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Ausstellung „Drauf geschissen“ : Eine kurze Geschichte des stillen Örtchens

Toilettentür der Neuzeit: Was wir stilles Örtchen nennen, war in der Antike ein geselliger Treffpunkt. Bild: Rainer Wohlfahrt

Der Umgang mit dem dringenden Bedürfnis ist ein Spiegel der Kulturgeschichte. Eine Ausstellung in der Saalburg widmet sich nicht nur dem antiken Toilettengang.

          Na schön, lassen wir’s raus. „Secundus kackt hier.“ Oder das Bekenntnis: „Wir schifften ins Bett! Ich geb’s zu. Wirt, da haben wir was falsch gemacht. Wenn du fragst: Warum? Es war kein Nachttopf da!“ Nicht sehr pietätvoll klingt die Aufforderung: „Die Gebeine bitten dich, nicht auf den Grabhügel zu pissen.“ Wenn es um die Beseitigung von Fäkalien geht, ist die Fäkalsprache nicht weit. Aber wer die Eingangsworte zitiert, der kann seine Hände in Unschuld waschen. Denn er gibt nur das wieder, was der Lateinlehrer damals verschwiegen hat. Ein Graffito von der Wand einer öffentlichen Toilette in Pompeji etwa, den Spruch aus einer ebenfalls mit Pompeji im Vulkanregen untergegangenen Herberge oder die Inschrift auf einem römischen Grabmal.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          „Drauf geschissen“ ist der offizielle Titel der Sonderausstellung im Römerkastell Saalburg, die sich bis 20. Oktober der „Kulturgeschichte des stillen Örtchens“ widmet. Eine schöne Gelegenheit, sich vieler „Bäh-Wörter“ zu befleißigen und damit humanistische Bildung zu zeigen. Denn in der Antike kannten die Menschen keine Zurückhaltung, wenn es um Toilettenangelegenheiten ging. Die Römer machten Geschäfte im doppelten Wortsinn auf den berühmten Mehrsitzern, auf denen schon mal ein Dutzend Leute nebeneinander Platz hatten. Es war ein Treffpunkt, und der Dichter Martial spottete im ersten Jahrhundert über einen Schmarotzer, der den ganzen Tag auf der öffentlichen Latrine verbringt, weil er auf eine Einladung zum Abendessen hofft.

          Erleichterung in der Antike

          Für Saalburgdirektor Carsten Amrhein gibt es gleich mehrere Gründe für eine solche Schau: „Die Besucher fragen bei Führungen immer nach den römischen Toiletten und der Kanalisation.“ Dann gehe das Thema nun einmal jeden an, zumal man angeblich vier Jahre seines Lebens auf dem stillen Örtchen verbringe. Und wie es sich für die Saalburg gehöre, stelle sie kulturgeschichtliche Zusammenhänge bis in die Gegenwart her, sagte Amrhein. Deshalb geht es nicht nur um die Erleichterung in der Antike, sondern die Exponate reichen über barocke Toilettenstühle und Bettpfannen bis zur Frage, was wohl die teuerste Toilette sei. Ein Tipp: Sie kostete 19 Millionen Dollar, kreist um die Erde und muss mit dem Problem kämpfen, dass im All die Dinge mangels Schwerkraft nicht ihren natürlichen Lauf nehmen.

          Brexit mit Spülung: ästhetisch wertvolle Toilette aus England Bilderstrecke

          Die neuzeitlichen Exponate steuerte Peter Knierriem bei, der für die Sächsische Schlösserverwaltung die Schlösser Rochlitz und Colditz sowie Burg Grandstein leitet und die Wanderausstellung zusammengestellt hat. Er begann seine Laufbahn in der Saalburg und hat einen Bezug zu Römern und zum Taunus. Ein so schöner Nachttopf, wie er aus Xanten überliefert ist und in einer Vitrine steht, fand sich bei den Ausgrabungen an der Saalburg nicht. „Aber ich bin sicher, dass sich hinter vielen vermeintlichen Amphorenscherben Nachttöpfe verbergen“, sagte Knierriem. Dafür lässt sich in der Nordostecke des Kastells der Abort nachweisen. „Es war der tiefste Punkt, von dort floss es Richtung Obernhain ab“, erläuterte Amrhein. Aber auch in der Therme vor dem Kastelltor gab es eine gemauerte Latrine mit fließendem Wasser, in das ein Schwämmchen zum Abwischen getaucht wurde. „Die Verdauung gehörte zur Körperpflege dazu.“

          Den älteren Ägyptern abgeschaut

          Der Umgang mit dem dringenden Bedürfnis ist ein Spiegel der Kulturgeschichte. Knierriem hat von einer Leipziger Keramikerin einen Kindertoilettenstuhl nachfertigen lassen, dessen Reste man bei Grabungen in der Athener Agora fand. Die Kinder können vorne die Beine herausstrecken, fallen nicht heraus und sitzen wie TÜV-geprüft. Es hat lange gedauert, bis man wieder so weit war wie vor 2600 Jahren die alten Griechen. Wobei die wiederum körpergerechte Klosettbrillen und Entsorgungskanäle den noch älteren Ägyptern abgeschaut hatten.

          Derlei Komfort und Hygiene war dem Mittelalter weitgehend fremd. Dabei können sie Schlachten entscheiden. Bei Ausgrabungen in der Kreuzfahrerburg Saranda auf Zypern fanden sich hohe Konzentrationen von Bandwurmeiern. Sie dürften die Verteidiger entscheidend geschwächt haben. Die Ausstellung zeigt auch, wie Toiletten seit jeher für Propaganda missbraucht wurden. Sei es, dass auf Illustrationen der Reformationszeit die Papsttiara für die Notdurft herhalten muss, während Luther kopfüber in die Latrine fällt.

          Oder man sich im amerikanischen Wahlkampf mit Hillary Clinton und Donald Trump auf dem Klopapier den Hintern abwischen konnte. Dabei vergisst die Schau nicht zu erwähnen, dass 2,3 Milliarden Menschen noch immer ohne grundlegende Sanitärversorgung sind und ihre Gesundheit gefährdet ist. Weshalb der Welt-Toiletten-Tag eben kein Latrinenwitz ist.

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