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Ausmusterung bei Lufthansa : Getrennte Wege in der Frachterflotte

Kapitän Fokko Doyen: Acht Jahre lang war er der Chef der MD-11-Frachterflotte der Lufthansa. Bild: Wolfgang Eilmes

Die Lufthansa mustert ihre Frachter vom Typ MD-11 aus. Für Fokko Doyen endet damit ein wichtiger Abschnitt seiner Laufbahn. Keine leichte Übung.

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          Sie ist elegant, anspruchsvoll und kann sensibel reagieren, wenn man ihr nicht die volle Aufmerksamkeit schenkt. Sie ist das, was man gemeinhin eine Diva nennt. Deshalb wohl haben die Piloten, die eine MD-11 von McDonnell Douglas fliegen dürfen und beherrschen, ein besonders inniges Verhältnis zu diesem Flugzeug.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Keiner weiß das besser als Kapitän Fokko Doyen, dessen fliegerische Laufbahn eng mit dem Frachtflugzeug verbunden ist, das man an dem dritten Triebwerk im Seitenleitwerk am Heck auch am Himmel noch deutlich erkennen kann. Zum Kapitän wurde er zwar nicht auf der MD-11 geschult, sondern auf der Boeing 747 der Lufthansa Cargo. Aber bald darauf wechselte Doyen schon auf die MD-11. Sie war sparsamer als der Fracht-Jumbo. Doch nun steht die Diva vor der Ausmusterung.

          Berufspiloten sind keine Zocker

          Doyen ist von 2007 bis 2015 Chef der MD-11-Frachterflotte der Lufthansa gewesen, seit 2000 schon Trainingskapitän und Werkstattpilot auf der MD-11. Letztere sind die Leute, die bei den Testflügen auch schon einmal im Flug Triebwerke ausschalten, um zu prüfen, ob sie im Ernstfall auch wieder anspringen. Wie sehr Doyen seiner „Elf“ vertraut, zeigte sich etwa, als 2010 der Flugverkehr über Europa und darüber hinaus von einer gigantischen Aschewolke lahmgelegt wurde, die ein isländischer Vulkan namens Eyjafjallajökull in den Himmel geschleudert hatte. Doyen gehörte zu den ersten, die wieder ins Cockpit stiegen und losflogen.

          Trotzdem sind Berufspiloten keine Zocker, Fokko Doyen schon gar nicht. Aber der Mann, der zunächst Flugingenieur auf einer Boeing 727 war, bevor er zum Piloten wurde, weiß ganz genau, was er seinem Flugzeug zutrauen kann. Trotzdem gingen Testflüge mit Mechanikern voraus, bei denen sich keine Ablagerungen von Asche in den Triebwerken einstellten, bevor Doyen dann mit einer MD-11 nach Istanbul und zurück flog. Dass die Asche aus der Wolke eines Vulkans in der Düse festbacken und im schlimmsten Fall eine Düse lahmlegen kann, war ihm freilich in jedem Moment bewusst. Aber, meinte er damals wohl schon ein wenig untertreibend, Piloten müssten schließlich immer wieder gefährlichen Gewitterwolken ausweichen, insofern sei diese Wolke auch nichts Außergewöhnliches.

          Mehr in der Welt bewegen als nur Flugzeuge

          Inzwischen macht Doyen als Ausbildungspilot den Pilotennachwuchs mit allen Eigenheiten und Vorzügen der Diva vertraut. Das liegt ihm, der Mann erklärt gut und vereint eine jugendliche Ausstrahlung mit der Professionalität eines erfahrenen Berufspiloten. Er soll 2021 aus dem Dienst scheiden. Doyen sei dann 65 Jahre alt, heißt es auf einem Papier. Wer mit ihm umgeht, kann das nicht recht glauben. Ohne Cockpit wird er auch dann nicht sein können, er plant noch. Seit 2000 ist Doyen bei Lufthansa Cargo Trainingskapitän und Werkstattpilot auf der MD-11. Davor war er MD-11-Flottenchef und stellvertretender Flugbetriebsleiter bei den Frachtfliegern.

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          Nur planend hinter einem Schreibtisch, das ist Doyens Sache nie gewesen. Er bewegt gerne Dinge – nicht nur Flugzeuge: Den Lesern dieser Zeitung könnte er noch als Gründer und Protagonist des Hilfsprojekts Cargo Human Care vertraut sein. Mit ihren Spenden konnten Doyen und seine Mitstreiter ein Waisenhaus für 120 Kinder einrichten, ihnen den Schulbesuch ermöglichen und ihre weitere Ausbildung organisieren. Das Projekt wächst und gedeiht seit mehr als zehn Jahren. Der Verein Cargo Human Care hat inzwischen weitere Projekte in der Umgebung von Nairobi und Marsabit im Norden Kenias auf den Weg gebracht, um auch dort die Lebensbedingungen der Ärmsten zu verbessern. Dafür ist der Vater dreier inzwischen erwachsener Kinder mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.

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