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Kunstaustausch : Willkommen im Haus des Ohres

Mark Schreiber: „crooked linger“ (2018), INstallation im Frankfurter Atelierhaus „basis“ Bild: Katrin Binner

Deutsch-französischer Kunstaustausch kann man im realen Raum verfolgen: Die Ausstellung im Atelierhaus „basis“ zeigt Frankfurt von einer ganz besonderen Seite.

          Es ist offenkundig nicht so beeindruckend, was gerade in unserem Kopf vorgeht. Jedenfalls, will man der Kunst und mithin Alizée Armet vertrauen. Deren Werk „Stadt.xml“ lässt nun den Betrachter Frankfurt noch einmal ganz neu sehen, vor allem aber das Geschehen steuern. Heißt es. Denn während wir mit unserer Datenbrille eine Hafengegend überblicken, werden fortwährend unsere Gehirnströme gemessen, was angeblich Bewegung in die Welt vor unseren Augen bringt. Nur passiert da oben offenbar nicht eben viel. Allenfalls taumelt eine Boje ganz hübsch ein wenig hin und her, doch das war es dann auch schon. Im Wesentlichen bleibt die Szene wüst und leer.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Was für ein Aufwand – und wozu? Armets analoge, auf im Frankfurter Osthafen aufgenommenen Fotografien basierende Installation erscheint da am Ende allemal aufregender als der virtuell erkundete urbane Raum. Wie überhaupt die Ausstellung der beiden Stipendiaten des internationalen Künstleraustauschs im Frankfurter Atelierhaus „basis“, durchaus überraschend, zunächst einmal die Sinne schärft für den realen Raum.

          Drei Monate war Armet im Zuge des seit 2016 von „basis“ im Bahnhofsviertel und dem französischen „NEKaTOENEa“ ausgeschriebenen, vom Land, vom Bund sowie von Hessens Partnerregion Nouvelle-Aquitaine geförderten Austauschprogramms in Frankfurt zu Gast, während Mark Schreiber, der sein Atelier bei „basis“ hat, mit einem Stipendium Zeit in Hendaye verbrachte. Zwei Künstler also, deren Werk sich wesentlich mit Wahrnehmung beschäftigt, deren Arbeiten indessen hinsichtlich der Form gerade wie der künstlerischen Mittel kaum unterschiedlicher sein könnten. Während Armets Installationen und Skulpturen an der Schnittstelle von Bild und Raum, von analogen und digitalen Welten sich bewegen, ist es dem 1970 in Südafrika geborenen Schreiber vornehmlich um eine Reflexion des Raums als Klang zu tun. Das galt schon für eine Arbeit wie „Round Letters turn Sounds“ 2018, für die er Töne und Geräusche aus dem Atelier Franz Mons, Frankfurts Großmeister der Konkreten Poesie, in Sound zu übersetzen trachtete. Und für seine aktuelle, gleich drei Ausstellungsräume klanglich verschränkende Installation gilt das noch viel mehr.

          Betrachter wird zum „Hörer, Lauscher, Horcher“

          Nur dass er für „crooked linger“ nun Mons Atelier verlassen hat. „Haus des Ohres“ ist ein programmatischer Text Franz Mons aus dem Jahr 2007 überschrieben, und im Grunde ist es genau das, was Schreiber nun bei „basis“ realisiert hat: das „Modell eines Klang-, Geräusch-, Stimmengehäuses“, wie es bei Mon heißt, den der zum „Hörer, Lauscher, Horcher“ gewordene Betrachter nun Raum um Raum und Bild um Bild durchwandert.

          Und solcherart erst gestaltet. Hallt doch Schreibers in Frankfurt und im französischen Hendaye verschiedenen Küchen, Gärten, Treppenhäusern abgelauschtes Klopfen, Rühren, Prasseln mit jedem Schritt und jeder Bewegung, und sei es bloß um eine Winzigkeit verschoben, nach. Und mit jedem Klangereignis stellt sich die Welt neu und anders dar.

          Atelierhaus „basis“

          Die Ausstellung im Frankfurter Atelierhaus „basis“, Gutleutstraße 8-12, ist bis 17. Februar dienstags bis freitags von 11 bis 19 Uhr, am Wochenende von 12 bis 18 Uhr geöffnet.

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