https://www.faz.net/-gzg-7imb8

Ausstellung im Jüdischen Museum : Anne Franks Familie kehrt zurück

In Frankfurt: Buddy Elias. Bild: Wonge Bergmann

Anne Franks Cousin Buddy Elias eröffnet im Jüdischen Museum in Frankfurt die erste kleine Ausstellung mit Objekten aus dem Nachlass der Familie.

          2 Min.

          Ende 1933 hat Anne Frank zusammen mit ihrer Mutter Edith und ihrer Schwester Margot Frankfurt verlassen. Kurze Zeit später emigrierte auch Vater Otto Frank. Amsterdam wurde ihr Fluchtort vor der nationalsozialistischen Judenverfolgung, dort, im Versteck im Hinterhaus, hat Anne ihr weltberühmtes Tagebuch geschrieben. Mit der Flucht der Franks endete eine uralte Frankfurter Familiengeschichte, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun ist die Familie Frank nach Frankfurt zurückgekehrt. Symbolisch. Am Sonntag hat Buddy Elias, Cousin von Anne Frank und ihr letzter noch lebender direkter Verwandter, zusammen mit seiner Frau Gerti im Jüdischen Museum die Kabinett-Ausstellung „Einblick – Ausblick“ eröffnet. Es ist nach den Worten von Museumsdirektor Raphael Gross eine „kleine, aber bedeutende“ Ausstellung. Bedeutend deshalb, weil das Museum zum ersten Mal aus einem großen Fundus schöpfen kann, den ihm Buddy Elias anvertraut hat.

          Bis 2017 soll es einen Erweiterungsbau geben

          Im vergangenen Jahr haben die Familie Elias und der Anne-Frank-Fonds in Basel entschieden, Gemälde, Fotografien, Möbel, Erinnerungsstücke und Briefe aus dem Nachlass der Familie Frank-Elias sowie die Archive des Fonds dem Jüdischen Museum Frankfurt als Dauerleihgabe zu überlassen. Warum dem Frankfurter Museum und nicht etwa dem Anne-Frank-Haus in Amsterdam? „Der Nachlass kommt nach Hause, er gehört nach Frankfurt“, sagte gestern Buddy Elias. Er hege volles Vertrauen in die Stadt und das Ausstellungshaus. „Es gibt für die Sachen keinen schöneren Ort als das Jüdische Museum.“

          Nach der Entscheidung für Frankfurt hat das Museum damals sofort das Familie-Frank-Zentrum gegründet, das die Bestände aus der Schweiz bewahren und aufarbeiten soll. Nicht zuletzt deshalb ist ein Erweiterungsbau nördlich des Stammhauses, dem Rothschildpalais, geplant. Das vom Berliner Architektenbüro Staab entworfene dreigeschossige Gebäude soll bis 2017 bezugsfertig sein. In ihm soll unter anderem der Frank-Nachlass unterkommen. Für die Frankfurter Regierungskoalition aus CDU und Grünen ist das Bauvorhaben eines der wichtigsten Kulturprojekte der nächsten Jahre.

          Markante Objekte sollen in einer Dauerausstellung zu sehen sein

          Über kaum eine andere jüdische Familie in Frankfurt gibt es eine so reichhaltige Überlieferung wie über die Familie Frank und die mit ihnen verwandten Familien Stern und Cahn. Der Nachlass umfasst an die 1000Gegenstände, zum Beispiel das Eiserne Kreuz II. Klasse, mit dem Buddys Vater Erich Elias im Ersten Weltkrieg ausgezeichnet wurde und ein von Buddy selbst gebasteltes Quartett mit Mitgliedern der Familie Frank-Elias, in dem Anne als „Der Strolch“ charakterisiert wird. Einige Dutzend dieser Objekte sind nun in der Kabinett-Ausstellung zu sehen, in der auch Fotos der früheren F.A.Z.-Fotografin Barbara Klemm, aufgenommen im Haus Elias in Basel, gezeigt werden. Weiter gehören zu den dem Museum überlassenen Beständen einige zehntausend Schriftstücke, darunter viele Briefe. Der Nachlass stellt nach Angaben des Museums ein einzigartiges Zeugnis deutsch-jüdischer Kultur dar, das in der Schweiz die Zeit des Nationalsozialismus überlebt habe.

          Gerti Elias hat gestern erzählt, wie sie nach dem Tod ihrer Schwiegermutter den Dachboden ihres Hauses an der Herbstgasse in Basel inspizierte und an etwa 20verschiedenen Stellen Briefe gefunden hat. Auf diesem reichhaltigen Material beruht das Buch „Grüße und Küsse an alle“, in dem die Autorin Mirjam Pressler vor zwei Jahren die Geschichte der Familie von Anne Frank erzählt hat.

          All diese Briefe wie auch viele andere Familiendokumente und die in den Beständen des Anne-Frank-Fonds abgelegte Rezeptionsgeschichte von Annes Tagebuch werden nun vom Jüdischen Museum aufbewahrt. Wichtige und markante Objekte sollen in die neue Dauerausstellung des Hauses einfließen. Darüberhinaus will das Museum mit dem Material regelmäßig kleinere Ausstellungen etwa zur jüdischen Einwanderung nach Frankfurt, zum Thema Juden im Ersten Weltkrieg oder zu den Erziehungsidealen im 19.Jahrhundert bestücken.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mord an Fritz von Weizsäcker : Aus Abneigung gegen den Vater

          Der Mörder von Fritz von Weizsäcker ist offenbar psychisch krank. Die Messerattacke auf den Sohn des früheren Bundespräsidenten soll er im Detail geplant haben. Sein angebliches Motiv wirft Fragen auf.
          Ministerpräsident Armin Laschet in der Staatskanzlei in Düsseldorf

          Armin Laschet im Interview : „Wir wollen den Erfolg von AKK“

          Vor ihrem Parteitag macht die CDU einen aufgescheuchten Eindruck. Der stellvertretende Parteivorsitzende und NRW-Ministerpräsident, Armin Laschet, spricht im F.A.Z.-Interview über die Querelen in der CDU, über AKK, über Windkraft – und Kopftücher.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.