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Ausstellung in Dieburg : Was die digitale Welt kann

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Schneefall im Hasenland: Ein Student der Hochschule Darmstadt zeigt, wie die Computersimulation „Bioflow“ funktioniert. Bild: Sick, Cornelia

Wie wäre es, wenn der Biologie-Lehrstoff über Fuchs und Hase computersimuliert wäre? Studenten des Mediencampus Dieburg zeigen diese und andere Vorzüge der digitalen Welt in einer Ausstellung.

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          Stevie Stinner grinst. „Sagen Sie doch erst mal, was Sie darin sehen“, antwortet er auf die Frage eines Besuchers, was er fotografiert habe. Der Gast tippt auf Salatblätter. Genauso gut hätte es aber auch eine nachgestellte Szene aus der antiken römischen Unterwelt sein können. In Wirklichkeit hat der Masterstudent für die Bilderserie Papiertücher an den Zipfeln rot eingefärbt, mit grünem und gelbem Licht bestrahlt und aus einer bestimmten Perspektive mit viel Geduld auf dem Handy fotografiert.

          „Daylienation“ heißt die daraus entstandene Bildwand, die Teil einer Ausstellung der Hochschule Darmstadt im Museum Schloss Fechenbach in Dieburg ist. Unter dem Titel „Station Heimat“ haben Studenten des Mediencampus Dieburg mit viel Engagement außerhalb des Unterrichts Ideen verwirklicht, die Vorzüge der digitalen Welt zeigen sollen. Während der Öffnungszeiten des Museums wollen stets Studenten zugegen sein, um ihre Exponate zu erklären.

          Am Exponat „Airpark“ beschallt Natascha Rehberg die Besucher mit Geräuschsequenzen aus einem Offenbacher Park. Sie wolle damit die Dominanz des Fluglärms auf die wahrgenommene Akustik in der Natur aufzeigen, sagt sie. Tatsächlich ist Vogelgezwitscher nur schwach herauszuhören. Die Studentin möchte laut eigener Aussage keine negative Botschaft aussenden, sondern aus persönlicher Betroffenheit zum Nachdenken anregen. „Braucht man wirklich die Flüge im Minutentakt?“, fragt sie rhetorisch.

          Jäger, Schneefall oder Parasiten

          Die meisten der zusammen gut ein Dutzend Projekte wurden von Kleingruppen verwirklicht. Wie zum Beispiel der „Bioflow“, eine Computersimulation des Lebensraums von Hasen und Füchsen. Fünf Studenten fanden den Stoff der Biologie-Lehrbücher der fünften und sechsten Schulklassen zu trocken und beschlossen, ein veranschaulichendes Spiel zu programmieren. Dessen Nutzer können auf dem Bildschirm der Natur Jäger, Schneefall oder Parasiten hinzufügen und damit die Größe der Population der beiden Tierarten beeinflussen.

          Von fünf anderen jungen Männern wurde das System „Cologic“ für Restaurants entwickelt. Hier teilen Drucksensoren und Waagen unter dem Teller und dem Glas dem Kellner mit, ob der Gast noch isst, wie leer sein Teller ist und ob er möglicherweise noch etwas trinken will. „Das kann effektiv Wartezeiten im Restaurant verringern“, meint einer der Studenten.

          Programm verwandelt Tweets in kleine Bälle

          Das Vorurteil der intelligenten, futuristischen Software erfüllt am ehesten „Thesia“. Das Programm wandelt gewöhnliche Internetseiten in audiovisuelle Informationen um. Die kann der Besucher sich, mit Spezialbrille und Kopfhörern ausgestattet, vorspielen lassen und virtuell darin navigieren. Twitter-Einträge würden beispielsweise zu kleinen Bällen, erklärt Ko-Kurator Klaus Schüller.

          Kuratorin Sabine Breitsameter sagte, sie wolle durch die Ausstellung den alten, analogen Begriff der Heimat mit dem neuen, digitalen zusammenführen. Darüber und über die Rolle der Medien findet das Symposion „The Artist as Ecologist“ mit zwei Themenvorträgen in englischer Sprache mit deutscher Übersetzung statt. Am 14.November von 17 Uhr an referiert der Finne Helmi Järviluoma-Mäkelä über Klanglandschaften, Kultur und Nachhaltigkeit, am 15. November von 11.45 Uhr an spricht der Franzose Antoine Schmitt über die Ökologie des Seins. Die erforderliche Anmeldung für die Vorträge im Stadtverordnetensaal des Dieburger Rathauses ist per Mail an info@museum-schloss-fechenbach.de zu richten.

          Dieburgs Bürgermeister Werner Thomas (parteilos) sieht ein Zusammenwachsen der Hochschule Darmstadt mit dem Campus Dieburg. Er stellte den baldigen Bau eines Studentenwohnheims am Campus in Aussicht und wies auf ein Projekt hin, das ihm besonders gefalle: Die Aula des Hochschulgebäudes und die Fassade des Museums werden mit einer „Lichtpassage“ verbunden, eine blaugrün leuchtende, symbolische Brücke. Sie soll Stadt und Hochschule zusammenbringen.

          Und wer weiß, vielleicht hat beispielsweise Stinners „Daylienation“ Potential für mehr. „Man kann aus Alltagsgegenständen unglaublich gute Fotos machen“, sagt er. Museumsleiterin Maria Porzenheim findet gar, die Handyfotos seien „wahre Kunstwerke“.

          Informationen

          Die Ausstellung „Station Heimat“ kann bis 23. November dienstags bis samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags 11 bis 17 Uhr im Museum Schloss Fechenbach in Dieburg besichtigt werden.

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