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Eintracht Frankfurt : Das Leid der Leitfigur

Am kurzen Eck überlistet: Torwart Lukas Hradecky erwischt den schlechtesten Tag, seitdem er bei der Eintracht ist. Bild: Heiko Rhode

Schwarzer Tag im Abstiegskampf: Lukas Hradecky ist der Eintracht beim 0:3 in Gladbach kein Rückhalt: „Alle Fehler in einem Spiel.“

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          Zum Feiern ist dem ersten Mann des Vereins so gar nicht zumute. Peter Fischer, der Präsident der Frankfurter Eintracht, wird an diesem Montag 60 Jahre alt – und seine Eintracht, der er seit fast 16 Jahren vorsteht, befindet sich in höchsten Abstiegsnöten. Punkt- und torgleich mit dem Tabellenvorletzten ist die Mannschaft schon. Der letzte Auftritt, das 0:3 bei der in allen Belangen überlegenen Mönchengladbacher Borussia, ist nicht dazu angetan, als Mutmacher für die kommenden Spiele zu wirken.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Und doch: Die Zugehörigkeit zur Bundesliga, stets das oberste Gut des im Sommer von seinem Amt scheidenden Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen, ist immer noch möglich. Dazu aber muss alles passen. Ein Rädchen muss in das andere greifen. Das Trainer-Duo Niko und Robert Kovac muss Glück haben und Geschick zeigen. Der letztjährige Torschützenkönig Alexander Meier, der sich am Sonntag nach längeren Knieproblemen endlich wieder auf dem Trainingsplatz zeigte und gemeinsam mit Reha-Trainer Michael Fabacher individuelle Übungen absolvierte, muss schnell wieder zurückkommen. Die Heimspiele müssen gewonnen werden. Und der seit Monaten beste, konstanteste und verlässlichste Eintracht-Profi darf keinen zweiten schwarzen Tag wie jetzt in Gladbach haben.

          Hradecky mit „Scheißtag“

          Lukas Hradecky konnte einem leid tun. Der stets freundliche Finne, der fokussiert seiner Arbeit nachgeht und der Eintracht mit vielen spektakulären Paraden schon etliche Punktgewinne gesichert hat, erlebte im Borussia-Park den Tiefpunkt seiner bisherigen Zeit als Eintracht-Torwart. Dass er von einem „Scheißtag“ sprach, an dem alles nur denkbare Pech zusammengekommen sei, war das eine. Das andere war die sofort geäußerte Zuversicht: „Alle meine Fehler sind in diesem einen Spiel passiert. Das soll es damit dann auch gewesen sein.“ Allen drei Gladbacher Toren waren unglückliche und vermeidbare Aktionen des Keepers vorausgegangen. Beim 0:1 durch Lars Stindl (36. Minute) faustete der Finne den Ball direkt vor die Füße des Torschützen. Beim 0:2 produzierte er weit jenseits des Strafraums einen halben Querschläger, für den sich Raffael bedankte (53.). Und beim dritten Streich der Borussia zirkelte der trickreiche Mahmoud Dahoud den Ball in die kurze Ecke. „Es war zwar ein kleiner Winkel“, sagte Hradecky. „Aber den muss ich auch halten.“

          Als es galt, in der Stunde weiterer großer sportlicher Not positiv zu denken, war es Hradecky, der diesen Part übernahm. Schon als er die Stätte des Tiefschlags verließ und auf dem Weg durch die Katakomben Richtung Kabine war, legte der 26 Jahre alte Finne ungefragt einen Stopp bei den Reportern in der sogenannten Mixed Zone ein. Er wusste: Erklärungen und Auskünfte sind mehr denn je gefragt. Hradecky parlierte in einem Deutsch, das wie eine Ohrfeige für all diejenigen Eintracht-Profis wirken müsste, die sich strikt weigern, sich der Sprache ihres Arbeitslandes auch nur ansatzweise zu nähern.

          Flaute im Sturm macht Kovac zu schaffen

          Auf dem Platz, abseits des Rasens: Hradecky ist eine der Frankfurter Leitfiguren, auf die es in diesen krisenhaften Tagen und Wochen ganz besonders ankommt. „Ich bin sicher, dass wir im nächsten Spiel eine andere Eintracht und einen anderen Lukas sehen werden“, sagte Hradecky. Beides wird dringend nötig sein, um noch Schlimmeres zu vermeiden: das Abrutschen auf Tabellenplatz 17.

          Acht Spiele noch. Vier zu Hause, vier in der Fremde. „Wir müssen einen langen Atem haben“, sagte Niko Kovac, der neue Coach der Eintracht, der gemeinsam mit seiner Mannschaft vor weiteren herausfordernden Aufgaben steht. „Es ist Abstiegskampf.“ Auch weil seine Spieler „zu viele leichte Fehler gemacht haben“, war die Eintracht bei den heimstarken Gladbachern schnell chancenlos. Besonders bitter: die Flaute im Sturm. Nichts regte sich in der Offensivabteilung, in der Kovac – wie während der Vorbereitungswoche angedeutet – Verschiebungen vornahm und Haris Seferovic, Stefan Aigner und Marco Fabian mit neuen Aufgaben betraute. Es war ein Versuch, der auch deshalb fehlschlug, weil es schlicht an der Qualität mangelte. Wer nur ein einziges Mal auf das Tor des Gegners schießt, braucht sich über ein 0:3 nicht zu beschweren. Und so gilt alle Hoffnung und alle Konzentration der Partie der beiden schlechtesten Bundesligamannschaften – Frankfurt gegen Hannover. „Das wird ein ganz heißes Spiel“, sagte Aigner. „Es bringt jetzt auch nichts mehr, ständig zu reden. Wir brauchen Punkte. Jetzt steht ein Gegner vor der Tür, den wir schlagen müssen.“ Dafür aber braucht es Schützen und Tore. Und einen Keeper, der wieder so spielt, wie er spielen kann.

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