infolge des Verkehrsaufkommens von 81000 bis 97000 Fahrzeugen täglich sei der Verkehr zu Spitzenzeiten fast immer "zähfließend bis stockend". Zu den Hauptunfallzeiten werde also meist langsamer als 100 Stundenkilometer gefahren. Wegen der hohen Verkehrsdichte komme es auf der A66 oft zu Stauunfällen bei niedriger Geschwindigkeit.

          Rhiel wies weiter darauf hin, daß ein Tempolimit strengen rechtlichen Vorgaben genügen müsse. Laut einem Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Kassel vom März 1999 dürfe eine Geschwindigkeitsbeschränkung nur angeordnet werden, wenn besondere Umstände das zwingend erforderten oder sich deutlich überdurchschnittlich viele Unfälle ereigneten. Maßgeblich sei dabei nicht die absolute Unfallzahl, sondern die Zahl der Unfälle pro Jahr in Relation zum Verkehrsaufkommen. Diese Daten werden nach Mitteilung von Rhiel im Rahmen einer turnusmäßigen Untersuchung aller hessischen Autobahnen derzeit ermittelt und voraussichtlich im Herbst veröffentlicht. (rig.)

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