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Autoausstellung Frankfurt : Volvo spart sich die IAA

Autoschau beim Surfen auf Sylt: Volvo reist mit dem Marken-Haus potentiellen Kunden gewissermaßen hinterher. Bild: Volvo

Die Schweden reisen lieber im Markenhaus aus Holz und Glas zu Kulturevents und Freizeitmessen als zur Autoausstellung nach Frankfurt. Denn: Große Shows lohnten sich für kleine Hersteller nicht.

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          900.000 Besucher hat der Verband der Automobilindustrie 2013 auf der Frankfurter IAA gezählt. Etwa so viele erwartet der Branchenverband auch dieses Mal, wenn er vom 17. bis 27.September zur Internationalen Automobil-Ausstellung lädt; sie beansprucht nach wie vor, Weltleitmesse in Sachen Auto zu sein. 2011 waren es allerdings noch knapp 30.000 Gäste mehr gewesen. 2007 lockte die IAA, die der VDA alle zwei Jahre veranstaltet, gar noch eine Million an.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          In etwa 1000 Aussteller erwartet der VDA, und ein Sprecher hebt hervor, dass „alle wichtigen Hersteller“ darunter sein werden. Volvo zählt er demnach nicht dazu, denn die Schweden, die inzwischen zum chinesischen Geely-Konzern gehören, sparen sich den Besuch in Frankfurt. Das Geld dafür nicht, das stecken sie in ihr „mobiles Marken-Haus“. Den dreistöckigen Bau aus Holz und Glas stellen die Schweden kurzerhand bei solchen Veranstaltungen auf, bei denen sie besonders viele Menschen vermuten, die Autos von Volvo mögen. Das können Kunstveranstaltungen, Freizeitmessen oder auch große Treffen von Architekten und anderen Kreativen sein, wie ein Unternehmenssprecher sagt. Auf diese Weise erreiche Volvo ein Vielfaches von dem, was die Marke an potentiellen Käufern unter den 900.000 IAA-Besuchern finden könne.

          Branchenverband sieht Volvo als Ausnahme

          Volvo bestreitet nicht, dass die IAA eine wichtige Leitmesse der Branche ist. Aber die Schweden haben sich entschlossen, nur jeweils eine der großen, wichtigen Automobilmessen je Kontinent zu besuchen. Das sind, neben dem Genfer Automobilsalon im März, die Detroit Motor Show im Januar und die große Autoschau in China, die im April wechselweise in Schanghai und in Peking veranstaltet wird. Die passten wegen der sehr viel früheren Termine auch besser zu den Produktzyklen, sagt der Volvo-Sprecher. Abgesehen davon, sei in Genf die Ausstellung so konzipiert, dass alle Aussteller in etwa mit derselben Fläche auskommen müssten. Die großen Konzerne könnten sich dort nicht so gewaltig inszenieren, dass kleinere Hersteller kaum mehr beachtet würden. In Frankfurt gebe es dagegen diese Gefahr.

          Wie aus der Branche zu erfahren ist, können sich die Kosten bei den ganz großen Autobauern für den gesamten IAA-Auftritt mit eigener Halle, eigener Fahrstrecke über mehrere Stockwerke und dergleichen in dreistelliger Millionenhöhe bewegen. Der Branchenverband gibt sich gelassen und spricht im Blick auf Volvo von einer Randerscheinung. In der Vergangenheit hätten es öfter Hersteller ohne Präsenz auf der IAA versucht. Zwei Jahre später seien sie wieder dabei gewesen.

          IAA für Endverbraucher zunehmend uninteressant

          Der Verbandsvertreter muss so sprechen – Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, nicht. Dudenhöffer, der selbst viele Jahre in der Autoindustrie gearbeitet hat, kann sich vorstellen, dass auch bei der IAA die Besucherzahlen weiter sinken werden. Etwa die Automobil International (AMI) in Leipzig habe zuletzt deutliche Verluste verzeichnet, andere kleine Messen seien ganz verschwunden.

          Tatsächlich ging die Zahl der AMI-Besucher 2014 im Vergleich zur vorhergehenden Messe 2012 um 40.000 auf 242.000 zurück. Für das Fachpublikum aus der Branche werde die IAA auch als Kontakt- und Kommunikationsbörse eine entscheidende Rolle spielen, sagt Dudenhöffer. Aber für Endverbraucher sei der Reiz längst gering. Denn die neuen Modelle seien schon vorgestellt. Und das Internet biete inzwischen komfortablere Möglichkeiten, sich neue Autos anzuschauen. Apropos: Das Internet und die Vernetzung von Autos wird ein zentrales Thema der IAA 2015 sein.

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