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Ausstellung in Hanau : Greser und Lenz zeigen auch Mohammed-Karikatur

  • -Aktualisiert am

Freund der Satire: Claus Kaminsky. Bild: dpa

Die Mohammed-Karikatur soll auf Wunsch des Hanauer Oberbürgermeister in die Werkschau. „Wir haben keine Lust, unsere Prinzipien aufzuweichen“, sagt Achim Greser. Allerdings haben sie auch Zweifel an ihrer Mohammed-Karikatur.

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          Die Mohammed-Karikatur von Greser und Lenz, die unmittelbar nach den Anschlägen von Paris in dieser Zeitung abgedruckt war, soll Teil der geplanten Ausstellung im Hanauer Schloss Philippsruhe werden. Dort wird am 14.März eine Schau mit Werken des Zeichner-Duos eröffnet. Dies geschehe, sagte Achim Greser, auf besonderen Wunsch des Hanauer Oberbürgermeisters Claus Kaminsky (SPD). „Er möchte das.“ Es werde allerdings das einzige ausgestellte Blatt sein, das den Propheten zeige. In der Karikatur sind Jesus und der islamische Religionsstifter zu sehen, wie sie beide auf je einer Wolke sitzen. Mohammed ist offensichtlich in eine satirische Zeitschrift vertieft, Jesus sagt zu ihm: „Mohammed, ich fasse es nicht! Wegen deiner Idioten müssen wir jetzt auf die wunderbaren Witze über uns verzichten.“

          Die Zeichnung sei im „überschäumenden Gefühl“ von Wut und Trauer nach der Ermordung ihrer Kollegen von „Charlie Hebdo“ entstanden, führte Achim Greser aus. Es sei eine Reaktion auf Attentäter gewesen, die sämtliche Regeln gebrochen hätten. Darstellungsverbote seien „weltfremd und abstrus, weit entfernt von unserem Kulturverständnis“. Er und Heribert Lenz wüssten freilich um die Brisanz des Themas. Sie seien auch nicht glücklich darüber, dass sich in den letzten Wochen viele mit einer gewissen Gier darauf gestürzt haben, weshalb sie auch schon Zweifel gehegt hätten, ob es richtig war, die Mohammed-Zeichnung in Umlauf zu bringen. „Aber wir haben keine Lust, unsere Prinzipien aufzuweichen.“ Auch wenn – Vorsicht, Satire! – „das Schloss in Hanau in Grund und Asche gebombt wird“.

          Urban Priol bei Vernissage

          Die Vorbereitungen für die Hanauer Karikaturen-Ausstellung laufen nach Angaben einer städtischen Sprecherin nach Plan. Die Eröffnung wird nach ihren Worten wie vorgesehen stattfinden. Über die genaue Art der Sicherheitsvorkehrungen und ihre Kosten gebe die Stadt im Moment keine Auskunft. Verwiesen wird auf eine Pressekonferenz, die am 5. März in der dann weitgehend fertigen Ausstellung stattfinden soll. Erst zu diesem Zeitpunkt werde die Stadt Hanau detailliert zu den unternommenen Schritten zur Sicherheit der Besucher Stellung nehmen, sagte auch Kulturamtsleiter Martin Hoppe.

          Bilderstrecke

          Um das Publikum nicht an Gästen des Standesamts im Erdgeschoss des Haupttraktes von Schloss Philippsruhe vorbei und anschließend durch das gesamte Historische Museum führen zu müssen, werde für die Ausstellung ein seitlicher Eingang geöffnet. Er liege in dem Teil des Schlosses, in dem sich die Galerieräume unter dem Schlossdach befinden. Dort wird die Ausstellung gezeigt. So sei ein direkter Zugang zum Treppenhaus und zu den Aufzügen, die zu der Präsentation führen, gewährleistet.

          Die Werkauswahl werde den beiden Zeichnern und dem Ausstellungskurator überlassen, sagte die Sprecherin. Sie wies darauf hin, die Existenz der Mohammed-Karikatur sei kein Grund für die später zurückgenommene Absage der Ausstellung gewesen. Bei der ursprünglich geplanten Werkschau handele es sich ausschließlich um eine Zusammenstellung von früheren Arbeiten der beiden Karikaturisten zu vielen unterschiedlichen Themen. Sie sei zuvor schon an anderer Stelle öffentlich präsentiert worden. Nach Informationen dieser Zeitung soll die Vernissage der Schau aus Sicherheitsgründen als geschlossene Veranstaltung nur geladenen Gästen vorbehalten sein. Ins Werk von Greser und Lenz wird bei dieser Gelegenheit der Kabarettist Urban Priol einführen.

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