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Eine Geschichte der Toilette : Stille und gesellige Örtchen

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Von der Rolle: Der amerikanische Präsident ist überall, selbst in einer Ausstellung über die Kulturgeschichte des Klos. Bild: dpa

Geruchsneutral und immer schon immens wichtig: Die Saalburg im hessischen Bad Homburg zeigt eine Ausstellung zur Kulturgeschichte des WCs.

          Von dem sparsamen römischen Kaiser Vespasian stammt der Spruch: „Geld stinkt nicht.“ Der Kaiser reagierte damit auf die Kritik an einer neuen Steuer auf Gefäße, in denen Gerber, Weber und Tuchwalker Urin sammelten, den sie zum Bearbeiten von Leder und Wolle brauchten. Mit einer Büste von Vespasian beginnt darum der Rundgang durch die Ausstellung „Drauf geschissen!“ im Saalburg-Museum Bad Homburg, die 3000 Jahre Toiletten-Geschichte sichtbar macht. Denn, ob Stadt oder Land, ob antikes Rom, Ritterburg oder Berliner Mietshaus, ob Arm oder Reich, zu allen Zeiten, in allen Siedlungsformen und Gesellschaftsschichten war die Verrichtung dringender Bedürfnisse und deren Entsorgung ein drängendes Thema.

          Auf dem Land erledigten die Menschen bis ins 19. Jahrhundert ihre Geschäfte einfach in der Natur. Aber schon in den Städten Mesopotamiens, des antiken Griechenlands oder der Hauptstadt des römischen Weltreiches waren Toilettenanlagen und die Entsorgung von Fäkalien ein Thema für Handwerker und Stadtplaner. Grabungsfunde an Euphrat und Tigris, in Ägypten, in Athen und im Römischen Reich bezeugen Aborte und Sickerschächte, Kanalanlagen zwischen Wohnhäusern und Flüssen, steinerne Klosettsitze und Nachttöpfe. „Es war und ist ein ganz alltägliches Thema, das alle Menschen zu allen Zeiten betraf“, sagt Elke Löhnig, stellvertretende Museumsleiterin auf der Saalburg. Sie hat die Wanderausstellung gemeinsam mit Peter Knierriem von der Gesellschaft der Staatlichen Schlösser Sachsen konzipiert. Und freut sich über das große Interesse an den vielen Exponaten vom rekonstruierten römischen Tontopf für Kinder über einen ovalen steinernen Nachttopf aus Xanten und eiserne Bettpfannen bis zu einer englischen Reise-Toilette aus edlem Holz und einem reich verzierten Porzellanklosett aus dem 19. Jahrhundert.

          Garantiert geruchsfrei

          Zum Himmel stinkt auf der Saalburg nichts, schon die ursprüngliche römische Festung im Taunus hatte ein ausgeklügeltes Abwassersystem. Doch viele Schautafeln zu mittelalterlichen Burgen und Städten der frühen Neuzeit lassen ahnen, dass die technischen Errungenschaften der Antike lange Zeit in Vergessenheit geraten waren, dass Geruchsbelästigung und Hygiene bis weit ins 19. Jahrhundert ein großes Problem für die Menschen darstellten. Manches mag unappetitlich wirken, aber nichts ist uninteressant: So zeigen archäologische Latrinenfunde zum Beispiel, dass das „stille Örtchen“ im alten Rom mit bis zu 30 Sitzen ein durchaus geselliger Ort war.

          Bettpfanne mit Schraubdeckel aus dem 19. Jahrhundert Bilderstrecke

          „Immer wieder haben die Besucher gefragt, wie und wo die Römer damals zur Toilette gingen“, erzählt Löhnig schmunzelnd. Diese Ausstellung erteilt Auskunft darüber und zeigt manches mehr: Truhensitze, Kanalisationsrohre, erste Toilettenpapierrollen, die Original-Papierhalterung von Kaiser Wilhelm II. aus dem Bad Homburger Schloss und zeitgenössische Scherzartikel ergänzen die Funde aus der Antike, ein klassisches Holzhäusel lädt dazu ein, Klosprüche mal wieder selbst zu schreiben. Schließlich warten unter einigen typischen, langweiligen Toilettendeckeln von heute weitere interessante Erkenntnisse. Etwa, wo sich die aktuell teuerste Toilette der Welt – Baukosten 19 Millionen Dollar – befindet.

          DRAUF GESCHISSEN!

          Ausstellung im Saalburg- Museum, Bad Homburg, geöffnet Montag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr

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