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Pianistin Clara Schumann : Klavierstunde bei der eisernen Meisterin

Schüler aus Europa und Amerika wollten nach Frankfurt, um bei Clara Schumann zu lernen. Bild: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt

Clara Schumann hat fast zwei Jahrzehnte lang in Frankfurt Klavier unterrichtet. Sie war die erste weibliche Lehrkraft an Dr. Hoch’s Konservatorium. Rückblick auf eine außergewöhnliche Karriere.

          Das Porträt von Clara Schumann auf dem früheren Hundertmarkschein führt in die Irre. Denn es zeigt der Nachwelt das Bild einer jungen, romantischen Künstlerin. Das mag Clara Wieck, wie sie vor ihrer Ehe mit dem Komponisten Robert Schumann hieß, gewesen sein, als ein gewisser Andreas Staub die Klaviervirtuosin, damals 19 Jahre alt, 1838 in Wien malte. Die wahre Clara Schumann, die nach dem Tod ihres Mannes Robert 1854 als Witwe sieben Kinder mit den Einnahmen aus ihren Klavier-Tourneen durch Europa durchbringen musste, erkennt man eher in den Porträts, die der Münchener Malerfürst Franz Lenbach im Sommer 1878 schuf und von denen eine Pastellzeichnung jetzt in der Ausstellung „Clara Schumann. Eine moderne Frau im Frankfurt des 19. Jahrhunderts“ im Institut für Stadtgeschichte zu sehen ist.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es zeigt sie als reife Künstlerin, deren Gesicht zugleich „wunderbarste Ruhe“ und „lebhafteste Beweglichkeit“ ausstrahlt, wie ihre Tochter Eugenie es treffend ausdrückte. In jenem Jahr 1878 vollzog sich eine entscheidende Wende im Leben der Clara Schumann, denn die Klaviervirtuosin, die auf dem Höhepunkt ihrer Solistenkarriere stand, aber auch erste Überlastungssymptome wie zum Beispiel rheumatische Schmerzen zeigte, nahm eine Stelle als „Erste Klavierlehrerin“ am neugegründeten Konservatorium des Doktor Hoch in Frankfurt an.

          Diese Frankfurter Zeit hat Kuratorin Ulrike Kienzle in den Mittelpunkt ihrer Ausstellung gestellt, die derzeit im Karmeliterkloster zu sehen ist und von der Robert-Schumann-Gesellschaft unter ihrem Vorsitzenden Hans-Jürgen Hellwig großzügig gefördert wurde. Die Musikwissenschaftlerin Kienzle begnügt sich dabei allerdings nicht mit der Schilderung der weiteren Karriere der Clara Schumann und ihrer Rolle in der Stadtgesellschaft, sondern dokumentiert auch die damalige Entwicklung Frankfurts zu einer der ersten Kulturstädte im Deutschen Reich mit dem Bau der Oper als Höhepunkt.

          Clara Schumann wollte in Frankfurt lehren

          Zuvor schon hatte die Gründung des Konservatoriums durch den vermögenden Juristen Joseph Hoch das Musikleben der Stadt beflügelt – wobei Clara Schumann dabei keine unwichtige Rolle spielte, denn sie entfaltete als Lehrerin eine internationale Strahlkraft, die Schüler aus ganz Europa und sogar Amerika anzog. Erstes Domizil des Konservatoriums war der Bernus-Bau im Saalhof, in dem heute das Historische Museum beheimatet ist. Dort wurde es aber bald zu eng, weshalb 1886 an der Eschenheimer Landstraße an der Ecke zum Anlagenring auf dem Areal des heutigen „Metropolis“-Kinos ein repräsentatives dreistöckiges Gebäude errichtet wurde, in das das Konservatorium im April 1888 einzog und das im Zweiten Weltkrieg den Bomben zum Opfer fiel.

          Clara Schumann: eine moderne Frau des 19. Jahrhunderts.

          Auch Stuttgart, Hannover und Berlin hatten um Clara Schumann geworben und ihr eine feste Stelle als Lehrerin angeboten. Aber die berühmte Pianistin entschied sich für die Mainstadt, nicht zuletzt weil Joachim Raff, der erste Direktor von Dr. Hoch’s Konservatorium, auf alle ihre Bedingungen einging – und die kann man nicht gerade als bescheiden bezeichnen.

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