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Ausbau des Frankfurter Verkehrsnetzes : Stadtbahn ins Europaviertel auf der Kippe

  • -Aktualisiert am

Baugebiet: Noch fährt hier nur die S-Bahn über die Emser Brücke. Zwischen Brücke und dem Einkaufszentrum Skyline Plaza soll irgendwann die Stadtbahn fahren und das Europaviertel verkehrlich erschließen. Bild: Helmut Fricke

50 Millionen Euro mehr soll die Stadtbahn ins Europaviertel kosten. Damit wird das Projekt nochmals dem Stadtparlament vorgelegt. Der zuständige Dezernent bleibt aber optimistisch.

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          Eine dramatische Kostensteigerung bringt Frankfurts wichtigstes Verkehrsprojekt, den Bau einer Stadtbahn ins neue Europaviertel, in Schwierigkeiten. Das Vorhaben wird nach Angaben von Verkehrsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) etwa 50 Millionen Euro mehr kosten als geplant. Statt wie zuletzt mit 217 Millionen rechnet der Stadtrat nun mit Kosten von rund 270 Millionen Euro. Majer will eine ergänzende Bau- und Finanzierungsvorlage erstellen und das Projekt noch einmal dem Stadtparlament vorlegen, das kürzlich den Bau der Stadtbahn gutgeheißen hatte.

          Ursachen der Kostensteigerung sind Schwierigkeiten mit dem Bau des unterirdischen Teils der Strecke und mit dem Ausschachten der Station Güterplatz. Bisher war vorgesehen, den Tunnel vom Hauptbahnhof zum Güterplatz im Düsenstrahlverfahren zu graben. Dabei wird mit einem Bagger das Erdreich Meter für Meter abgelöst und die entstehende Röhre mit Spritzbeton befestigt. Diese Methode hat sich schon an anderer Stelle in Frankfurt bewährt, zuletzt beim Bau des U-Bahn-Tunnels vom Hauptbahnhof zur Bockenheimer Warte.

          Stadion am Güterplatz wird teurer

          Das Regierungspräsidium Darmstadt als Aufsichtsbehörde hat nun nach Angaben Majers die Frankfurter Planer darauf aufmerksam gemacht, dass bei diesem Verfahren die Grundwasserströme unterbrochen werden könnten. Nun soll dem Stadtrat zufolge die Röhre mit einer Tunnelbohrmaschine vorangetrieben werden, was die Sache erheblich verteuere. Bei diesem Verfahren sei das Grundwasser aber weniger gefährdet.

          Höhere Kosten als geplant entstehen auch beim Bau der Station Güterplatz, für den eine 28 Meter tiefe Baugrube ausgehoben werden muss. Bisher war vorgesehen, das Areal mit tief in die Erde getriebenen Betonpfählen zu umfrieden und dann die Grube auszuheben. Nun hat sich herausgestellt, dass dieses Vorgehen aus statischen Gründen nicht möglich ist. Deshalb ist eine Umplanung nötig, und es muss auf eine teurere Baumethode zurückgegriffen werden. Für Majer stellt sich die Frage, ob die mit dem Projekt befassten Unternehmen vermeidbare planerische Fehler gemacht haben. Deshalb hat er eigenen Angaben zufolge eine rechtliche Überprüfung in Auftrag gegeben.

          Geld vom Bund erwünscht

          Bisher war vorgesehen, dass Bund und Land 143 Millionen Euro der auf 217 Millionen Euro veranschlagten Baukosten übernehmen. Dezernent Majer hofft, dass Berlin und Wiesbaden einen entsprechenden Anteil auch an den Zusatzkosten von 50 Millionen Euro übernehmen. Dies ist allerdings nur möglich, wenn der Kosten-Nutzen-Faktor auch nach der Verteuerung noch über dem Wert 1 liegt. Bisher hatte das Projekt mit 1,42 ein äußerst gutes Ergebnis bei der standardisierten Kosten-Nutzen-Messung erzielt. Tatsächlich lag der Wert sogar noch um zehn Prozent höher, weil die Gleise teilweise oberirdisch geführt werden. Diese kostensenkende Entscheidung war erst später gefallen.

          Majer ist optimistisch, dass trotz der Verteuerung um 50 Millionen der Kosten-Nutzen-Faktor weiterhin über 1 liegt und das Vorhaben somit weiter aus Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes gefördert werden kann. Er selbst hält die geplante neue Strecke für unverzichtbar: „Ich bin nach wie vor von dem Projekt überzeugt.“ Er werde nun mit Vertretern des Bundes und des Landes Gespräche über eine Mitfinanzierung führen.

          Andere Ausgaben dafür gekürzt

          Schon jetzt ist aber klar, dass der Zeitplan nicht zu halten ist. Die Planfeststellung hatte schon in diesem Sommer offengelegt werden sollen, nun wird dies erst Mitte nächsten Jahres geschehen. Die Verzögerung gefährdet Majer zufolge das Projekt aber voraussichtlich nicht, weil die jetzt gebildete große Koalition eine Anschlussregelung für das 2019 auslaufende Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz angekündigt hat. Bisher standen die Planer unter Zeitdruck, weil sie annahmen, das Projekt bis zum Auslaufen des Gesetzes beendet haben zu müssen.

          Majer hält sich zugute, dass er die Ausführungsplanungen schon zu einer Zeit in Auftrag gegeben habe, als noch die Planfeststellung betrieben worden sei. So habe man die Mehrkosten früh entdeckt. Nun könne die Stadtverordnetenversammlung frei entscheiden, ob sie eine Verwirklichung des Stadtbahn-Projekts trotzdem wünsche. Der Stadtrat kündigte an, er werde einen Finanzierungsvorschlag vorlegen und an anderer Stelle im Etat seines Dezernats Ausgaben kürzen oder streichen. Wegen der Mehrausgaben müsse der städtische Haushalt nicht erweitert werden.

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