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„Artists’ Studios“ : Genius, Karma, Raserei

Ein Gefühl von Nähe

Von den Ateliers aber kann er bis heute schlicht nicht lassen. Dabei ist es hier wie dort zunächst die Kunst – hier die Zeichnungen von Rembrandt, Ingres oder Michelangelo, dort die Malerei von Franz Gertsch, Elizabeth Peyton oder Howard Hodgkin – die das Interesse nicht nur des Fotografen, sondern auch die Neugier des Betrachters wecken auf ein Werk geradeso wie auf den Autor und sein Tun. Auf die versteckten oder offen liegenden Verweise auf Genius und Raserei vielleicht, auf Inspiration und Karma und Verzweiflung, Schweiß und harte Arbeit oder was immer man sich ausmalen mag, was in einer Künstlerwerkstatt vor sich geht, die solche Bilder entstehen sieht wie jene Hockneys, Adnans oder Howard Hodgkins, dem die Malerei erklärtermaßen stets ein Horror war. Und doch geht es um Voyeurismus hier und in den „Artists’ Studios“ allemal zuletzt.

Was er suche, so Loewy, sei vielmehr ein Gefühl von Nähe. „In einem Raum zu sein, in dem Dinge entstehen, die ich mag. Dinge, die eine Aura haben, die ich vielleicht ein bisschen schnuppern kann.“ Ob er sie gefunden habe? „Ja“, sagt Loewy, „ja.“ Und noch einmal, staunend: „Ja.“ Und darauf kommt es in diesen Bildern an. Dabei geht es in allen diesen Stillleben und Interieurs den derart gleichsam über Bande porträtierten Künstlern auf eine Weise nahe, die dem je eigenen sehnsüchtigen Blick auf ihr Werk auch ganz und gar entspricht. Sicher, Spuren finden sich in diesen Bildern allenthalben, Spuren freilich, die zu lesen dem Betrachter überlassen bleibt.

Ablage: So drapiert Alex Katz seine Bilder.
Ablage: So drapiert Alex Katz seine Bilder. : Bild: Peter Loewy

Keine inszenierten Bilder

Im Schweizer Studio Pavel Schmidts mag man den Bastler, Alchimist und Feuerwerker zu erkennen suchen, beim Blick auf das bunte Sammelsurium bei Jeff Koons die Lust an Nippes, Kitsch und Spielerei gespiegelt finden und vor Vija Celmins’ schwarzen Bildern ahnen, warum sie den Termin mit Loewy beinahe im letzten Augenblick noch platzen ließ: Ein Foto ihres Ateliers, so die New Yorker Künstlerin, sei ihr bei genauerer Überlegung eigentlich doch zu intim. Eine Entblößung möchte man das nennen, in der Tat, ist doch nichts in diesen Bildern inszeniert. Loewy fotografiert stets so, wie der Künstler den Raum verlassen hat.

Wenn er nicht ohnehin bleibt wie Gerhard Richter, der ihn eines Tage doch noch zu sich einlud und sich wunderte, dass er ihn bei der eigenen Arbeit gar nicht störte. Nichts fragte oder durcheinanderbrachte oder gar am Ende bat, ihm „den Affen zu machen“ und ihm für das Foto etwas vorzumalen. „Er hat seine Arbeit gemacht, ich meine“, erinnert sich Loewy. Und der angesichts der Fotos später staunend konstatierte: Er fotografiere ja bekanntermaßen auch. So schön aber wie Loewy hätte er sein Atelier nicht fotografieren können. An die Antwort wird sich Richter womöglich heute noch erinnern. „Na ja“, entgegnete Loewy so schlagfertig wie leicht verlegen, „ich kann auch nicht so schön malen wie Sie.“ Die „Artists‘ Studios“ aber sind schon ziemlich große klasse.

Die Ausstellung besuchen

Die Ausstellung in der Frankfurter L. A. Galerie, Domstraße 6, ist bis 27. Juni nur nach telefonischer Vereinbarung unter 069-288687 geöffnet.

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