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Austritt aus Hessen-FDP : Frauenfeindlichkeit oder enttäuschte Ambitionen?

  • -Aktualisiert am

Wenn sie an die FDP denkt, ist ihr nicht nach Lächeln zumute: „In dieser von jungen männlichen Karrieristen dominierten Fraktion ist ein frauen- und familienfeindlicher Ton die Regel, nicht die Ausnahme“, klagt Pöpel Bild: dpa

Der Austritt der Wiesbadenerin Brigitte Pöpel aus der FDP schlägt Wellen. „In dieser von jungen männlichen Karrieristen dominierten Fraktion ist ein frauen- und familienfeindlicher Ton die Regel“, klagt sie an.

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          Auf den ersten Blick ist es eine Nachricht, wie sie für eine Partei am Rande des Abgrunds kaum schlimmer kommen kann. Der Austritt der stellvertretenden Wiesbadener FDP-Vorsitzenden und Stadtverordneten Brigitte Susanne Pöpel aus Partei und Fraktion, verbunden mit dem schweren Vorwurf, die FDP sei nicht mehr liberal und demokratisch, sondern von Intrigantentum, Frauen- und Familienfeindlichkeit geprägt, sorgt bundesweit für Aufsehen. Schließlich hatte Pöpel, die der FDP 25 Jahren lang angehörte, neben ihren Ämtern in Wiesbaden zudem die der Landesvorsitzenden und der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Liberalen Frauen inne.

          Ralf Euler
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kein Wunder, dass SPD, Grüne und Linke im Landtag den Parteiaustritt Pöpels als Beleg für den desolaten Zustand der Liberalen werten. "Die FDP löst sich auf", ätzt der Parlamentarische Geschäftsführer der Sozialdemokraten, Günter Rudolph. "Erst sind die Wähler in Scharen weggelaufen. Nun wenden auch engagierte Mitglieder ihr den Rücken zu." Doch während Pöpel in einer am Dienstag von ihr verbreiteten persönlichen Erklärung ihren beiden männlichen Kollegen in der bisher vier Mitglieder zählenden Stadtverordnetenfraktion vorhielt, sie hätten sie systematisch brüskiert und gedemütigt, zeichnen Parteifreunde das Bild einer "schwierigen Person" von der Vierundvierzigjährigen. Ihr Abgang sei keineswegs dem Zustand der Partei geschuldet, sondern allein Ausdruck enttäuschter Karrierehoffnungen.

          „Frauen- und familienfeindlicher Ton die Regel“

          "In dieser von jungen männlichen Karrieristen dominierten Fraktion ist ein frauen- und familienfeindlicher Ton die Regel, nicht die Ausnahme", klagt Pöpel an. Ihre bisherigen Fraktionskollegen weisen hingegen darauf hin, dass die im April vergangenen Jahres erstmals in die Stadtverordnetenversammlung Gewählte seitdem nur an sechs von 28 Fraktionssitzungen teilgenommen habe. Von den drei Ausschüssen, für die Pöpel zuständig gewesen sei, habe sie nur einen besucht und auch ansonsten "demonstrativ ihr Desinteresse an der kommunalpolitischen Arbeit" gezeigt. Trotz wiederholter Aufforderung sei sie ihren Mandatspflichten nicht nachgekommen und habe die Fraktionsarbeit "komplett boykottiert".

          Pöpel kritisiert in ihrer Austrittserklärung, dass die von ihr geforderte Frauenquote in der FDP auf dem Bundesparteitag in Rostock im Mai vergangenen Jahres mit 80 Prozent abgelehnt worden sei, und führt das darauf zurück, dass dort vier von fünf Delegierten Männer gewesen seien. Der Vorwurf der "Familien- und Frauenfeindlichkeit" sei absurd, sagt hingegen die Vorsitzende der Liberalen Frauen Region Wiesbaden, Claudia Hackhausen. Bis zum Austritt Pöpels seien zwei der vier FDP-Stadtverordneten in der Landeshauptstadt Frauen gewesen, dem 21 Mitglieder zählenden erweiterten Kreisvorstand der Wiesbadener FDP gehörten sieben Frauen an.

          In einer Stellungnahme der verbleibenden FDP-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung ist von "reinen Schutzbehauptungen" die Rede. "Frau Pöpel ist lediglich mit ihren eigenen politischen Karriereambitionen gescheitert und hat sich dieses Scheitern allein selbst zuzuschreiben." Fraktionschef Michael Schlempp setzt im Gespräch mit der Rhein-Main-Zeitung noch einen drauf: "Sie ist nur ihrem Fraktionsausschluss zuvorgekommen." Von Partei und Fraktion sei nichts unversucht geblieben, Pöpel zu mehr Engagement und zur Übernahme ihrer mit dem Mandat verbundenen Verantwortung zu bewegen - alles vergeblich.

          Nun parteiungebundene Stadtverordnete

          "Nominell ist der Abgang von Frau Pöpel aus einer vierköpfigen Fraktion ein relativ großer Verlust", sagt Schlempp. "Was die Arbeitsleistung betrifft, ist es dagegen überhaupt kein Verlust." Pöpel wiederholte im Gespräch mit dieser Zeitung gestern den Vorwurf der "Frauenfeindlichkeit" und des "Mobbing" von Seiten der beiden Männer in der Fraktion. Ihr seien nur die unbedeutenden Stadtverordnetenausschüsse für Frauen, Revision und Umwelt zugewiesen worden, und die Nominierung für das Amt der stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteherin habe man ihr mit dem Argument verweigert, als Mutter von schulpflichtigen Kindern finde sie nicht genügend Zeit für eine solche Aufgabe.

          Pöpel möchte, wie sie sagte, künftig als parteiungebundene Stadtverordnete arbeiten. "Ich will mich weiterhin mit Herzblut für eine liberale Sicht der Dinge in Wiesbaden engagieren." Der Wiesbadener FDP-Vorsitzende Florian Rentsch fordert sie allerdings auf, ihr Mandat zurückzugeben.

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