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Ausstellung zum Anfassen : Der Tod aus dem Nichts - wie einst die Römer kämpften

Einer von 600: Im Römerkastell waren auch Soldaten mit ihren Pferden stationiert. Bild: Marcus Kaufhold

Auf der Saalburg in Bad Homburg wird gezeigt, wie und womit einst die römischen Soldaten kämpften. Besucher der neuen Dauerausstellung dürfen Schwert, Schild und Helm anfassen und Spielzeugfiguren führen die Stärke der Truppen vor Augen.

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          An den Katapulten der Saalburg hätte Julius Cäsar seine Freude gehabt. Der römische Feldherr schreibt in den Büchern über seine Kriegszüge ausführlich über Belagerungen. Dafür waren passende Waffen nötig, weil Eroberer mit Schwertern oder Speeren allein nicht gegen die Mauern von Städten und Festungen ankommen konnten. Die Angreifer brauchten Geschütze, die Steinkugeln oder Bolzen mit Pfeilspitzen verschießen konnten.

          Jan Schiefenhövel
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Solche Maschinen, die Artillerie der Antike, sind in der neuen Dauerausstellung im Römerkastell Saalburg in Bad Homburg zu sehen. Es handelt sich zwar nicht um Fundstücke, sondern um Nachbauten, die aber nach überlieferten Beschreibungen oder anhand von ausgegrabenen Bauteilen erstellt worden sind. Schon vor gut einem Jahrhundert wurde auf der Saalburg, dem nachgebauten römischen Limeskastell, mit Geschützen nach römischer Art experimentiert.

          Zuerst, im dritten Jahrhundert vor Christus, spannte ähnlich wie bei einer Armbrust ein elastischer Bogen die Sehne, die den Pfeil abschoss. Schon bald entwickelten die Römer eine neue Technik, bei der ein Seilbündel verdreht wurde, um Spannung aufzubauen. Schnellten die Seilbündel zurück, trieben sie die Wurfarme an, an denen die Sehne für den Bolzen befestigt war. Auf diese Weise erhielt die Sehne eine starke Spannung, die Bolzen konnten mit hoher Geschwindigkeit und gefährlicher Durchschlagskraft verschossen werden.

          „Hands-on-Station“ zum Ausprobieren

          Weil das Geschütz auf einem Gestell montiert war, konnten die Soldaten gut zielen und immer wieder die gleiche Stelle treffen – etwa eine Lücke zwischen zwei Zinnen. Waren die Seilbündel einmal gespannt, war jederzeit ein Schuss möglich, der in der Antike als der „Tod aus dem Nichts“ bekannt war. Bei Xanten wurden Metallteile einer solchen Maschine ausgegraben. Später entwickelten die Römer die Bauweise weiter.

          Bei jüngeren Geschützen waren die Seilbündel nicht mehr mittig angebracht, sondern seitlich am Metallgestell. So schwenkten die hölzernen Arme nach innen aus anstatt nach außen, was den Hebelweg verlängerte. An einer „Hands-on-Station“ können Besucher ausprobieren, wie viel Kraft zum Verdrehen der Taue nötig ist.

          Standarte: Plastiksoldat mit dem Feldzeichen einer römischen Legion
          Standarte: Plastiksoldat mit dem Feldzeichen einer römischen Legion : Bild: Marcus Kaufhold

          In der Dauerausstellung der Saalburg wird auch die Bewaffnung einzelner Soldaten anschaulich gemacht, die in einem Kastell wie der Saalburg stationiert waren und den Limes, die Außengrenze des Römischen Weltreichs, bewachten und verteidigten. Wie sie geschützt waren, zeigt der Abdruck eines ausgegrabenen Reliefs, sie trugen Kettenhemden oder Panzer aus Metallelementen. Ausgestellt sind Originalteile einer solchen Panzerung für Brust und Rücken. Bei einigen Ausstellungsstücken dürfen die Besucher zugreifen, sie können zum Beispiel ein Schwert aus der Scheide ziehen und dessen Griff fühlen. Nachbildungen von Helm, Schild und Speer können ausprobiert werden.

          Bewachte Türme entlang des Limes

          Die Soldaten mitsamt Waffen stehen als lebensgroße Figuren vor den Besuchern, ein Fußsoldat neben einem Reiter und dem Pferd. Beide tragen ein Kettenhemd und ein Schwert am Gürtel, der Fußsoldat ist dazu noch mit Speer und Schild ausgerüstet. Dazu werden originale Fundstücke präsentiert, Speerspitzen, Fibeln, welche die Gewänder zusammenhielten, Gürtelbeschläge und die Metallteile vom Zaumzeug für das Pferd.

          Dass der Reiter blond ist, sollte nicht irritieren. Schließlich kamen die Soldaten, die im Taunus eingesetzt waren, nicht aus Rom oder anderen Teilen Italiens. Vielmehr stammten sie aus den Völkern der eroberten Gebiete, etwa aus der römischen Provinz Raetia im heutigen Süddeutschland. Zu ihren Pflichten gehörte es auch, die Wachtürme entlang des Limes zu bemannen. Ein solcher ist im Maßstab zwei zu eins nachgebaut. Der Ausguck war für die Soldaten gleichzeitig Wohnturm, wie Stockbetten und ein Tisch mit Hockern veranschaulichen.

          Diese Truppen hießen bei den Römern Auxilia, Hilfstruppen, welche die Eliteeinheiten, die Legionäre, unterstützten. In einem Kastell wie der Saalburg waren 600 Soldaten stationiert. Um deren Stärke augenfällig zu machen, sind 120 Reiter und 480 Fußsoldaten vor den Besuchern angetreten – als Playmobilfiguren, bewaffnet nach historischem Vorbild. Die Fußtruppen tragen Kettenhemden und einen länglichen Schild. Die Reiter halten einen Rundschild, der im Kampf zu Pferd handlicher ist. Die Spielzeugfiguren machen auch die Gliederung der Streitmacht nachvollziehbar, Einheiten und Untereinheiten stehen hinter ihren Anführern.

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