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Carsten Knop

Ausschreitungen in Kassel : Und der Gewinner heißt Corona

  • -Aktualisiert am

Rund 20.000 Menschen haben am Samstag in Kassel gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert, obwohl nur 6000 Teilnehmer zugelassen waren. Bild: AFP

Die Demonstration in Kassel hat auch gezeigt: Ohne klare Anreizsysteme für korrektes Verhalten gewinnt niemand mehr. Wenn Politiker jetzt auf die Polizei schimpfen, werden die Falschen angesprochen.

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          Zunächst sprechen die Fakten für sich: Rund 20.000 Menschen haben am Samstag in Kassel gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert, obwohl nur 6000 Teilnehmer zugelassen waren. Die Demonstranten sind den polizeilichen Auflösungsverfügungen nicht nachgekommen. Viele von ihnen, nach Angaben der Polizei überwiegend aus dem sogenannten bürgerlichen Lager, hielten sich zudem nicht an die Auflagen: Sie trugen keine Maske und hielten keinen Abstand. Es kam zu Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten und der Polizei. Auch Journalisten wurden angegangen. Am Ende ist es zu rund einem Dutzend Festnahmen wegen Straftaten, überwiegend wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Landfriedensbruchs, gekommen. Und das, obwohl die Polizei mit einem Großaufgebot erschienen war.

          Schon aus dieser Zustandsbeschreibung lässt sich einiges ableiten: Richter, die eine Demonstration von 6000 Kritikern der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie unter Auflagen laufen lassen, sind naiv, wenn sie glauben, die Begrenzung der Zahl der Teilnehmer oder die Hygiene- und Abstandsauflagen würden beachtet oder könnten durchgesetzt werden. Staat und Polizei erleben einen Autoritätsverlust, weil natürlich weiterhin abgewogen werden muss, welche Maßnahmen verhältnismäßig sind, denn daran führt auch in diesen schwierigen Zeiten kein Weg vorbei. Zudem ist leider wahr, dass die Hemmschwelle, Journalisten anzugreifen, zu sinken scheint – und die sogenannten Gegendemonstranten auch nicht über jeden gewaltfreien Zweifel erhaben sind.

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