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Auslandsstudium in Corona-Zeit : Virtueller Kochabend und Besichtigung per Webcam

  • -Aktualisiert am

Auch im Wintersemester wird das Studium in Rhein-Main zum größten Teil online stattfinden. (Symbolbild) Bild: dpa

Ausländische Studenten müssen sich an den Unis in Rhein-Main auf ein großenteils digitales Wintersemester einstellen. Die Universitäten arbeiten an Programmen, die zumindest einen Teil der üblichen Erfahrungen ermöglichen.

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          Wechseln Studenten aus dem Ausland an eine deutsche Universität, steht ihnen eine spannende Zeit bevor. Sei es für ein Semester oder gleich für den ganzen Master, nie geht es nur um das Studium allein. Mit Gleichaltrigen die Nächte durchmachen, die Kultur kennenlernen, spontan durch das halbe Land fahren – solche Erlebnisse sind für viele mindestens genauso wichtig wie Sprachkurse und Vorlesungen.

          Ein Auslandssemester an den Unis im Rhein-Main-Gebiet wie in diesem Sommer hätte sich Anfang des Jahres wohl niemand vorstellen können. Die meisten ausländischen Studierenden kehrten wegen Corona in ihre Heimatländer zurück und nahmen, so weit möglich, am Online-Angebot teil. Viele verschoben ihren Aufenthalt oder brachen ihn ab.

          Im Wintersemester soll in Gießen, Mainz, Frankfurt und Darmstadt weiterhin hauptsächlich digital studiert werden. Ausländische Studenten stehen somit vor der Frage, wie sie ihren Deutschland-Aufenthalt gestalten wollen. Sie müssen sich darauf einstellen, im Voraus geschmiedete Pläne fallenzulassen. Sprachkurse, Partys und Reisen fallen weg, dafür wird morgens der Laptop hochgefahren und das fremde Land über die Webcam kennengelernt. Die Universitäten versuchen, zumindest einen Teil der Erfahrungen zu ermöglichen, die sie ihren Gästen üblicherweise bieten.

          An der Universität Gießen beginnt im Wintersemester erstmals das „Virtual International Programme“ (VIP). Studenten der Partnerunis können zwischen rund 60 Veranstaltungen des neu eingerichteten Online-Lehrangebots wählen.

          Programm in der Pilotphase

          Das Programm richtet sich speziell an Austauschstudierende, die nicht beabsichtigen, ihren Abschluss hier zu machen. Der „Auslandsaufenthalt“ kann somit in der Heimat absolviert werden. „Fast alle Fachbereiche sind in dieser Pilotphase dabei“, sagt Julia Volz, Leiterin des Akademischen Auslandsamts der Universität. Laborfächer wie Chemie oder Biologie würden noch nicht an dem Programm teilnehmen, erste Gespräche seien aber im Gang. „Schon im Sommersemester haben Dozenten ihre eigene Lehre kooperativ mit den Partnerunis aufgebaut, zum Beispiel durch Gastvorträge.“ Durch dem Abschluss des virtuellen Semesters erwerben die Studenten Leistungsnachweise, die sie bei ihren Heimatunis einreichen können. Speziell für VIP hätten sich bisher rund 30 Studenten beworben, sagt Volz.

          Mit Blick auf die Gesamtzahl der ausländischen Bewerber – also auch die, die nach Gießen kommen wollen – ist sie vorsichtig optimistisch. „Das ist nicht so stark eingebrochen wie befürchtet, wir rechnen mit 70 Prozent des üblichen Niveaus.“

          An der Technischen Universität Darmstadt sind verschiedene Initiativen derweil damit beschäftigt, das Online-Angebot außerhalb der Lehre weiter auszubauen. Egal, ob eine digitale Schnitzeljagd oder ein Schupfnudel-Kochabend mit Videochat, den Kommilitonen aus dem Ausland solle ein Einblick in den Alltag ermöglicht werden, teilte die Uni mit. Die Einführungswochen zu Beginn des Wintersemesters würden ebenfalls virtuell abgehalten. Der Bedarf an Beratung und Unterstützung sei momentan besonders groß, heißt es weiter. Daher produziere das Büro „International Student Services“ gerade Anleitungsvideos unter anderem für Fragen nach Auflagen und Visa.

          Wohnraumknappheit ist zurückgegangen

          In Mainz ist vor allem der Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaften am Standort Germersheim von den Reisebeschränkungen betroffen. Gut 60 Prozent der dortigen Studenten kämen aus dem Ausland, sagt Stephan Jolie, Vizepräsident der Gutenberg-Universität. Die Verantwortlichen dort wollen im Winter möglichst viel Präsenzlehre anbieten. Überwiegend setze man allerdings auf hybride Formate, also teils online, teils auf dem Campus.

          Dort sei wegen der zu erwartenden Menschenmengen ein Normalbetrieb vorerst nicht denkbar. „Jeder einzelne Tag ist eine Massenveranstaltung, das ist nicht mit einer Schule zu vergleichen, sondern eher mit der Bundesliga.“ Wer sich trotz allem entscheide, sein Auslandssemester in Mainz anzutreten, müsse sich immerhin keine Gedanken um eine Unterkunft machen, versichert Jolie. „Die Wohnraumknappheit ist sehr zurückgegangen.“ Es gebe nun kaum noch Probleme, Ersatzmieter zu finden, wenn jemand kurzfristig seinen Auslandsaufenthalt nicht antreten könne. Ob die Bewerbungen zurückgegangen seien, könne er zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, die Frist laufe noch bis nächste Woche.

          Auch in Frankfurt müssen sich die internationalen Studenten derzeit nicht um einen Wohnheimplatz sorgen. Laut Goethe-Universität wird das Kontingent des Studentenwerks für Gaststudierende nicht voll ausgeschöpft. Daher würden die übrigen Zimmer nun ausländischen Studenten angeboten, die sich für ein Vollzeitstudium in Frankfurt entschieden hätten.

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