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Caricatura Museum Frankfurt : Komische Zeiten!

Cartoon von Kittihawk aus „Beste Bilder – Band 9“, 2018 Bild: Kittihawk

Eine hochkomische Ausstellung: Die besten Cartoons des vergangenen Jahrzehnts gibt es jetzt im Caricatura Museum Frankfurt zu bewundern.

          2 Min.

          Die Zehner Jahre des 21. Jahrhunderts waren ein komisches Jahrzehnt. Oder sogar ein hochkomisches? Jedenfalls wird man sich mit einem lachenden Auge an die zurückliegende Dekade erinnern, wenn man deren Höhe- und Tiefpunkte anhand der 274 Karikaturen, Cartoons, satirischen Zeichnungen und gezeichneten Witze Revue passieren lässt, die nun unter dem Titel „Beste Beste Bilder – Die Cartoons des Jahrzehnts“ im Frankfurter Caricatura Museum für Komische Kunst ausgestellt sind. Es ist eine ganz eigene Chronik der Zeit, die sich dem alltäglichen Wahnsinn des Weltgeschehens auf die vermutlich einzige menschenerträgliche Weise nähert: mit Humor.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          81 Künstlerinnen und Künstler sind mit ihren Arbeiten in der Schau vertreten, junges Gemüse und alte Hasen, die für Zeitungen und Magazine arbeiten, für die Satirezeitschriften „Eulenspiegel“ und „Titanic“ oder aber das Internet nutzen, um satirisch Stellung zu politischen, gesellschaftlichen, kulturellen und sportlichen Ereignissen zu beziehen. Etliche bekannte Namen sind bei dieser Besten-Auslese vertreten, Gerhard Haderer etwa, Gerhard Glück, Katharina Greve, Til Mette, Stephan Rürup, Rudi Hurzlmeier, Beck, Wolf-Rüdiger Marunde, Denis Metz, Katz & Goldt, Martin Perscheid, Ari Plikat, Thomas Plaßmann, ©Tom, Tetsche und selbstverständlich auch die Cartoonisten dieser Zeitung wie Flix, Dirk Meissner, Teresa Habild, Hauck & Bauer und Greser & Lenz.

          Freimut Woessner aus „Beste Bilder – Band 5“, 2014 Bilderstrecke

          Ihre Cartoons rufen dem Betrachter noch einmal Ereignisse wie die Griechenland-Krise, die Missbrauchskandale in der katholischen Kirche, die Doktortitel-Plagiate, die endlose Geschichte vom Hauptstadtflughafen BER, Anschläge des IS, Gammelfleisch, Smartphoneritis, die Klimadebatte, die Flüchtlingswelle, den Brexit oder auch das massenhafte Auftauchen von Horrorclowns mit sonderbaren Frisuren in der Politik vor Augen.

          Cartoons spiegeln den Zeitgeist wider

          Sie spiegeln aber nicht allein nur Ereignisse, sondern auch den Zeitgeist. Und sie zeigen, wie sich in den vergangenen zehn Jahren die künstlerischen Stilmittel geändert haben, ist doch auch in der Komischen Kunst die Digitalisierung in vollem Gange, was sich nicht zuletzt an den Exponaten selbst erkennen lässt. Die meisten ausgestellten Arbeiten sind Digitalisate, auf Papier ausgedruckt.

          Mit 81 beteiligten Künstlern ist die Frankfurter Schau die bisher größte Gruppenausstellung von Cartoonisten in Deutschland und sie feiert ein Jubiläum. Im Jahr 2010 hatte der Lappan-Verlag begonnen, unter dem Titel „Beste Bilder“ jährlich einen Cartoonband herauszugeben, für den die Herausgeber Wolfgang Kleinert und Dieter Schwalm jeweils die besten gezeichneten Witze des Jahrgangs zusammentragen wollen. Folgten beim ersten Band 70 Künstler der Einladung, ihre Arbeiten einzureichen, kommen Jahr für Jahr neue Namen hinzu. Darunter sind seit einigen Jahren auch wieder mehr Cartoonistinnen, wie Dieter Schwalm sagt, und außerdem etliche junge Zeichner, was Wolfgang Kleinert begrüßt: „Für uns ist wichtig, dass immer neue Leute dazukommen.“

          Der zehnte Band der Reihe, die mittlerweile mehr als 3000 komische Zeichnungen für die Nachwelt bewahrt und deren Auswahl seit dem Jahr 2016 auch als Grundlage für den Deutschen Cartoonpreis dient, ist just veröffentlicht worden und nun Anlass für die Sonderschau, zu der mit „10 Jahre Beste Bilder“ auch ein eigener Katalog erschienen ist. Mit dem lässt sich eine vergnügliche Zeitreise unternehmen und konstatieren: Es waren schon komische Zeiten.

          Die Ausstellung „Beste Beste Bilder“ ist bis 14. Juni im Caricatura Museum Frankfurt, Weckmarkt 17, zu sehen. Öffnungszeiten: Di bis So 11 bis 18 Uhr, Mi 11 bis 21 Uhr. Die Schau wird am Mittwoch um 18 Uhr im Beisein von rund 40 der ausgestellten Cartoonisten eröffnet. Die Laudatio hält Gregor Gysi.

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