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Anfänge des Jugendstils : Eine glänzende Femme fatale

Nüchtern und schön: Teegarnitur aus dem Jahre 1925. Bild: Deutsches Goldschmiedhaus Hanau/ Knud Schöber

Christopher Dresser gilt mit seiner Arbeit als Vorreiter des Bauhaus-Stils. Nun kann man die Arbeiten des berühmten Goldschmieds in Hanau bewundern.

          Mit seinem Geschmack ist Christopher Dresser seiner Zeit voraus gewesen. Die von dem englischen Künstler vor dem Jahr 1900 entworfenen Gebrauchsgegenstände aus Messing sind frei von Ornamenten. Die harmonisch proportionierten Formen von Wasserkanne und Teekessel richten sich streng nach dem Vorbild geometrischer Körper. Damit nahm Dresser einen Stil vorweg, der sich ansonsten erst in der Epoche des Bauhauses durchsetzte.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zu sehen sind einige der Entwürfe Dressers im Goldschmiedehaus in Hanau, in dem Messingarbeiten präsentiert werden. Unter dem Titel „Metallästheten“ wird dargestellt, wie sich der Stil vom ausgehenden 19. Jahrhundert über die Zeit des Jugendstils bis zur Neuen Sachlichkeit und dem Bauhaus entwickelte. Kannen, Kessel, Vasen und andere Alltagsgegenstände sind maschinell gefertigt, mit den Entwürfen für die Serienproduktion beauftragte die Industrie aber namhafte Künstler. So konnte sich nicht nur das Großbürgertum Gefäße mit hohem ästhetischen Reiz leisten, die Messingstücke waren auch für das Kleinbürgertum erschwinglich. Die Beispiele im Goldschmiedehaus stammen aus der Sammlung des Brass Collectors Club Germany in Viersen

          Nüchterner Stil

          Bevor der nüchterne Stil des Bauhauses in Mode kam, durften es noch Ornamente sein, wie die Beispiele aus dem Jugendstil zeigen. Egal ob ausladender Sektkühler oder schlanke Schale, alles ist reich verziert mit Blättern, Blüten und in sanftem Bogen geschwungenen Zweigen. Da kommt auch der Schirm einer Tischlampe geblümt daher, und am Rand einer Schale für Visitenkarten räkelt sich eine stilisierte Femme fatale.

          Die Künstler berücksichtigten auch eine technische Neuerung, den elektrischen Strom, etwa bei einem elektrisch beheizten Stövchen. Peter Behrends entwarf einen elektrischen Heizstrahler, der ein Schaustück in jedem Wohnzimmer gewesen sein muss. Eine dreieckige Platte mit abgerundeten Ecken umgibt den Reflektor für die Glühdrähte, der Glanz des Messings wird gebändigt von der gehämmerten Oberfläche.

          Die Ausstellung „Metallästheten. Reformer und ihre Entwürfe aus Messing vom Jugendstil bis zur Neuen Sachlichkeit“ im Goldschmiedehaus am Altstädter Markt in Hanau ist bis 14. April zu sehen, dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

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