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Ausbildung : Mehr Hebammen-Lehrlinge in Hessen

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Aus dem Ausbildungsberuf Hebamme wird bald ein Hochschulstudium mit hohem Praxisanteil. Bild: dpa

In Hessen steigt die Zahl der Hebammen-Azubis. Nächstes Jahr soll die Ausbildung nur noch an Universitäten stattfinden. Die Finanzierung der Studienplätze ist allerdings noch unsicher.

          Immer mehr Schülerinnen und Schüler lassen sich in Hessen als Hebamme oder Entbindungspfleger ausbilden. Die Zahl der Neuanfänge hat sich von 49 im Jahr 2016/17 auf 90 im Jahr 2017/18 fast verdoppelt. Das geht aus der Antwort des Sozialministeriums auf eine Kleine Anfrage der SPD-Abgeordneten im hessischen Landtag, Daniela Sommer, hervor.

          Die Pläne der Bundesregierung, die Hebammenausbildung an die Hochschulen zu bringen, bewertet die Landesregierung grundsätzlich positiv. Allerdings weise der aktuelle Gesetzentwurf noch „Defizite auf“, wie Sozialminister Kai Klose (Grüne) in seiner Antwort darlegt. Zudem sei die Finanzierung der Studienplätze noch nicht geklärt.

          Etwa 400 Studienplätze notwendig

          In Deutschland dauert die Hebammenausbildung drei Jahre und findet an speziellen Hebammenschulen statt. Die Auszubildenden müssen 1.600 Stunden Theorie und 3.000 Stunden praktische Ausbildung in dieser Zeit absolvieren. Der praktische Teil umfasst Einsätze im Kreißsaal, auf der Wochenstation, Neugeborenenstation, operativen und nichtoperativen Pflegestation, Operationssaal, Kinderklinik und in einer freien Praxis.

          Sollte die bisherige Ausbildung durch Bachelorstudiengänge ersetzt werden, müssten jährlich 120 Studienanfänger aufgenommen werden. Insgesamt seien 360 bis 480 Studienplätze notwendig. Die Kosten dafür liegen laut Ministerium bei 18,7 Millionen Euro jährlich. Diese sollten nach Einschätzung der Landesregierung „durch den Verursacher - den Bund - getragen werden“, schreibt Klose.

          Deutschland ist im EU-Vergleich das einzige Land, in dem die Hebammenausbildung nicht ausschließlich an einer Hochschule stattfindet. Bereits im Oktober 2018 gab das Bundesgesundheitsministerium bekannt, dass ein duales Studium für Hebammen eingeführt werden soll. Im März 2019 veröffentlichte das Ministerium einen entsprechenden Referentenentwurf und im Mai folgte der Gesetzesentwurf der Bundesregierung.

          Den ersten Studiengang für Hebammen in Deutschland gibt es seit 2008 in Osnabrück. Seitdem haben sich die Studienmöglichkeiten deutlich erweitert: In Bochum, Fulda und Berlin gibt es sogenannte primärqualifizierende Modellstudiengänge, die sowohl die staatliche Hebammen- als auch die Bachelorprüfung abnehmen. Außerdem bietet die Medizinische Hochschule Hannover den Master in „Midwifery“ an. Daneben richten sich zahlreiche weitere Studiengänge an studieninteressierte Hebammenschüler.

          Aufgrund der insgesamt geringen Angebote an Hebammenwesen-Studiengängen schreibt Klose in der Antwort auf die kleine Anfrage, dass es schwierig werden könnte, entsprechende qualifizierte Lehrkräfte zu finden, wenn das Studium als alleinige Ausbildung etabliert wird.

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